23. 05. 2012
Seite drucken
Kölner Uniklinik meldet erste Erfolge mit neuer Hautkrebs-Therapie
Melanome sind nicht zu unterschätzen. Hautkrebs gehört mit rund 14.000 Neuerkrankungen pro Jahr zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland. Nun haben Forscher der Universitätsklinik Köln ein neues Therapieverfahren entwickelt, das erste Erfolge nach sich gezogen hat. Wie die Verantwortlichen am gestrigen Mittwoch meldeten, konnte ein 74-jähriger Mann erfolgreich behandelt werden. Sein Hautkrebs scheint unter Kontrolle. Die Forschungsergebnisse hatten die Medizinwissenschaftler um Prof. Dr. Heinrich Abken bereits im Februar vergangenen Jahres nach vier Jahren Forschung veröffentlicht, ein halbes Jahr später begann die erste „Immun-Therapie“. Die Ergebnisse stellen die Krebsforscher mehr als zufrieden, wie die Landesklinik bekannt gab.
Grundlage der neuen Methode sind die so genannten“Masterzellen“, die für das Tumorwachstum verantwortlich sein sollen. Sie machen aber gerade einmal rund zwei Prozent aller Zellen eines Hautkrebs-Tumors aus. „Bisher war die Medizin davon ausgegangen, dass für eine erfolgreiche Behandlung 99,99 Prozent der Krebszellen chirurgisch oder medikamentös entfernt werden müssen“, so Abken. Entsprechend des neuen Ansatzes müssen lediglich bestimmte Tumorzellen vernichtet werden, um Tumore dauerhaft auszulöschen. „Mit Hilfe der neuen Strategie können wir bestimmte Proteine auf der Oberfläche der Masterzellen erkennen und diese dann gezielt vernichten“, so der Forscher, der im Zentrum für Molekulare Medizin Köln (ZMMK) und der Klinik I für Innere Medizin tätig ist. Beide Einrichtungen sind Mitglied des CIO Centrums für Integrierte Onkologie Köln Bonn.
Erster Probant der neuen Therapiemethode war ein 74-jähriger Kölner, der eine besonders stark streuende Form des Hautkrebses aufwies. Bisherige Therapien sowie chirurgische Eingriffe an den Haut- und Lymphknotenmetastasen sowie chemotherapeutische Behandlungen hatten wenig Wirkung gezeigt, wie die Leiterin des Hauttumorzentrums, Prof. Dr. Dr. Cornelia Mauch erläuterte. Die Ärzte des Zentrums behandelten den 74-Jährigen etwa sechs Monate ambulant in einer lokalen Therapie mit einem Anti-CD20-Antikörper, der gezielt die Masterzellen des Melanoms zerstören soll. Der Antikörper ist bereits länger bekannt, wurde bisher jedoch bei anderen Erkrankungen mit anderen Zielen eingesetzt. Inzwischen ist der Tumor verschwunden, obwohl der Großteil der Zellen nicht entfernt wurde. Die Therapie zielte vor allem auf die Masterzellen.
„Es ist nicht nur irgendeine neue Therapie bei Hautkrebs, sondern die erste Bestätigung für ein vollkommen neues Verständnis in der Krebstherapie. Wir werden künftig für die Therapieplanung berücksichtigen müssen, welche Tumorzellen wir zerstören müssen“, so die Hautkrebs-Spezialistin. Einfacher wird es dadurch für die Mediziner keineswegs, die Zerstörung bestimmter Zellen ist ein „außerordentlich komplexes“ Vorgehen. So wird der nun erreichte Erfolg Ausgangspunkt weiterer Forschungen sein. Ein breiter Einsatz dieser Therapiemethode dürfte so noch etwas auf sich warten lassen. Möglicherweise steht am Ende dieses Prozesses ein Paradigmenwechsel in der Krebsforschung überhaupt. Damit könnte dann der Kampf gegen den Krebs zukünftig weit weniger Beeinträchtigungen mit sich bringen wie das derzeitige schulmedizinische Vorgehen, sind sich die Kölner Medizinforscher sicher.

























