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23. 05. 2012
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Schlafstörungen im Kindesalter mit gravierenden Spätfolgen


13.03.2010 00:56 von:

Schlagwörter: Köln,Maternushaus,Schlaflosigkeit,Adipositas,Sport,Tagesablauf,Beratung,Diagnost

Viele Projekte mit staatlichen Fördergeldern werden derzeit ausgebeben, um ein Problem in den Griff zu bekommen, das immer virulenter wird. Bewegungslosigkeit, Adipositas, Übergewicht, sind nur einige der Schlagworte, mit denen die Öffentlichkeit immer wieder konfrontiert wird. Immer häufiger sind es junge Menschen, die unter den Folgen von Bewegungsarmut, falscher Ernährung, aber auch einem zunehmenden Medienkonsum zu leiden haben. Eine weitere mögliche Ursache wird dabei jedoch weitgehend unterschätzt und bislang auf den meisten Artikel über die Thematik ausgeklammert: Schlafstörungen. Wer sie einmal durchmachen musste, weiß um die fatalen Folgen für die eigenen Lebensqualität. Tauchen diese Probleme bereits in der Kindheit auf, lassen sich die Konsequenzen nur mit großen therapeutischen Aufwand wieder korrigieren.

Dabei fehlt es insbesondere an ambulanter Diagnostik und anschließenden ambulanten Behandlungsmöglichkeiten, wie der Chefarzt der Kinderklinik am Krankenhaus Porz, Dr. Alfred Wiater weiß. Wiater ist Präsident und Leiter einer interdisziplinären Fachtagung, die seit dem heutigen Freitag bis zum kommenden Sonntag (14. März) im Kölner Maternushaus stattfindet. Dass frühe Behandlung diverse Spätfolgen wirksam bekämpfen und damit viel persönliches Leid, aber auch Kosten im Gesundheitswesen sparen kann, ist nicht nur für Wiater eine Binsenweisheit. Schlechte Angewohnheiten, wie übermäßiger Medienkonsum oder fehlende sportliche Aktivitäten verschärfen das Problem, wie Dr. Markus Dworak von der Harvard Medical School und einer der Fachreferenten auf der Veranstaltung bestätigt Nicht selten verstärken die genannten Risikofaktoren die Auswirkungen, "ein Teufelskreis", wie Wiater aus der eigenen Erfahrung mit der Behandlung solcher Fälle weiß.

In einem Pressegespräch im Vorfeld nannten die beiden Mediziner erschreckende Zahlen. Bundesweit gehen die Gesundheitsexperten davon aus, dass 30 Prozent der Säuglinge, ein Fünftel aller Grundschulkinder von Schlafstörungen betroffen sind. Häufig äußert sich das in der so genannten "Tagesmüdigkeit", einem Zustand, der in der Regel durch Störungen beim Einschlafen oder während der Schlafphase hervorgerufen wird. Rund 30 Prozent der Schulkinder sind davon betroffen, weitere zehn Prozent, so schätzen Fachleute, gelten als hyperaktiv. "Das ist nicht nur ein medizinisches, sondern ein gesellschaftliches Problem", erklärte Wiater im Vorfeld der Tagung. "Gestörtes Schlafverhalten führt auch zu gestörtem Sozialverhalten. Gerade unkontrollierter Medienkonsum oder übermäßige Computerspielen führt zu Veränderungen", zitiert Medizinforscher aktuelle Studien zu diesem Thema. Die Konsequenzen müssen in einer besseren Prävention liegen. "Schlaf muss erholsam sein, sonst haben wir den Alptraum einer schlaflosen Gesellschaft", legt wiater nach.

Insbesondere mangelt es an ambulanter Diagnostik und ambulanten Behandlungsmöglichkeiten. "Junge Familien sollten beraten werden", schließlich leiden bereits ein geschätztes Viertel aller Kinder bis drei Jahre an so genannten Regulationsstörungen. Darunter versteht der Kinderfacharzt "Schreibabies, die überdies auch bei der Nahrungsaufnahme Probleme haben. Ein Viertel der Betroffenen kommt aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Zum zweiten fordert Wiater, der zugleich auch Sprecher des Arbeitskreises Pädiatrie in der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) ist. Zwar gibt es für Erwachsene in der gesamten Republik rund 400 Kliniken mit entsprechenden Angeboten sowie rund 40 Schlafmedizinische Zentren, aber keine Kinderschlafambulanzen. Stellen die Fachärzte in einer spezialisierten Kinderklinik eine Schlafstörung fest, "ist eine ambulante Weiterbehandlung in Deutschland nicht möglich". Folglich entstehe eine Lücke in der medizinischen Versorgung, die nach Meinung des Experten, angesichts der zu erwartenden Symptome im späteren Leben gravierende Folgekosten nach sich ziehen wird. Prävention sollte daher vor allem dabei ansetzen, Familien mit kleinen Kindern Hilfen und Tipps an die Hand zu geben. Die meisten Tipps der Mediziner klingen fast banal, aber dennoch einleuchtend.

Feste Regeln und Tagesabläufe gehören ebenso dazu wie eine sinnvolle "Schlafhygiene". Damit meint der Fachmann die behutsame Vorbereitung auf den Schlaf durch Reizreduzierung. Den eigenen Fernseher aus dem Kinderzimmer könnte dazu ein wichtiger Schritt sein, ebenso wie regelmäßige sportliche Übungen, am besten unter fachkundiger Anleitung, erläuterte Dworak. Insbesondere der Medienkonsum stellt jedoch ein gravierendes Problem dar. Schon 60 Minuten intensives Autorennen am PC oder ein 90-minütiger Film mit nicht kindgerechten Inhalten reichen aus, um nach einem Schlaf das Gedächtnis, die Stabilisierung von vor vorher erlerntem Wissen, zu schwächen, wie Dworak in eigenen Experimenten herausfand. Vor allem das in der schule so wichtige textlich Gedächtnis leidet unter erhöhtem Medienkonsum, so der Medizinforscher weiter. Die Studie der Deutschen Sporthochschule (DSHS), an der Dworak im Jahr 2007 mitgewirkt hatte untersuchte in einem dreistufigen Forschungsdesign die Merkfähigkeit von Kindern mit einem Durchschnittsalter von 13 Jahren nach einem PC-Spiel, einem Film und ohne Medienreiz vor dem Einschlafen.

Mit einem Anteil von rund 50 Prozent ist der Traumschlaf bei einem jungen Menschen verhältnismäßig hoch (Erwachsene: 13 Prozent). Experten gehen davon aus, dass gerade im Traumschlaf das prozedurale Gedächtnis (wichtig für Motorik, Abläufe und Koordination) aktiviert wird, Kinder und Jugendliche dadurch ihr Erlerntes stabilisieren, sprich besser abspeichern können. "Funktioniert das Abspeichern nicht, ist das prägend für die weitere Entwicklung", so Kinderarzt Wiater. Es komme jedoch auf die Inhalte ein, schränkt Dworak ein. So ist das Lernen am PC, wie es in immer mehr Schulen an der Tagesordnung ist, keineswegs schlecht. Aber dass sich die Spieleindustrie bereits als Erfinder einer neuen Breitensportart sieht, widerspricht der Definition eines Sportmediziners, stellte Dworak abschließend klar.

Weitere Informationen zum Veranstalter der Fachtagung und dem Problem Schlafstörungen finden Sie auch auf der Internetseite der Gesellschaft unter: www.charite.de.







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