23. 05. 2012
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Mehr Azubis mit Migrationshintergrund bei der Stadt
(js) 2005 hatte nur jeder 40. Azubi in der Kölner Stadtverwaltung einen Migrationshintergrund, im Vorjahr war es jeder vierte. Ein Fortschritt, der nicht zuletzt der Arbeit des Integrationsrates zu verdanken ist. "Mit dieser Quote ist Köln bundesweit vorbildlich", sagte dessen Vorsitzender Tayfun Keltek. Am Dienstag legte er den Tätigkeitsbericht des aktuellen Gremiums vor, dessen Legislaturperiode nach fünf Jahren am 7. Februar zuende geht. Dann wird ein neuer gewählt. Auch OB Jürgen Roters und Integrationsdezernentin Marlis Bredehorst waren voll des Lobes über die geleistete Arbeit des Integrationsrates. "Wir brauchen seinen Sachverstand und seine Kenntnisse – Integrationspolitik ist eine Querschnittsaufgabe durch alle Dezernate", sagte Roters, Bredehorst fasste zusammen: "Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn erfinden."
Bildung war in den letzten Jahren ein Schwerpunkt. Inzwischen unterrichten in Köln 14 Grundschulen zweisprachig. "Die Kenntnis der Muttersprache ist eine wichtige Voraussetzung, um Deutsch als Zweitsprache zu lernen", erklärte der noch amtierende Vorsitzende des Kölner Integrationsrates Tayfun Keltek, der dies auch bei Kindertagesstätten erreichen will. Als weiteren Erfolg nannte er die interkulturelle Absicherung der über 30 Interkulturellen Zentren sowie die Erarbeitung eines integrationskonzeptes. Als eine der wenigen Städte in Deutschland hat sich der Kölner Stadtrat für ein kommunales Wahlrecht für alle hier lebenden Menschen ausgesprochen. Auf Landesebene konnte die Absicherung der Integrationsräte in der Gemeindeordnung erreicht werden.
Die Integrationsräte haben die ehemaligen Ausländerbeiräte abgelöst, deren Zusammensetzung von den Gemeinderäten bestimmt wurde. Der Integrationsrat hat eine beratende Stimme in Politik und Verwaltung, in Köln kann er zudem Vertreter als sachkundige Bürger in die Ausschüsse senden. Seine Mitglieder werden von allen Ausländern sowie eingebürgerten Deutschen gewählt, deren Staatsangehörigkeit zum Zeitpunkt der Wahl nicht älter als fünf Jahre ist. Außerdem müssen die Wahlberechtigten mindestens 16 Jahre alt sein, sich seit mindestens einem Jahr in Deutschland und mindestens 16 Tage vor der Wahl in der zuständigen Gemeinde seinen Hauptwohnsitz haben. Gewählt werden können auch gebürtige Deutsche mit Migrationshintergrund. In Köln sind danach rund 170.000 Menschen wahlberechtigt, rund 17 Prozent der Bevölkerung. Gewählt werden 22 Mitglieder, hinzu kommen elf Ratsmitglieder. "Diese Verzahnung mit der Politik erleichtert die Einflussmöglichkeiten, bislang konnte der Rat noch nie Nein zu einem Vorschlag des Integrationsrates sagen", betonte Integrationsdezernentin Marlis Bredehorst.
Umstritten ist die Zusammensetzung des Integrationsrates. So bemängeln Kritiker, dass zum Beispiel über die Zugehörigkeit eines Mitglieds zu Milli Görüs – laut Verfassungsschutz die größte islamistische Gemeinde in Deutschland – nicht offen genug diskutiert wurde. Auch die Aufstellung von Listen nach nationaler Zugehörigkeit stößt nicht überall auf Begeisterung. Doch Bredehorst hält den Integrationsrat für unverzichtbar: "Migranten unterligen ganz speziellen Diskriminierungen." Und deshalb sei dieses Sprachrohr nötig.


























