23. 05. 2012
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Mehr als ein Integrationskonzept
"Konzept zur Stärkung der integrativen Stadtgesellschaft", so lautet der Titel einer neuen gedruckten DIN-A-Broschüre, die am heutigen Dienstagnachmittag mit einer kleinen Feierstunde im Historischen Rathaus feierlich vorgestellt wurde. Sie enthält nicht weniger als das Ergebnis eines seit fast vier Jahren andauernden Diskussions- und Beteiligungsprozessen, an dem rund 300 Personen aus Verwaltung, Politik und Gesellschaft teilgenommen haben. Sie haben insgesamt mehr als 260 Handlungsempfehlungen der Stadtpolitik ins Auftragsbuch geschrieben. Von den Stadtverantwortlichen gab es Lob für das Ergebnis und den Weg dorthin. "Wir können zu Recht sagen, das dies ein für die Bundesrepublik wegweisendes Konzept ist. Wir betrachten dabei nicht nur einzelne Segmente, sondern zeichnen eine Gesamtperspektive mit Aufgaben und Verantwortlichkeiten", erläuterte Roters die Qualität des vorgestellten Papiers. "Dieses Werk ist uns gelungen", legte der erste Bürger der Stadt nach.
Auch die zuständige Beigeordnete Henriette Reker zeigte sich von Konzept und Inhalt erfreut. "Dieses Konzept ist nicht nur auf Zuwanderer zugeschnitten, sondern für die gesamte Stadtgesellschaft. Das ist eine Klammer für alle, die hier leben", so die Integrationsdezernentin weiter. Allerdings machte Reker darauf aufmerksam, dass nun die Handlungsempfehlungen umgesetzt werden müssen. Als konkrete Beispiele kommen Broschüren, Flyer und Prospekte in Frage, mit denen auf bestehende Angebote für Menschen mit Zuwanderungshintergrund hingewiesen werden soll. Das Konzept gliedert sich in seinen Zielbeschreibungen in fünf Bereiche: Demografischer Wandel, diskriminierungsfreie Stadt, Sprache/Bildung/Arbeit, Stadt- und Sozialraum sowie Öffentlichkeitsarbeit. Nicht wenige Ziele sind mit dem Adjektiv "mittelfristig" versehen, aber auch in der laufenden Legislaturperiode (bis 2014) sollen bereits wichtige Meilensteine erreicht, wichtige Maßnahmen umgesetzt werden.
Steuerung und Berichtswesen
Ein besonderes Kapitel wird in dem vorgelegten Konzept der Umsetzung und der Festschreibung von Prozessabläufen gewidmet. Politisch federführend wird der Integrationsrat sein, die operative Umsetzung und Koordinierung der Maßnahmen liegt in Händen des Interkulturellen Referats der Stadt Köln im Dezernat für Soziales, Umwelt, Gesundheit und Integration. Ebenfalls beteiligt sind eine Expertengruppe, eine (verwaltungsinterne) Steuerungsgruppe sowie ein Beirat, indem auch die Vertreter von zivilgesellschaftlichen Gruppen und Initiativen eingebunden sind. So will sich die Stadt einerseits sicherstellen, dass Verwaltung sich bewegt und beschlossene Maßnahmen auch tatsächlich umsetzt. Auf der anderen Seite wolle man aber auch offen sein für neue Vorschläge und Hinweise. Während die Steuerungsgruppe und die große Steuerungsgruppe samt Experten vier Mal im Jahr berichten wird, ist für den Beirat eine Sitzung pro Jahr angedacht. Der Integrationsrat soll zukünftig zwei Mal pro Jahr über den Sachstand informiert werden. Auch die beteiligten Fachausschüsse sollen im gleichen Rhythmus ins Bild gesetzt werden. Die Ressourcen für die Erreichung dieser Ziele soll regelmäßig überprüft werden, allerdings seien die Ressourcen begrenzt, so der knappe Hinweis auf Seite 56 des Papiers. Nicht zuletzt deshalb hatte der Vorsitzende des Integrationsrats, Tayfun Keltek, eine Zusetzung von zwei weiteren Stellen für das Interkulturelle Referat gefordert.
Integration im Spiegel der Medien
Angesichts der zuweilen hysterischen öffentlichen Debatte um das Gelingen von Integration in Deutschland liegt ein weiterer wesentlicher Schlüssel in der medialen Darstellung von Integration. "Die Stimmung wird von den Medien bestimmt. Die Normalität wird dabei vernachlässigt", meint auch Keltek. Der aus der Türkei stammende Kommunalpolitiker begleitet seit mehr als drei Jahrzehnten die Integrationsbemühungen. So droht in Vergessenheit zu geraten, dass die Stadt Köln selbst mit einem Maßnahmenprogramm für die Integrationsarbeit bereits Ende der 1970er Jahre immerhin fünf Millionen Mark bereit gestellt hat. Seiner Meinung werde in vielen Integrationsdebatten, die in den verschiedenen Medien transportiert werden, die Probleme betont. Dabei ist nicht nur Keltek davon überzeugt, dass es "viel mehr Gemeinsamkeiten" gebe. "Wir müssen die Menschen mit Zuwanderungshintergrund in die Mitte der Gesellschaft holen", so der Vorsitzende des Integrationsrates abschließend.


























