24. 05. 2012
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UN-Konvention macht Köln Dampf bei integrativem Unterricht
(ehu) Das Ziel ist klar: Bis 2012 sollen in Köln 80 Prozent aller Kinder mit einem Handicap – also einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung – eine Regelschule besuchen. Unklar aber ist, wie dieses Ziel zu erreichen ist. Dazu gab es am gestrigen Mittwoch die Expertentagung "Inklusion an Kölner Schulen". Schließlich gilt es, nicht nur einen Ratsbeschluss umzusetzen, sondern auch die entsprechende UN-Menschenrechtskonvention zu erfüllen, die auch die Bundesrepublik unterschrieben hat.
Die Bestandsaufnahme zeigt, dass es großer Anstrengungen bedarf, um dieses Ziel zu erreichen. Zur Zeit besuchen nur rund 1000 dieser Kinder – also 20 Prozent – eine Regelschule, über 5000 gehen auf eine Förderschule. Zwar gibt es schon 65 besonders ausgestattete Kitas, die Kindern – auch mit gravierenden – Behinderungen die notwendige Förderung "integrativ" (oder inklusiv oder gemeinsam) gewährleisten. Doch auf dem weiteren Bildungsweg wird die Luft dünner. Von den 285 Kölner Schulen unterrichten erst 27 Grundschulen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam und erst acht Gymnasien. Damit ist Köln im Landesvergleich noch relativ gut aufgestellt, stellte Klaus Hebborn vom Deutschen Städtetag fest.
Schuldezernentin verspricht: Wer Inklusion anbieten will, wird unterstützt
"Um unsere Ziele zu erreichen, brauchen wir vor allem eine Veränderung in den Köpfen", sagt Schuldezernentin Agnes Klein. Es müsse normal sein, dass Kinder verschieden seien. Immerhin habe sich kürzlich erst die Vollversammlung aller Kölner Schulen in einer Resolution zur Inklusion bekannt. Und auch 72 Prozent der Eltern sind dafür, so eine Umfrage des Landschaftsverbands Rheinland (LVR). Klein versprach: "Wenn eine Schule gemeinsamen Unterricht anbieten will, werden wir uns dem nicht verweigern."
Gemeinsamer Unterricht muss nicht teurer sein als der Besuch von Förderschulen
Die Umstellung sei nicht unbedingt eine Kostenfrage. Da aktuell viele Schulen für den Ganztagsbetrieb umgebaut würden, seien sie entsprechend dem neuen städtischen Schulbaurichtlinien barrierefrei und hätten zusätzliche Räume zur Verfügung. Und durch die Auflösung von Förderschulen könnten deren Ressourcen umverteilt werden, erklärte Fachdezernent Claus Weidinger von der Bezirksregierung. In einer Übergangsphase von etwa zehn Jahren müssten die Eltern allerdings mit Schwerpunktschulen vorlieb nehmen, ehe inklusiver Unterricht an allen Schulen möglich sei. Auf keinen Fall aber dürften künftig bestehende Förderschulen ausgebaut werden, warnte er.
Gefordert ist aber auch das Land. Es muss für eine schnelle Ausbildung der Pädagogen und Sonderpädagogen sorgen und ein entsprechendes Landesschulgesetz verabschieden. Vor allem der "Haushaltsvorbehalt" müsse wegfallen, forderte Hebborn. Diese erlaube es derzeit, den gemeinsamen Unterricht von der Haushaltslage der Kommune abhängig zu machen.


























