23. 05. 2012
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Kölns Demenzkranke in guten Händen
(js) "Sehr zufriedenstellend" – so lautet eine erste Zwischenbilanz zum Demenz-Betreuungsservice, den die Sozialbetriebe Köln gGmbH (SBK) seit 2006 anbieten. Rund 400 Kranke und deren Angehörige nahmen ihn seitdem in Anspruch, insgesamt 130 Ehrenamtler halfen bislang, 82 sind aktuell für 85 Fälle im Einsatz. "Diese Arbeit gibt mir viel zurück", begründete Walter Seeger, 59 Jahre alt und Hartz-IV-Empfänger, sein Engagement.
Bis zu acht Sunden wöchentlich ist jeder der Helfer im Einsatz. Wenn sie ins Haus kommen, haben die pflegenden Angehörigen einmal Pause, können ins Theater gehen oder einkaufen. Viele schätzen aber auch das Gespräch mit einem Außenstehenden, geraten sie doch durch die intensive Pflegearbeit oft selber in gesellschaftliche Isolation. Im Mittelpunkt steht aber die Betreuung der Demenzkranken, die Ehrenamtler unterhalten sich mit ihnen, machen Gedächtnisspiele, hören sich deren Erinnerungen an oder bringen vergessene Talente ans Tageslicht. "Eine 84 Jahre alte Dame setzte sich nach 60 Jahren wieder an eine Heimorgel und spielte ‚Großer Gott, wir loben dich‘", erzählte Betreuerin Marion Miebach, als SBK-Geschäftsführer Otto B. Ludorff und SenioAss-Leiterin Astrid Näthke die Ergebnisse der Untersuchung am Montag vorstellten.
Danach ist die Zufriedenheit gegenseitig – sowohl bei den Ehrenamtlern als auch bei den Betreuten und deren Angehörigen. Immerhin 61 Prozent waren "vollkommen zufrieden" mit dem Einsatz der Betreuer, der Rest der Befragten kreuzte die Kategorie "zufrieden" an. Fast 50 Prozent der Angehörigen fühlten sich durch die Hausbesuche "entlastet", 30 sogar "sehr entlastet". Jeder Fünfte allerdings wünschte sich mehr Betreuung – hier scheint das Angebot an seine Grenzen zu stoßen. Organisiert wird es von SenioAss, einer SBK-Dienstleistung speziell für Demenzkranke. Dazut gehören auch wöchentliche Beschäftigungsgruppen und ein tägliches Gruppen-Mittagessen in den ehemaligen "Riehler Heimstätten". Ein Betreuungsangebot für somatisch Pflegebedürftige ist in Vorbereitung.
"Ambulant statt stationär" ist die dahinterstehende Ideologie. Das sichert den Betroffenen nicht nur langfristige Selbstständigkeit und Selbstbestimmung und damit Menschenwürde, es spart der Stadt auch nicht unerhebliche Summen, die andernfalls für einen Pflegeplatz ausgegeben werden müssten. Zur Zeit finanziert die Stadt eine Vollzeitstelle bei SenioAss. Ob auch hier im Rahmen der städtischen Finanzkrise gespart wird, steht noch nicht fest. Der Bedarf an Demenz-Betreuung wird angesichts der demografischen Entwicklung auf jeden Fall steigen. "Mit professionellen Kräften ist das schon heute nicht zu schaffen", stellte Ludorff fest, "wir brauchen dazu gut ausgebildete Ehrenamtler."
Diese erhalten dafür eine gesetzlich vorgeschriebene Schulung über die theoretischen und praktischen Grundlagen für die Betreuung dementer Menschen. In Köln werden zusätzlich wöchentliche Reflexionsgespräche und einmal im Jahr eine Fortbildung angeboten. Für ihren Einsatz erhalten die Ehrenamtler eine Aufwandsentschädigung von 7,50 Euro pro Stunde. Sie muss von den Angehörigen gezahlt werden, die sie von der Pflegeversicherung erstattet bekommen können.
Informationen finden sie unter: www.sbk-koeln.de oder unter der Telefonnummer: 0221 / 77 55-499

























