24. 05. 2012
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Stadtspitze kritisiert Indiskretion im Rat der Religionen
Wie der Kölner Stadt-Anzeiger in seiner Dienstagsausgabe berichtete,
soll es demzufolge bereits seit längerer Zeit in dem Gremium kriseln.
Vertreter der Armenier und der (gemäßigten) Aleviten kritisierten darin
die Nähe der moslemischen Verbände „Mili Görüs“, „Ditib“ und „Atib“ zu
extremistischen Verbänden. Am Montag nun soll es dem Bericht zufolge
zum Eklat gekommen sein. Vor allem die Atib wurde wegen ihrer Nähe zu
den als nationalistisch-rechtsextrem geltenden „Grauen Wölfen“ heftig
kritisiert, berichtete die Tageszeitung. Dabei gehe es auch um eine
religionsübergreifende Position zum Thema „Rechtsextremismus“.
Allerdings sollen Aleviten und Armenier angekündigt haben, zukünftig
keine gemeinsamen Erklärungen mit den besagten Verbänden zu
unterzeichnen.
Oberbürgermeister Fritz Schramma und Integrationsdezernentin Marlis
Bredehorst, die die Sitzung am Montag in Vertretung des Stadtoberhaupts
leitete, wollten jedoch am Sinn und Zweck dieses Gremiums keine Zweifel
lassen. Sie ermahnten die Vertreter der Religionen, den Rat nicht für
eigene Zwecke instrumentalisieren zu wollen. Zweimal im Jahr treffe man
sich „auf neutralem Boden“, ließen die beiden Stadtverantwortlichen in
ihrer gestrigen Erklärung verlauten. „Das Gremium ist ein
ausschließlich auf freiwilliger Basis arbeitendes Austauschforum und
hat keine rechtliche Grundlage oder Entscheidungskompetenz. Im Rat der
Religionen geht es nicht um politische Themen, sondern um eine
Verständigung über gemeinsame Werte und um gemeinsame Projekte.
Gegenseitige Achtung, Akzeptanz und Toleranz sind Grundlage des
gemeinsamen Handelns. Dies wurde auch in einer ersten gemeinsamen
Erklärung klar formuliert“, so der weitere Wortlaut der Stellungnahme.
Dass es dabei auch zu kontroversen Auseinandersetzungen kommt, sei
prinzipiell nicht falsch. Allerdings habe man bereits in der
Gründungsphase verbindliche Spielregeln festgelegt, der nun erfolgte
Gang an die Öffentlichkeit widerspreche ausdrücklich diesen Regelungen,
so die beiden Stadtoberen. Zudem sei der von der Kölner Stadtverwaltung
ausgearbeitete Entwurf eines Positionspapiers zum Thema
„Islamfeindlichkeit“ bisher noch gar nicht diskutiert worden, die
Berichterstattung der Zeitung insofern falsch dargestellt, hieß es dazu
weiter. Grundlage der Gespräche sei es vielmehr, vertrauensvoll
zusammen zu arbeiten und erst nach gemeinsamer Absprache und im Konsens
Inhalte zu veröffentlichen. Das aber sei offenkundig nicht geschehen,
kritisierte die Stadtspitze.
Beide – Schramma und Bredehorst - bedauerten die Veröffentlichung von
Gesprächsinhalten und gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, „dass dadurch kein
nachhaltiger Schaden für das bisher überaus erfolgreiche Zusammenwirken
im Kölner Rat der Religionen entstanden ist und werden jedem Versuch,
das Gremium zu instrumentalisieren im Rahmen ihrer Möglichkeiten
entschieden entgegenwirken“. Die strittigen Punkte sollen in der
nächsten Sitzung des Rates ausführlich diskutiert werden. Zudem ist
geplant, einen Experten zum Thema Rechtsextremismus einzuladen. „Der
Rat der Religionen soll den Austausch und das friedliche Zusammenleben
der in Köln vertretenen Religionsgemeinschaften fördern. Sein Ziel kann
nicht die Aufarbeitung von Fragen sein, die in den Heimatländern der
vertretenen Glaubensgemeinschaften gelöst werden müssen“, stellt
Oberbürgermeister Fritz Schramma abschließend klar.
Der Kölner Rat der Religionen besteht aus rund 20 Vertretern der
verschiedenen in Köln ansässigen Religions- und Glaubensgemeinschaften.
Er konstituierte sich im Mai 2006, hatte im Oktober des gleichen Jahres
seine erste reguläre Sitzung und verabschiedete im März 2007 die so
genannte "Kölner Erklärung". Die Unterzeichner treten darin für Frieden
und Gerechtigkeit,
gegen Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung in jeglicher Form ein.


























