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23. 05. 2012
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Köln: Mehr Mut für Laien-Defibrillator


19.10.2010 15:14 von:

Schlagwörter: Köln,Defi-Projekt,2010,Oktober,Rathaus,Lebensretter;Oberbürgermeister,Roters,Ver

Die Stadt Köln hat am heutigen Dienstag den ersten so genannten "Laien-Defibrillator” im Historischen Rathaus vorgestellt. Die kleinen und kompakten Geräte sollen auch Personen und potenziellen Ersthelfern im Notfall ein Hilfsmittel an die Hand geben, schnell und effektiv zu helfen. Bislang stehen die Geräte, zum größten Teil finanziert durch den Förderverein des Herzzentrums Köln e.V. , in allen 87 Kölner Sparkassen-Filialen sowie an den 18 Kölner Krankenhausstandorten. Nun befindet sich auch direkt an der Pförtnerloge ein solches Gerät. Die Bedienung ist kinderleicht, absolut ungefährlich und damit auch für jedermann (haftungs-)rechtlich unbedenklich, wie eine Stadtsprecherin betonte. Zwar gibt es bereits eine Infrastuktur. Die Bereitschaft, selbst an kostenlosen zweistündigen Schulungen teilzunehmen, ist allerdings in der Bevölkerung bislang eher "zurückhaltend" ausgeprägt, wie der Mediziner und Projektleiter des Projekts "Defikoeln", Dr. Carsten Zobel, beim heutigen Presseespräch erläuterte.

Pro Jahr werden alleine in der Domstadt rund 1000 so genannte "pulslose" Patienten per Notfall gemeldet. Und auch wenn Hans-Peter Lechleitner, Leiter des städtischen Rettungs- und Notarztdienstes, seinen eigenen Einsatzkräften ein gutes Zeugnis ausstellt ("90 Prozent der Notfälle erreichen wir in weniger als acht Minuten"), ist es für viele Notfall-Patienten bereits nach dieser kurzen Zeit zu spät. So will die Stadt mit der Anschaffung (genauer einer Art Mietkaufmodell mit Monatsraten von unter 40 Euro) eines ersten Gerätes nicht nur einen Impuls schaffen und die Stadtverwaltung selbst zum Standort der kleinen "Lebensretter" machen. Sie will vor allem den Verein darin unterstützen, die Bevölkerung auf den Gebrauch der kleinen Geräte hinzuweisen. Denn Mediziner wissen: Dem plötzlichen Herztod geht in 85 Prozent ein "Kammerflimmern" voraus. Mit einem gezielten Schock lässt sich die Herz-Rhythmus-Störung unterbrechen, die Überlebensrate erhöht sich mit jeder hinzugewonnen Minute spürbar. Reichen ein paar Minuten in der Regel nur für ein Fünftel der Betroffenen, um zu überleben, könnte eine sofortige Benutzung des "Defis" die Überlebensrate auf über 80 Prozent erhöhen. Das Gerät ist dabei selbst-erklärend. Neben einer Übersichtskarte mit den wichtigsten Bedienungsschritten erhalten die Nutzer dieser Laien-Defibrillatoren außerdem akustische Anweisungen, was sie als nächstes tun sollen. "Sie können nichts falsch machen", weiß Projektleiter Zobel.

"Die Aufstellung eines Defibrillators kann eine lebensrettende Rolle spielen. Das ist ein wichtiger Baustein für die Gesundheitsstadt Köln", erklärte Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters den Sinn und Zweck der vergleichsweise kostengünstigen Anschaffung. Neben den Bürgerämtern denkt Roters auch an einen sukzessiven Ausbau an den 258 Kölner Schulen. Die dort Anwesenden sind zwar deutlich weniger infarktanfällig, sollen in der Strategie der Verantwortlichen aber eine "Multiplikatorenrolle" spielen. Früher kosteten die Kurse für den Laien-Defi je nach Anbieter zwischen 15 und 20 Euro, heute werden sie vom Verein und seinen Kooperationspartnern kostenfrei angeboten, warb Zobel. "Es fehlt häufig am Mut und an der Initiative der Ersthelfer, sich ein Herz zu nehmen", weiß Mediziner Zobel. Dank der Kooperation mit dem stadteigenen Telekommunikationsdienstleister NetCologne wird außerdem bei den Sparkkassen-Exemplaren automatisch ein Alarm im Kölner Herzzentrum ausgelöst. Trotzdem empfehlen Experten wie Lechleutner und Zobel, sich im Notfall arbeitsteilig zu verhalten. Einer ruft den Notdienst, ein anderer misst die Lebensfunktionen und sorgte für freie Zugangsbereiche und ein Dritter aktiviert das Gerät. Zur kinderleichten Bedienung gehört bei der halbautomatischen Variante zudem eine Analyseeinheit, die nach Anschluss der entsprechenden Kontaktpunkte die Lebensfunktion automatisch auf verdächtige Symptome kontrolliert. Bei normaler Herzfrequenz wird der Schockimpuls erst gar nicht ausgelöst, so Zobel.

Die Mitarbeiterinnen des Sicherheitsdienstes der Stadt, die in der Regel unmittelbar neben dem Defibrilator ihren Arbeitsplatz haben, zeigten sich in einer ersten Reaktion positiv angetan. "Vor einigen Wochen mussten wir hier im Rathaus einen Notfall vor Ort behandeln. Da hätten wir das Gerät gut gebrauchen können", verriet einer der Bediensteten. Seit inzwischen drei Wochen hängt das kleine Gerät mit dem angedeuteten roten Herzemblem auf der Außenhülle gut sichtbar im Eingangsbereich des Rathauses. Benutzt werden musste es bislang nicht. Aber auch schon in den mehr als zwei Jahren zuvor gab es in den 87 Sparkassen-Standorten nicht einen einzigen Fall einer Nutzung, obwohl 30 Prozent aller Wiederbelebungen im Umfeld der Sparkassen-Standorte stattfanden. Doch diese Scheu vor der neuen Technik wollen die Verantwortlichen nun gemeinsam abbauen. An den Standorten der Sparkassen kann es nicht liegen, wie Zobel und Lechleutner analysierten. Schließlich macht das direkte Einzugsgebiet der Standorte lediglich drei Prozent der Kölner Gesamtfläche aus. Die Standortauswahl stimmt also, jetzt sollen die Geräte aber auch genutzt werden. Schließlich kostet auch die Anschaffung eines solchen Defis je nach Ausstattung und Art des Rechtsgeschäfts zwischen 1000 und 2500 Euro. Sponsoring-Aktionen für Unternehmen und andere Kommunikationsmaßnahmen sollen folgen, versprechen sich die Initiatoren. "Die Zahlen der Standorte und Geräte massiv zu erhöhen, dürfte derzeit wenig bringen. Wir müssen auch und vor allem die vorhandenen Geräte einer besseren Nutzung zuführen", stellt der Projektleiter fest.

Weitere Informationen zum Kölner Defi-Projekt erhalten sie telefonisch unter: 0800 / 0006828. Weiterreichende und umfangreiche Anleitungen zur Handhabung sowie eine Webkarte mit allen Defi-Standorten in Köln finden sie darüber hinaus im Internet unter: www.defi-koeln.de.







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