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23. 05. 2012
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200 Beratungsanfragen wegen Zwangsheirat in NRW


07.08.2008 22:00 von:


„Nein zur Zwangsheirat“, lautet das Motto der Aktion, die bereits seit Juni vergangenen Jahres online steht. Nordrhein-Westfalen ist eigenen Angaben zufolge das erste deutsche Bundesland mit einem Angebot dieser Art, wie der zuständige Landesminister Armin Laschet am heutigen Freitag in Düsseldorf betonte. Der Online-Service ist einer von zehn Bausteinen des integrierten Handlungskonzepts, das der Integrationsminister vor rund zwei Jahren aufgelegt hatte und dem nationalen Integrationsplan um mehr als ein Jahr vorauseilte. Der Kampf gegen die „arrangierte Ehe“, wie es von einigen Verbänden formuliert wird, steht unter der Überschrift Konzept gegen „Verbrechen im Namen der Ehre“, wie sie in der größten Migrantengruppe der Türkeistämmigen (schließlich auch Kurden mit ein) immer wieder auftauchen. Massive Unterdrückung bis hin zum Kapitalverbrechen sind zwar nur Einzelfälle, wie es aus Kreisen der muslimischen Verbände immer wieder heißt. Aber durch ihre mediale Verbreitung erhalten genau diese Fälle eine gefühlte Dringlichkeit, die immer wieder Forderungen nach Gesetzesverschärfungen und heftige politische Debatten darüber initialisiert. Weniger im Licht der Öffentlichkeit, dafür aber umso perfider sind die verschiedenen Abstufungen "arrangierter Ehen", die bereits mit unterschwelliger Androhung ein Klima der Angst erzeugen kann.

"Die Zahlen des ersten Projektjahres belegen, dass dieses Angebot in Trägerschaft des Mädchenhauses Bielefeld die gewünschte Zielgruppe auch tatsächlich erreicht", so das wenig überraschende Fazit Laschets. Insgesamt blieb die Nachfrage aber rund 200 beratenen Personen nach mehr als einem Jahr aber eher überschaubar. Interessant: Unter den Beratenen fanden sich auch 28 junge Männer mit ihrem Hilfsgesuch auf der Online-Plattform ein. "Wir sind sicher, dass die Anzahl der Mädchen und jungen Frauen, die von Zwangsheirat betroffen sind, noch wesentlich höher ist. Je bekannter das Angebot wird, desto stärker wird die Zahl der Nachfragen ansteigen", erklärte Birgit Hoffmann-Reuter, Geschäftsführerin des Mädchenhauses in Bielefeld. Gerade in den großen Ferien melden sich Mädchen, die sofortigen Schutz vor einer Zwangsehe benötigen. Hier müsse sofort gehandelt werden", führte die Bielefelder Pädagogin weiter aus.

Das Angebot ist mit Bedacht so gewählt. Durch seine Niederschwelligkeit und Anonymität soll es möglichst viele Betroffene ansprechen. Einzel- und Gruppenchats in speziell geschützten Räumen der Online-Beratungsstelle sollen Vertrauen schaffen. Neben den direkt Betroffenen wenden sich auch Vertrauenspersonen und Fachkräfte aus Einrichtungen an die Koordinierungsstelle. 84 Prozent der Beratungen laufen dabei in deutscher Sprache, wie die Initiatoren berichteten. Die meisten Betroffenen, so der Eindruck der bisherigen Tätigkeit, liegt bei jungen Menschen aus dieser Gruppe, die in Deutschland groß werden oder bereits groß geworden sind. Die Online-Beratungsangebot ist allerdings neben deutsch und türkisch auch in kurdisch, arabisch und albanisch verfügbar. Ein bisschen Selbstkritik keimt in Sachen kulturelle Öffnung auf. Hier müsse man noch mehr tun, schließlich sei der Zugang mit gleichem kulturellem Hintergrund außerordentlich wichtig, wie Laschet abschließend hervorhob.

In der Sache konnte das Online-Berater-Team tatsächlich in 24 Fällen Hilfe anbieten. Ob man mit diesem Angebot eine Zwangsheirat verhindern konnte, lässt sich statistisch allerdings nur schwer erfassen. Trotzdem gilt eine einfach Regel. "Je früher sich die Mädchen an die Online-Beratung wenden, umso besser sind die Chancen für alle Beteiligten, ohne Gesichtsverlust einen anderen Weg einschlagen zu können", berichtete eine Beraterin der Onlinestelle. Allerdings müsse genau so klar sein, dass ein freiheitlicher Staat die Verletzung von Grund- und Menschenrechten nicht dulden und die Opfer schützen wird, wie die Initiatoren versicherten.

Weitere Informationen zum Thema und zum Angebot erhalten Sie im Internet unter www.zwangsheirat-nrw.de.







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