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23. 05. 2012
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Psychologen warnen vor Spätfolgen des Unglücks vom 3. März


04.04.2009 17:32 von:

Schlagwörter: Köln,Psychologen,PSU,Team,Feuerwehr,Betreuung,Therapie,Belastung,Einsturz

Fast 900 Betroffene des Unglücks vom 3. März dieses Jahres haben die bis zu 80 psychologischen Berater in den Tagen und Wochen nach dem Unglück bereits betreut. Aber ob sie damit alle Spätfolgen der Einsturzkatastrophe am Waidmarkt erreicht haben, wissen die Verantwortlichen nicht. Aus diesem Grunde wandte sich der Leiter der Abteilung PSU ("Psychosoziale Unterstützung"), Axel Strang, am gestrigen Freitag erneut an die Öffentlichkeit. Der Fall einer 84-Jährigen, die sich in der vergangenen Woche umgebrachte, hatte nicht nur den Psychologen gezeigt, dass die Aufarbeitung von Katastrophen neben den körperlichen und materiellen Folgen vor allem auch die Psyche der Betroffenen angreifen kann. Strang spricht in diesem Zusammenhang von einem "Erwachen", wenn nach der Erledigung der dringendsten Dinge die Zeit kommt, in der man über das Erlebte nachdenkt. Die Symptome sind dabei durchaus unterschiedlich und lassen sich nicht exakt klassifizieren, weiß der Diplom-Psychologe Martin Kohlen, der als Berater des PSU-Teams an zahlreichen Einzel- und Gruppenberatungen teilnahm. In Kürze wolle man in einem Rundschreiben die Hausärzte in der Südstadt anschreiben und ihre Dienste auch dort anbieten. Die Fachleute befürchten, dass es noch immer Menschen gibt, die wegen des Unglücks am Waidmarkt psychologische Hilfe und Unterstützung benötigen. Nur ein geringerer Teil der Menschen, die Augenzeuge einer Katastrophe wie der am Waidmarkt wurden oder anderweitig davon betroffen sind, keinerlei Spätfolgen davon tragen. Fast ein Drittel zeigt erfahrungsgemäß akute und starke Symptome.

Bilanz nach vier Wochen

Insgesamt war Abteilungsleiter Strang zwischenzeitlich Chef von bis zu 80 psychologischen Beratern. Eigentlich umfasst die 1998 gegründete Abteilung der Kölner Feuerwehr lediglich 22 Mitarbeiter, davon 16 so genannte PSU-Assistenten. Bei Großschadensereignissen wie dem Einsturz der Gebäude auf der Severinstraße am 3. März, kommen allerdings weitere Psychologen hinzu. Das PSU-Team ist vor allem für die Nachbereitung von Traumata zuständig, die durch belastende Situationen der Berufs- und der freiwilligen Feuerwehr entstehen können. Insgesamt befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks nach Schätzungen der Feuerwehr knapp 900 Personen im direkten Umfeld, davon alleine rund 750 Schüler und Lehrer des angrenzenden Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums. Die Zahl der Beratungsgespräche des Teams belaufen sich bislang auf 178, Teamleiter Strang rechnet mit neun notwendigen Langzeittheratpien. Sieben Personen mussten akut betreut werden, weitere 49 erhielten eine telefonische Beratung über die Betreuungs-Hotline der Abteilung. Bislang fanden zudem 14 Kurzzeittherapien, drei Gruppengespräche sowie vier auswärtige Unterstützungen statt. So weiß Strang von einer Archivmitarbeiterin, die nach dem Unglück sofort nach Hamburg fuhr und erst nach Tagen Kontakt mit den Kölner Psychologen aufnahm.

Die Symptome, die eine fachkundige Betreuung notwendig machen können, teilte Diplom-Psychologe Kohlen in drei Gruppen ein. So gibt es Menschen, die zum Teil schmerzhafte und heftige Erinnerungsschübe aufweisen. Die zweite Gruppe zeichnet sich durch eine Vermeidungsstrategie aus, sie meiden U-Bahn, den Ort des Unglücks, weil sie der imaginären Gefahr aus dem Weg gehen wollen, die sie hautnah erlebt haben. Die dritte Gruppe weist eine starke innere Unruhe auf. "Diese Menschen laufen mit innerlichen 10.000 Umdrehungen durch die Gegend, sind aufgeregt und leicht reizbar", beschreibt Kohlen die Symptome. Wer derartige Folgen bei sich feststellt, kann sich auch direkt über die Hotline des Bürgertelefons unter der kostenfreien Rufnummer: 0700 / 0221 – 1111 mit dem PSU-Team in Verbindung setzen. Eine psychologische Betreuung ist wichtig für die Verarbeitung des Erlebten, argumentiert Kohlen. Während akut Betroffene bei entsprechender Therapierung kurz nach dem Unglück gute Chancen auf eine schnelle Verarbeitung haben, wird es Wochen nach dem Erlebten schon deutlich schwieriger. Wie die belastenden Erlebnisse aber letztlich verarbeitet werden, hängt von den individuellen Voraussetzungen der Betroffenen ab. Und auch wenn die Verantwortlich dem größten Teil der Betroffenen bereits helfen konnten, rechnet sie doch mit einer Dunkelziffer bislang unentdeckter belasteter Betroffener. Und genau die wolle man nun erreichen.







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