23. 05. 2012
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Historischer Zug in München angekommen
Am gestrigen Sonntag kam in München ein historischer Zug am Hauptbahnhof an. Mit dem TRT-Kulturzug gedachten die Verantwortlichen beider Staaten dem 50. Geburtstag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. Die mitgereisten Arbeitsmigranten der ersten Stunde – viele sind inzwischen wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt – wurden am Bahnhof von zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern der Gesellschaft mit einem feierlichen Empfang gewürdigt. Auf Initiative der Türkischen Rundfunk- und Fernsehanstalt TRT waren sie - in Erinnerung an den historischen Weg der ersten türkischen "Gastarbeiter" vor einem halben Jahrhundert - mit einem Sonderzug vom Istanbuler Bahnhof Sirkeci aus nach München gekommen. Begleitet wurden sie von einer deutsch-türkischen Delegation aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die fünftägige Zugfahrt führte über Plovdiv, Belgrad, Zagreb und Salzburg in die bayerische Landeshauptstadt. Rund 400 geladene Gäste und Spitzenvertreter der deutschen und türkischen Öffentlichkeit feierten die Ankunft des TRT-Kulturzugs, der um 14:39 Uhr - mit einer nostalgischen Lok der DB Fernverkehr bespannt - in den Hauptbahnhof einrollte.
Zu den hochrangigen Vertretern gehörten unter anderem der türkische Vizepremier Bekir Bozdag und Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. Sie stiegen auf der letzten Etappe zwischen Salzburg und München an Bord des TRT-Kulturzugs. "Das Projekt des "TRT-Kulturzuges" ist ausgezeichnet dafür geeignet, an die Anfänge des Zuzugs aus der Türkei nach Deutschland zu erinnern und sich über die vielfältigen persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen", lobte Böhmer die Initiative, die neben dem türkischen Rundfunksender in Deutschland vom Bayerischen Rundfunk und der Deutsche Bahn AG unterstützt wurde. Nach Meinung der türkischen Verantwortlichen leben derzeit in Deutschland rund 2,9 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln. Viele haben sich hier seither erfolgreich eine Existenz aufgebaut: als Handwerker, Ingenieur, Ärztin, Pflegedienst, Supermarkt- oder Restaurantbesitzer. Der Zuzug aus der Türkei hat auch Deutschland verändert.
Für die mitgereisten Ehemaligen war die Reise nach Deutschland nicht nur das Wiedererleben ihrer eigenen Vergangenheit, sondern zugleich auch Aufbruch in eine Zukunft, wie die Initiatoren ausführten. "Dieses Land hat mir viel gegeben. Ihm verdanke ich viel Schönes und Neues, das ich vorher nicht kannte. Ich habe hier viel über das Leben gelernt", erklärte beispielsweise Ahmet Yetis, der 1966 im Alter von 24 Jahren in München ankam. Auch Schriftsteller und Autor Mehmet Ali Zaimoglu sieht die Begegnung mit der deutschen Kultur für seine Identitätsbildung als positiv an. Der 73-jährige Autor hat seine Migrationsgeschichte in der Biographie "Wenn das fremde Land zur Heimat wird" niedergeschrieben. "Ich möchte den zukünftigen Generationen meine Erinnerungen, Träume und Hoffnungen weitergeben", erklärte er stellvertretend für viele andere, die mit ihrer Ankunft in Deutschland ein Stück Zeitgeschichte geschrieben haben.
Der TRT-Kulturzug ist Teil eines umfassenden Sonder- und Veranstaltungsprogramms, das die TRT zum 50. Jubiläum des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens in diesem Jahr ins Leben gerufen hat. Das Projekt wurde in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk unter Förderung der Deutschen Bahn und Çaykur realisiert.


























