23. 05. 2012
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Innovation an der Kölner Uniklinik: "Anti-Neurostimulation"
Schon seit längerer Zeit kennen Schmerzmediziner den so genannten "Schmerzschrittmacher". Mit implantierten Elektroden werden die Nerven der betroffenen Dauerschmerzpatienten so stimuliert, dass ausstrahlende Schmerzen merklich gelindert werden. Die Methode nennt sich Neurostimulation und hatte bislang einen schwerwiegenden Nachteil. Verändert der Patient seine Position oder Körperhaltung, musste der Impuls der Elektrode in der Regel vom Probanden selbst angepasst werden. Mit einem neuartigen "Neuromodulator" soll dieses Problem nun der Vergangenheit angehören. Die Stimulation soll nun vom Gerät selbst durchgeführt werden. Morgen wird der erste Schmerzschrittmacher dieser Art in der Kölner Uniklinik operativ eingesetzt.
Grundlage für die Produktinnovation ist die wissenschaftliche Kenntnis des Schmerzes. Üblicherweise ist Schmerz die Folge von elektrischer Reizübertragungen über die Nervenbahnen. Dabei wird der Impuls von der Schmerzquelle über das Rückenmark an das Gehirn geleitet. Schmerzpatienten haben täglich mit so wahrgenommenen Schmerzen zu kämpfen. Qua definitionem spricht der Mediziner nach einem Zeitraum von sechs Monaten kontinuierlich auftretender Reizübertragungen von "chronischem Schmerz". Die Ursachen sind durchaus vielfältig. Neben Erkrankungen der Nerven können auch Krebs oder Unfälle Ursachen für dauerhafte Schmerzen sein. Auch Bandscheibenvorfälle können so wirksam behandelt werden. Das Fatale an chronischen Schmerzen ist neben seiner massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität auch seine Eigendynamik. So wissen die Neuromediziner inzwischen, dass chronischer Schmerz unbehandelt zu einer eigenen Krankheit werden kann. Dabei ist es unerheblich, ob die eigentliche Ursache für den Schmerz überhaupt noch besteht.
Ähnlich der Methode der "tiefen Hirnstimulation" wird in der Nähe des Rückenmarks die Elektrode eingesetzt. Das Gerät "überlagert" durch die eigenen Impulse die Reizübertragung im Rückenmark die Weiterleitung der Schmerzsignale. Vor allem bei Schmerzen, die vom Rücken in die Beine der Betroffenen ausstrahlen, erhoffen sich die Initiatoren eine positive Wirkung durch den Einsatz einer Elektrode. Für den Patienten soll sich der stechende Schmerz in ein "angenehmes Kribbeln" verwandeln, verspricht Dr. Thorsten Riethmann, stellvertretender Fachbereichsleiter Funktionelle Neurochirurgie der Kölner Uniklinik. Der Bedarf für das neue Produkt war in der Tat groß. Das haben Umfragen unter den Schmerzpatienten mit implantierter Elektrode gezeigt. Mehr als zwei Drittel der Befragten Schmerzpatienten bestätigten, dass sie bislang mindestens einmal am Tag die Stimulationseinstellungen per Hand verändern müssen.

























