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23. 05. 2012
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Integrationskonzept steht bis Ende 2009


23.03.2009 22:35 von:

Schlagwörter: Köln,Integrationskonferenz,Integration,Integrationsrat,Bredehorst,Diskussion

Einen ganzen Tag lang tagten in der vergangenen Woche rund 180 Kölnerinnen und Kölner um die Zukunft der Integrationspolitik in der Stadt. Im Gegensatz zu manch anderer Stadt verfügt die Stadt noch nicht über ein abschließendes Integrationskonzept, wie Integrationsdezernentin Marlis Bredehorst einräumte. Allerdings habe man die Ergebnisse der verschiedenen Beratungen bereits jetzt zu einer Ratsvorlage zusammengefasst, die am kommenden Donnerstag vom Stadtrat offiziell beschlossen werden soll. Dort ist allerdings nicht von einem Konzept, sondern lediglich von konzeptionellen Ansätzen die Rede. Insgesamt 14 Arbeitsgruppen haben bereits Ergebnisse in Form von Handlungsempfehlungen abgeliefert. Diese seien jedoch noch nicht vonseiten der Stadtverantwortlichen in ein entsprechendes Maßnahmenpaket übersetzt worden, hieß es dazu weiter. Ungeachtet dieser Verzögerungen und der Tatsache, dass sieben weitere Arbeitsgruppen noch gar keine Ergebnisse geliefert haben, bewerteten Dezernentin Bredehorst und der Vorsitzende des Kölner Integrationsrates, Tayfun Keltek, die Fortschritte als substantiell.

Angeregte Diskussionen und kritische Zwischentöne

Bei den Diskussionen auf der Veranstaltung am vergangenen Donnerstag wurden insgesamt 24 Tische mit jeweils sechs bis sieben Personen eingerichtet, erklärte die Leiterin des Interkulturellen Referats der Stadt Köln, Ina-Beate Fohlmeister. Grundlage für die Debatte waren drei Kernfragen und die so genannte "World Café-Methode". "Die Diskussionen waren angeregt und fruchtbar", fasste Fohlmeister beim anschließenden Pressegespräch ihre Einschätzung zusammen. Nun müssen die Ergebnisse dieser Beratungen, wie auch die Anregungen der verschiedenen Fachausschüsse in das endgültige Papier eingearbeitet werden. Aber das Ziel macht die Arbeit an dem gemeinsamen Konzept lohnenswert, so die zuständige Dezernentin Bredehorst zuversichtlich. "Es geht um das Zusammenleben von einer Million Menschen mit 200 Ethnien. Ziel ist eine multi-kulturelle Gesellschaft", so Bredehorst weiter. Dabei fehlen noch erste Ergebnisse aus so wichtigen Themenbereichen wie Wohnen, Kultur oder den Querschnittsfeldern "Menschen mit Behinderungen", "Frauen" und "bürgerschaftliches Engagement", räumte Bredehorst ein. Aber ein Vorteil ist aus Sicht der Organisatoren die breite Basis des gemeinsamen Konzeptes. "Die Stadt ist reif für mehr Diskussion", erklärte die zuständige Dezernentin weiter.

Kritik an Medienberichterstattung

Zum Gelingen des friedlichen Zusammenlebens in dieser multi-ethnischen Gesellschaft gehört nach Meinung des Vorsitzenden des Kölner Integrationsrates auch eine intensivere Berichterstattung in den Medien. "Migranten existieren in den Medien überhaupt nicht", so die provokante These von Tayfun Keltek. Grund für seine Medienschelte ist die eher magere Berichterstattung über das wahre Leben von Migranten in Deutschland. Vielmehr rückt das Thema Migration/Integration immer dann in den Blickpunkt, wenn über Gewalttaten von Jugendlichen mit Migrationshintergrund berichtet wird. Dabei sind die Problemlagen für eine gelungene Integration ohnehin schwer, weiß Keltek, in seinem Hauptberuf Lehrer. Selbst gut ausgebildete und qualifizierte Jugendliche mit entsprechendem Hintergrund haben es inzwischen schwer, geeignete Stellen zu finden. Integration bedeutet aber vor allem Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Immerhin, lobt Keltek, sei man inzwischen bereit, neben der deutschen auch die Muttersprache im Kindergarten und in der Grundschule zu unterrichten. Allerdings ist das Angebot noch ausbaufähig, wie Keltek andeutete.

Gute Nachrichten gibt es inzwischen aus der Stadtverwaltung selbst. Betrug der Anteil der neu eingestellten Auszubildenden mit Zuwanderungshintergrund vor wenigen Jahren noch drei bis vier Prozent, so ist der Anteil im jüngsten Jahrgang auf immerhin ein Viertel hochgeschnellt. Doch wie dick die Bretter sind, die Integrationspolitiker bohren müssen, fiel der zuständigen Dezernentin noch in der vergangenen Woche auf. Bei der Trauerfeier für die beiden getöteten jungen Männer der Einsturzkatastrophe in der Kölner Südstadt zelebrierten drei Vertreter der Weltreligionen eine gemeinsame Andacht. Viele Gäste hätten befremdlich auf die Rede des Hodschas reagiert, der seinen Beitrag in arabisch gehalten hatte.


Kommentar

Man nehme sich eine Auszeit, lege das akademisch gewirkte Kleid des politisch Klugen ab und höre dem Stammtisch zu. Da merkt man, wie dick die Bretter sind, die für eine gute Integration gebohrt werden müssen. Selbstverständlich müssen Menschen mit einem anderem als dem deutschen Hintergrund zuallererst die Sprache erlernen; und zwar so, dass sie sie wie ihre Muttersprache beherrschen. Sprachkompetenz nennt das der Experte und die ist nicht alleine für die gute Schulnote notwendig. Die Beherrschung der Sprache in Wort und Schrift ist unabdingbare Voraussetzung, um in dieser Gesellschaft überhaupt einen Job zu finden. Nicht wenige Jugendliche und junge Erwachsene haben hier eklatante Schwächen, übrigen unabhängig von ihrer Herkunft. Aber Sprache alleine ist nur die Voraussetzung, eine Bedingung für die Chancen, in diesem Land sein Glück zu suchen und zu finden.

Die weitaus schwierigere Frage stellt sich nach den Einstellungen der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Sind wir wirklich tolerant genug, den Menschen mit Zuwanderungshintergrund die Hand zu reichen. Integrationsbefürworter werden von der rechten Seite oft als "Gutmenschen" dargestellt. In einer Überflussgesellschaft mit einem einzigartig hohen Einkommensniveau, vollen Supermarktregalen und weitgehend friedlicher Grundhaltung lässt sich wahrlich leicht das Wort führen. Es steht zu befürchten, dass im Angesicht einer drohenden Wirtschaftskrise die Fronten verhärten und der Ruf nach schneller Abschiebung wieder lauter vernehmbar wird. In den Kölner Kneipen an den Stammtischen der Kölschen hört man diese Haltung nicht selten. Da wird von frechen Türken ohne Manieren gesprochen, Rentner berichten empört über vorlaute Jugendliche mit südländischem Aussehen und vermengen ihre persönlichen Erfahrungen mit den erlebten Erfahrungen aus unzähligen Fernsehberichten. Kocht man dieses Gebräu aus negativen Erfahrungen, negativen Fernseh- und Medienberichten und einer guten Prise Vorurteil und schlichter Unkenntnis, wird daraus schnell ein Gebräu, dessen Grundfarbe dem Braunton rechter Polemik recht nahe kommt. Ohne dem polternden Rentner in seiner Stammkneipe zu nahe zu treten, aber hier sind die Bemühungen und der gute Wille zum friedlichen Miteinander im Sinne gelebter Integration noch längst nicht überall angekommen.

Umso notwendiger sind Konferenzen wie diese, damit ein zukünftiges Integrationskonzept, das allen Akteuren zu einer Art Handlungsleitfaden werden soll, auch tatsächlich gelebt werden kann. Immerhin leben alleine unter den geschätzten knapp 100.000 Kölnerinnen und Kölner türkischer Herkunft nicht wenige schon Zeit Ihres Lebens in diesem Land, in dieser Stadt. Viele türkische Jugendliche betrachten Köln und nicht etwa Istanbul als ihre Heimat. Viele von ihnen, unterm Strich zu viele, können sich aber weder in deutscher noch türkischer Sprache angemessen ausdrücken. Der Mangel dieser Jugendlichen an grundlegender Sprachkompetenz bedarf entsprechender pädagogischer Angebote. Darauf haben die Verantwortlichen bereits mit dem Ausbau des Ganztags reagiert. Die sozialen Probleme, die in vielen Fällen die eigentliche Integrationsproblematik überlagern, können aber längst nicht alleine durch den Staat gelöst werden. Hier sind ganzheitliche Betrachtungsweisen und das Knüpfen eines dichten Netzeswerkes der verschiedenen Angebote der bessere weil nachhaltigere Weg. Und das funktioniert nur, wenn alle mitmachen. Insofern hat auch diese Veranstaltung, auch wenn sie zunächst keine konkreten Ergebnisse lieferte, ihren Teil zum Gelingen von Integration beigetragen.







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