23. 05. 2012
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Hilfe gegen Alkohol jetzt auch auf Türkisch
(js) Auch türkische Mitbürger – oder solche mit türkischem Migrationshintergrund – greifen gerne mal zum Gläschen Bier oder Schnaps. "Raki und Moscheebesuch sind für sie kein Gegensatz", weiß Arif Ünal, Psychiater beim Gesundheitszentrum für Migrantinnen und Migranten. Und wie bei den "Deutschen" kann das leicht zum Problem werden. Doch oft genug hindern Sprachschwierigkeiten oder die Unkenntnis über das deutsche Gesundheitssystem sowie der kulturelle Hintergrund sie daran, sich einem Arzt anvertrauen. Zumal Alkoholgenuss nach türkischen Moralvorstellungen immer noch "beschämend" ist – wie Diebstahl oder eine Vergewaltigung. Das Tabu, über Alkoholprobleme zu sprechen, soll jetzt eine türkischsprachige Internetseite brechen.
Die Internetseite suchthilfe-koeln.de – betrieben von der Kölner Arbeitsgemeinschaft für Suchtfragen – gab es bislang nur auf Deutsch. Das Internetportal bietet allgemeine Informationen über Alkohol- und Medikamentensucht, Adressen von Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und Therapieangeboten. Seit einem guten halben Jahr ohne große Reklame im Netz, zählte es im Mai 3.000 Zugriffe – Rekord!. "Ein niedrigstschwelliges Angebot, weil es anonym ist, kann es bei der Bewusstwerdung der Suchtproblematik helfen", lobt Sozialdezernentin Marlis Bredehorst die Seite, die jetzt auch auf Türkisch angeklickt werden kann. "Das ist nach Deutsch die meistgesprochene Sprache in Köln", so Bredehorst. Eine russische Vorbereitung ist in Vorbereitung.
Der Bedarf ist zweifellos groß. Bundesweit wird die Zahl der Menschen mit "riskantem Alkoholkonsum" auf 18 Prozent der Gesamtbevölkerung geschätzt. Auf Köln umgerechnet kam Bredehorst auf 183.000 gefährdete Menschen, "und die Kölner trinken ja eher mehr". Etwa 50.000 sind von Alkohol oder Medikamenten abhängig. Alkohol ist nach Nikotin und Bluthochdruck die dritthäufigste Todesursache. Jährlich sterben 20.000 Deutsche direkt durch Alkoholkonsum. Ein Mann, der täglich 40 Gramm Alkohol trinkt – etwa ein Liter Bier – gilt nach neuesten medizinischen Erkenntnissen als gefährdet, für Frauen gilt schon die halbe Menge.
Noch ist das türkische Internetportal eine reine Übersetzung der deutschen Seite. Hergestellt wurde sie von der Schülerfirma "Das Übersetzungsbüro des Berufskollegs Südstadt, finanziert durch Spenden. Herbert Berger, Suchtkoordinator der Stadt Köln, hofft auf Verbesserungsvorschläge, die insbesondere kulturelle Unterschiede beachten. Denn mögen sich türkische Mitbürger mit Alkohol leichter tun, "für arabische Moslems ist das unvereinbar mit dem Islam", nannte Ünal ein Beispiel dafür. Ein weitergehendes Problem ist allerdings immer noch der Mangel an türkischsprechenden Ärzten. Und auch Bredehorst räumt ein, dass es in ihrer Behörde nicht genug fremdsprachige Mitarbeiter gibt. "Das Problembewusstsein dafür tauchte erst vor zehn Jahren auf." Inzwischen gebe es zwar genügend geeignete Bewerber, dem stände aber der Stellenabbau entgegen.
Die ab sofort zweisprachige Internetseite finden Sie unter: www.suchthilfe-koeln.de.

























