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23. 05. 2012
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Diplom und Rosen für die "Rucksack"-Mütter


12.07.2011 06:37 von:

Schlagwörter: Köln,Rucksack,zweisprachig,Fremdsprache,Muttersprache,Türkisch,Deutsch,Kita,Grun

(ehu) So viel Leben war noch nie im neuen VHS-Forum, das vor einem halben Jahr am Neumarkt eröffnet wurde: 40 türkischsprachige Mütter, mindestens doppelt so viele Kinder jeden Alters, dazu Offizielle von Stadt und Wohlfahrtsverbänden. Sie drängelten sich um Infostände und ein leckeres Büfett. Anlass war die Verleihung des "Rucksack"-Diploms an die Mütter, die dazu auch noch eine Rose erhielten.

Die Idee des "Rucksack"-Programms kommt aus den Niederlanden, 2005 wurde es auch in Köln eingeführt. Ausgangspunkt ist die wissenschaftlich belegte Erkenntnis, dass ein Kind eine Fremdsprache – in diesem Falle Deutsch – besser lernen kann, wenn es auch seine Muttersprache – hier Türkisch – beherrscht. Zweisprachigkeit fördere zudem die Kreativität, so eine weitere wissenschaftliche Erkenntnis.

In den "Rucksack" werden Bastelanleitungen und Informationen gepackt

In diesem Projekt treffen sich zwei Jahre lang einmal in der Woche die Mütter für zwei Stunden und erhalten zum einen Materialien zu dem Stoff, die ihre Kinder gerade in der Kita oder Grundschule durchnehmen. Diesen sollen sie dann zu Hause in ihrer Muttersprache mit den Kindern nacharbeiten. Zum anderen erhalten sie Antworten auf Erziehungsfragen oder Informationen über Jugendhilfen oder Verwaltungszuständigkeiten.

Eine "Elternbegleiterin" aus ihren Reihen stellt die Verbindung zur Schule oder Kita her. Sie erklärt zum Beispiel den Unterrichtsstoff und wird dazu extra ausgebildet. Allerdings erhalten die Mütter keinen realen Rucksack, dieses Wort ist symbolisch zu verstehen. Er wäre aber durchaus praktisch, um all das aufzunehmen, was es an Materialien gibt, etwa alles, was zum Basteln einer Uhr gehört, um die Zeit zu lernen. Was man braucht, um einen Drachen zu bauen oder ein Memory-Spiel zusammenzustellen.

Eine Gruppe kostet 4.000 Euro im Jahr – das Geld ist gut angelegt

Zur Zeit gibt es solche Müttergruppen an zehn Grundschulen und sieben Kitas. Insgesamt nehmen rund 150 Mütter daran teil. "Wir würden gerne mehr Gruppen aufbauen, auch für andere Sprachen, aber dafür fehlt uns das Geld", bedauert Beate Büggel, stellvertretend für die städtischen Kooperationspartner. Rund 4000 Euro kostet die Organisation einer Gruppe jährlich.

Eine Ausgabe, die sich lohnt. Zum einen für die Mütter, die durch die Teilnahme an Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit gewinnen. Wie Demet Sakalli. Vor 13 Jahren heiratete sie nach Köln, sprach lange kein Deutsch. Jetzt besucht sie einen Sprachkurs und hofft, bald auch zu studieren – schließlich hat sie in der Türkei Abitur gemacht.

Und lohnend auch für die Kinder. Sakallis selbstbewusste Tochter Esma (12) spricht perfektes Deutsch mit kölschem Zungenschlag und besucht ein Gymnasium. Ihr Lob für das Rucksack-Programm: "Wir verstehen mehr, unterhalten uns viel mehr zweisprachig." Und ihr Bruder, der schüchterne Cemsah (8), lese auch schon mehr deutsche Bücher.







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