24. 05. 2012
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Studie: Migrantinnen passen sich an
Wie kann der Staat der drohenden Überalterung begegnen. Immer wieder gab es ernstzunehmende Stimmen, die auf die höheren Geburtenraten von Migrantinnen gesetzt haben. Allerdings scheint sich diese Hoffnung nicht zu erfüllen. Darauf macht nun eine aktuelle Studie von Sozialforscherin Dr. Nadja Milewski aufmerksam. Die Wissenschaftlerin an der Universität Rostock hat sich in das Dunkelfeld demografischer Forschung in Migrantenmilieus hineingewagt und Erstaunliches herausgefunden. Bereits in der zweiten Generation haben sich Migrantinnen stark an das Geburtenverhalten der Mehrheitsgesellschaft angepasst. Selbst unter Frauen türkischer Herkunft gilt dieser Trend, auch wenn die Forscherin in dieser Gruppe weiterhin höhere Geburtenraten feststellt. In der bundesweiten und repräsentativen Umfrage fand die Forscherin heraus, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau und der frühzeitigen Familienplanung gibt. Für diese wissenschaftliche Leistung ist die Demografin nun mit dem Joachim-Jungius-Förderpreis ausgezeichnet worden.
Damit scheiden Migrantinnen offenbar aus, wenn es darum geht, dem demografischen Wandel oder der Bevölkerungsalterung durch Geburtenzuwachs begegnen zu wollen. Im Vergleich zu westdeutschen Frauen werden Migrantinnen der zweiten Generation allerdings rund zwei Jahre früher Mutter. Die Hälfte von ihnen hat mit 27 Jahren ihr erstes Kind. "Migrantinnen weisen allerdings nicht, wie oft fälschlich angenommen, höhere Geburtenzahlen auf als deutsche Frauen. Der Bildungsgrad von Migrantinnen der zweiten Generation liegt im Durchschnitt niedriger als der bei deutschen Frauen, was zu einer früheren Familiengründung führt. Aber auch für Migrantinnen gilt: je höher der Bildungsabschluss, umso länger schieben Frauen ihren Kinderwunsch auf die lange Bank", so Milewski. Die Wissenschaftlerin führt das unter anderem darauf zurück, dass mit zunehmender Bildung auch die Erwerbstätigkeit steigt.
Für ihre Doktorarbeit, die Professor Jan M. Hoem vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung Rostock betreute, nutzte Dr. Milewski Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Sie untersuchte das Geburtsverhalten von Zuwanderinnen, die aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien, Griechenland, Italien und Spanien nach Deutschland gekommen waren. Während Migrantinnen, die heute nach Deutschland kommen, oft eine hohe Qualifikation haben, war dies vor einigen Jahren noch anders. Da kamen Frauen vor allem im Zuge der Familienzuführung nach Deutschland und arbeiteten in der Regel nicht, weil sie zu Beginn des Aufenthaltes keine Arbeitserlaubnis erhielten. Das begünstigte eine frühe Familiengründung und eine höhere Kinderzahl. Auch heute noch neigen vor allem türkische Frauen in der zweiten Migrantengeneration zu einer frühen Eheschließung, die dann mit der Geburt des ersten Kindes einhergeht. Auch haben türkischstämmige Frauen - im Gegensatz zu Migrantinnen aus anderen Ländern – häufiger drei Kinder. Dennoch gibt es auch unter Türkinnen der zweiten Generation einen Anpassungstrend an die demografischen Muster in Deutschland. Dies unterstreicht, dass der gesellschaftliche Kontext mit seinen seit Jahrzehnten andauernden niedrigen Geburtenraten sich auch auf Zuwanderinnen und deren Familien auswirkt, so die Studienautorin.
Dr. Nadja Milewski arbeitet am Lehrstuhl für Methoden der empirischen Sozialforschung und Demographie der Universität Rostock bei Prof. Gabriele Doblhammer. Es bestehen Kooperationen mit dem Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels – einem Forschungsverbund aus Universität Rostock und Max-Planck-Institut für demografische Forschung Rostock - und mit renommierten Forschungseinrichtungen in Europa. Auch hier beschäftigt man sich mit sozialen und demografischen Aspekten der internationalen Migration. Gleichzeitig soll damit die Zusammenarbeit der Universität Rostock mit anderen internationalen Universitäten und Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der demografischen Forschung weiter ausgebaut werden.


























