23. 05. 2012
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Notruf 112 – Hilfe jetzt auch auf Türkisch und Russisch
(js) Die Ehefrau ist plötzlich zusammengebrochen. Ihr Mann hat sofort den Rettungsdienst der Kölner Feuerwehr angerufen – doch als der Sanitäter kommt, darf der seine Frau nicht anfassen. Die Religion verbietet die körperliche Berührung seiner Angetrauten durch einen fremden Mann. Was tun? Diese Situation ist bei 80.000 Einsätzen im Jahr kein Einzelfall, weiß Daniel Leupold, Pressesprecher der Berufsfeuerwehr. Gleich von zwei Seiten ist man zusammen mit dem AWO-"Institut zur Interkulturellen Öffnung" das Problem angegangen. Das eine ist die Schulung von beruflichen und ehrenamtlichen Sanitätern, um bei Einsätzen "wertneutral und flexibel auf die unterschiedlichen Lebensgewohnheiten" der Kölnerinnen und Kölner reagieren zu können. Das andere sind Faltblätter in Türkisch und Russisch, die die Hilfesuchenden auf den Einsatz des Rettungsdienstes vorbereiten sollen. Derzeit leben rund 63.000 Türken und fast 9.000 Menschen (jeweils inklusive Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft) aus der ehemaligen Sowjetunion in Köln. Viele von ihnen können kein Deutsch – oder sind im Notfall zu aufgeregt, um sich ausdrücken zu können. Zwar ist die Notrufzentrale der Feuerwehr in der Lage, entweder durch eigene fremdsprachenkundige Mitarbeiter oder durch sekundenschnelles Zuschalten von Polizeikräften auf Sprachprobleme zu reagieren, beim Einsatz vor Ort ist das jedoch nur selten der Fall. Schon seit einiger Zeit im Einsatz sind Anamnesebögen in zwölf Fremdsprachen – darunter Türkisch, Englisch, Chinesisch, Japanisch, Niederländisch – die auch bei Touristen eingesetzt und mit denen etwa Medikamentengebrauch oder Vorkrankheiten abgefragt werden können.
1.400 Helfer wurden im vorigen Jahr in "interkultureller Kommunikation" geschult. Dazu gehört nicht nur ruhiges Auftreten mit klaren Aussagen. Ebenso wichtig ist das Einschalten einer "Schlüsselperson", die Deutsch spricht und – etwa bei der Versorgung einer Frau – hilft. Dies kann der Ehemann oder eine andere Frau sein, deren Hand der Sanitäter zum Beispiel beim Anlegen des EKG führt. Die Flugblätter geben Tipps, welche Angaben z.B. für den Anruf bei der Feuerwehr nötig sind. Es wird darauf hingewiesen, dass Hilfe geleistet wird "unabhängig vom Geschlecht der betroffenen Person und des Rettungsdienstpersonals", das sich aus medizinischen Fachkräften zusammensetzt. Ein weiteres verbreitetes Problem scheint zudem darin zu bestehen, dass Rettungskräfte beim Betreten der Wohnung ihre Schuhe nicht ausziehen. Hier verweisen die Initiatoren der Broschüre auf die Notwendigkeit von Schutzkleidung und den damit verbundenen Versicherungsschutz für die Sanitäter. Weil auch deutschsprachige Kölner oft nicht wissen, wie sie sich im Umgang mit den Rettungsdiensten verhalten sollen, gibt es das Faltblatt auch auf Deutsch. Sie sind kostenlos erhältlich bei der Arbeiterwohlfahrt AW0, Institut zur Interkulturellen Öffnung, Rhonestr. 2a, 50765 Köln, Tel. 0221 / 29 94 28-70, Fax 0221 / 29 94 28-99, E-Mail:
susanne.schmidt@awo-mittelrhein.de oder im Internet unter:www.izikoe.de oder bei der Berufsfeuerwehr Köln, Stabsstelle Öffentlichkeit, Scheibenstr. 13, 50737 Köln, Tel. 97 48-92 00, Fax 0221 / 97 48-10 04, E-Mail: daniel.leupold@stadt-koeln.de


























