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23. 05. 2012
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Neuer Schwung in der Integrationsdebatte


19.10.2010 07:46 von:

Schlagwörter: Köln,Deutschland,Integration,Integrationsdebatte,Arbeitskräftem,Anerkennung,Bild

In Deutschland leben derzeit rund 10,5 Millionen Menschen mit Zuwanderungshintergrund. 2,8 Millionen haben in ihrer Heimat einen Bildungsabschluss, rund die Hälfte von ihnen einen im Bereich Ingenieurwesen oder technischen Berufen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), Bundesbildungsministerin Annette Schavan und die Mehrheit der Wirtschaftsverbände haben am gestrigen Montag neue Zahlen in die unverändert dogmatisch geführte "Integrationsdebatte" geworfen. Und die werfen kein gutes Bild auf die Integrationsfähigkeit des deutschen Staatswesens. Während Rechtspopulisten und seit neuerem auch ausgewiesene Kenner der deutschen Politik mit Publikationen, Thesen und den darin enthaltenen Pauschalisierungen Stimmungsmache und Wahlkampf außerhalb des heißen Wahlkampfes machen, wird der rasante Aufschwung für viele Unternehmen zum Problem. Ihnen fehlt das qualifizierte Fachpersonal. Nun wird publik, was viele Kenner der Materie seit langem wussten. Deutschland hat kein wirkliches Fachkräfteproblem, Deutschland hat ein Vermittlungsproblem. In die Debatte um die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse mischt sich das Gefühl, dass Deutschland selbst wichtige Chancen verpasst.

Da kommt der Vorschlag des liberalen Wirtschaftsministers und seiner Kollegin aus dem Bildungs- und Forschungsressort gerade recht. Vielleicht kann die schwarz-gelbe Bundesregierung mit einem Vorstoß den Anerkennungs-Wirrwarr und die lästigen Konsequenzen deutscher Gründlichkeit auflösen, wenn sie den Zugang ausländischer Akademiker und Fachkräfte zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtern will. Denn viele Ingenieure, um einmal die Hauptsorge vieler deutscher Betriebe auf den Punkt zu bringen, leben schon längst in Deutschland. Nur ihre Ausbildung in der alten Heimat wird im deutschen Bildungssystem nicht anerkannt, manche warten seit Jahren, ja Jahrzehnten. Eine mögliche Lösung liegt in der Adaption des kanadischen Zuwanderungssystems. Das funktioniert mit einer Art Punktesystem, so ähnlich, wie es Brüderle nun vorgeschlagen hat. Möglicherweise kommt Deutschland mit einem Ziel schneller an die Stelle, endlich einmal klar zu definieren, wie vielen Fachkräften welcher Qualifikationsrichtungen in Deutschland eine berufliche Perspektive geschaffen werden kann. Seit 2000 sind die formalen Zugangsvoraussetzungen neu arrondiert worden, nun geht es um die Integration eines riesigen Arbeitskräfte-Reservoirs, das man bislang mit allerlei Bürokratie vom sinnvollen Arbeiten abhielt. Zugleich könnte man eine "kluge und kontrollierte Zuwanderung" anstoßen, wie Brüderle gestern verkünden ließ. Dass es der Minister in der eigenen Regierung nicht leicht hat, zeigte die Weigerung vieler konservativer Abgeordneter, eine unkontrollierte Zuwanderung Ungelernter nicht länger zuzulassen. Vielleicht fangen wir mit denen an, die schon lange hier sind.







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