23. 05. 2012
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Berichterstattung über Islam in Deutschland problematisch
Die gelebte Wirklichkeit werde dabei viel zu häufig vernachlässigt.
Zwar bleibt der internationale Terrorismus, der sich des Islams
bedient, auch weiterhin eine ernsthafte Bedrohung. Doch die
überwiegende Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen islamischen
Glaubens sei friedlich und rechtschaffend, argumentierte der
Innenminister weiter. Sein Ministerium wolle daher für eine
verantwortungsvollere und differenziertere Berichterstattung werden,
hieß es aus Berlin weiter. Auch namhafte Islamkenner in Deutschland
kritisierten, dass im Zusammenhang mit dem Islam zuerst über
Terrorismus und fast immer mit einem negativen Unterton berichtet wird.
Zu den Kritikern zählt auch der Islamwissenschaftler Andreas Görke von
der Universität Kiel. "Die Berichte basieren häufig auf Unwissenheit
und sind in der Sache so nicht zutreffend", stellt Görke fest. Als
Resultat entstehe ein vielfach sehr einseitiges Bild des Islam bei der
deutschen Bevölkerung. Es komme dabei aber auch darauf an, aus welchem
Lager die jeweiligen Berichte kommen. "Bestimmte Stimmungen werden eben
gerne von den Medien bedient", ergänzt der Kieler Wissenschaftler. Die
häufig einseitige und wertende Berichterstattung werde zusätzlich
dadurch erschwert, dass die islamische Religion andere Strukturen
aufweise als zum Beispiel die christlichen Kirchen. Ein differenziertes
Bild des Islam sei dadurch noch schwerer vermittelbar, räumten die
Experten ein. "Das Problem liegt darin, dass Muslime durch ein
negatives öffentliches Image unter Rechtfertigungsdruck geraten",
schildert Görke und verweist auf die Diskussion rund um das
Kopftuchverbot. Es gebe zwar mittlerweile auch einige positive
Bemühungen in Form kleinerer Initiativen, die sich dieser Problematik
annehmen würden. "Derartige Projekte werden in dem Medien allerdings
großteils überhaupt nicht behandelt", kritisiert Görke.
Mit mehreren Initiativen habe man vonseiten der Bundesregierung bereits
seit 2006 versucht, diesem Trend entgegen zu wirken. Doch bis auf
vereinzelte Lokalmedien habe sich an der grundsätzlichen Ausrichtung
der Berichterstattung über den Islam bislang wenig verändert. Eine
eigens dafür eingerichtete Arbeitsgruppe auf der Islamkonferenz will
sich nun verstärkt mit dieser speziellen Problematik auseinandersetzen.
Ziel sei es dabei, einen dauerhaften Dialog zwischen Vertreter des
deutschen Staates, der beteiligten Zivilorganisationen aber auch der
Betroffenen selbst und ihrer Institutionen zu etablieren, so das
abschließende Fazit der Islamkonferenz.


























