23. 05. 2012
Seite drucken
Kein gutes Zeugnis für Integration in Köln
Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) untersuchte dabei im
Auftrag der HypoVereinsbank den Stand der Dinge in Sachen Integration
und Internationalität in sechs deutschen Metropolen.
Die Domstadt Köln hat trotz jüngst angelaufener Bemühungen eher
unterdurchschnittlich abgeschnitten, wie die Initiatoren der Studie
erklärten. Dabei gebe es aber auch einen positiven Zusammenhang
zwischen „Produktivität“ und „kultureller Vielfalt“, so ein Ergebnis
der Studie. „Wir haben festgestellt, dass die Regionen mit der höchsten
Diversität, mit der höchsten kulturellen Vielfalt in der Bevölkerung
und bei den Beschäftigten besonders erfolgreich sind“, unterstreicht
Peter Hähner, Leiter des Regionalbereichs Firmenkunden West der
HypoVereinsbank.
Internationalität und Arbeitslosigkeit in Köln schlechter als im Bundesdurchschnitt
"Köln zeigt vor allem beim ‚Nationen-Mix’ Defizite gegenüber den
führenden Städten und hat im Vergleich auch einen relativ geringen
Anteil an ausländischen Beschäftigten“, betont Max Steinhardt vom HWWI.
Mit einem „Ausländeranteil“ von 16,9 Prozent liegt die Domstadt
lediglich vor Berlin und Hamburg, aber weit hinter München, Stuttgart
und Frankfurt. Hinzu kommt in Köln, dass der Anteil türkeistämmiger
Beschäftigter unter den ausländischen Beschäftigten mit 42 Prozent
deutlich höher liegt als in anderen Städten. In der Domstadt stammen 27
Prozent der hier Beschäftigten aus einem Land der so genannten EU-15
(Europäische Gemeinschaft vor der Osterweiterung). Stuttgart weist hier
mit einem Anteil von 37,8 Prozent eine deutlich höhere Vielfalt auf. So
liegt Köln auch beim „Diversitätsindex“ mit einem Wert von 0,21
lediglich vor den beiden norddeutschen Metropolen, aber mit deutlichem
Abstand zu den drei süddeutschen. Der Index berücksichtigt dabei sowohl
die Anzahl der Nationalitäten als auch die Anteile von Beschäftigten
unterschiedlicher Nationalitäten an der Gesamtbeschäftigung, wie es in
den Ausführungen der Studie hieß. Der Durchschnittswert für
Gesamtdeutschland liegt bei 0,1. Deutlich schlechter als in den
süddeutschen Metropolen schneidet die Domstadt zudem in Sachen
Ausländerarbeitslosigkeit ab. Mit einer Erwerbslosenquote von über
einem Viertel (25,7 Prozent) weist Köln einen doppelt so hohen Wert auf
wie Stuttgart (12,4 Prozent) oder München (12,7 Prozent). Ähnlich sieht
es mit dem Bildungsstand der ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger
in der Domstadt aus. Während in der Stadt am Rhein 36,4 Prozent aller
ausländischen Beschäftigten eine Berufsausbildung oder gar einen
Hochschulabschluss haben, sind dies in Stuttgart fast zehn Prozent mehr
(46,2 Prozent).
Integrationskonzept ist gefragt
„Kulturelle Vielfalt gibt es nicht zum Nulltarif“, so lautet eine
weitere Erkenntnis aus der Studie. Während die Integrationskonzepte in
einigen Städten wie Frankfurt am Main oder München bereits nachhaltige
Erfolge nach sich gezogen haben, befindet sich ein vergleichbares
Konzept in Köln noch in der Planungsphase. „Ausländer sollten nicht als
Problem gesehen werden“, heißt es in dem Papier. So sollten die
Stadtverantwortlichen, insbesondere die Stadtplaner, darauf achten,
keine sozialen Brennpunkte mit entsprechend hohen Ausländeranteilen
entstehen zu lassen. Auch in anderen Bereichen gebe es Handlungsbedarf,
der in vielen deutschen Städten bereits in umfassenden
Integrationskonzepten zum Ausdruck komme. „Köln verfügt allerdings als
einzige der von uns untersuchten Städte bisher über kein kohärentes
Integrationskonzept“, kritisierte Steinhardt. Doch selbst die sofortige
Einführung eines solchen Konzeptes lässt sich sofort in Erfolge
ummünzen. Sprach- und Verständnisschwierigkeiten, veränderte Ansprüche
an den Staat sowie die kulturelle Distanz können sogar zu Konflikten
führen. Und die sich daraus ergebenden Mehraufwendungen „können die
wirtschaftlichen Vorteile aus einer hohen kulturellen Diversität
zumindest teilweise konterkarieren“, räumen die Autoren der Studie ein.
Aber unterm Strich sind genau diese Aufwendungen notwendig, um
angesichts der demografischen Entwicklung auch zukünftig von
ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern profitieren zu können.
Die 16-seitige Studie finden Sie im Internet unter: www.hwwi.org/fileadmin/hwwi/Leistungen/Gutachten/HVB-Bunt-in-die-Zukunft_Juni2008.pdf.


























