24. 05. 2012
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Viele Wege führen zu Gott
(js) Menschen aus 184 Nationen leben in Köln. In unseren Tagen meist friedlich, früher war vor allem die Religion Anlass für Gewalt und Diskriminierung. Das, so Sozial- und Integrationsdezernentin Marlis Bredehorst, sei heute anders, Religion sei wichtig für den Integrationsprozess, zumal die Religion mehr gemeinsam hätten als man denke, nicht zuletzt den Traum vom Frieden. Wie viele Religionen es aber in Köln gibt, wusste bislang keiner. Mindestens 79 sind es, fand Ulrich Harbecke heraus, als er für "Das Kölner Buch der Religionen" recherchierte. Jetzt ist es in einer Auflage von 25.000 Exemplaren erschienen.
Von A wie Advaita-Vedanta bis Z wie Zen listet er sie alle auf. In der Regel werden sie mit Kontaktadressen auf zwei Seiten vorgestellt, die Römisch-Katholische Kirche braucht erwartungsgemäß mehr Platz. Die Texte wurden mit den Religionsvertretern abgestimmt, Propaganda oder missionarischer Eifer sei aber abgewehrt worden, versichert Harbecke. Für wissenschaftliche Neutralität und Genauigkeit sorgte die Religions- und Islamwissenschaftlerin Jeannette Speilen. Entstanden ist so ein in Deutschland einmaliges Nachschlagewerk, das dem Leser sicher manche Überraschung angesichts der Fülle religiöser Organisationen bietet. Sieben einleitende Kapitel geben einen Überblick über die übergreifenden Glaubensrichtungen Buddhismus, Hinduismus, Islam und Judentum, wobei die Aufgliederung in Christentum, Orthodoxie und Protestantismus etwas verwirrt.
Religion wird recht weit als Gemeinschaft definiert, die "eine Aussage macht über den Sinn des Universums und der menschlichen Existenz, die daraus für ihre Anhänger lebensorientierte Verhaltensnormen gewinnt, die ihre Vorstellungen in Formen konkreter oder symbolischer Gestaltungen zum Ausdruck bringt". Wichtig ist auch eine minimale Organisationsform. Dass man hierunter auch den 1. FC Köln fassen könnte, merkt Harbecke mit einem feinen Sinn für Ironie an. Auch die Freidenker ließen sich so beschreiben, dass sie nicht erwähnt werden, hat aber, so der Autor bei der Vorstellung des Buches am Montag im Rathaus, "technische" Gründe: Kein Geld. Das opulent ausgestattete Buch wurde nämlich ausschließlich mit Anzeigen finanziert. Von der Gesamtauflage landen nur 5.000 im Buchhandel, der überwiegende Teil wird kostenlos z.B. an Schulen weitergeleitet. Hier soll es zum Wissen über andere Religionen beitragen und so den gegenseitigen Respekt fördern. Bleibt nur die Frage, warum es einen Gott braucht, wenn auch Mode glücklich macht – so verspricht es zumindest eine der Anzeigen im Buch.
"Das Kölner Buch der Religionen" – KVW-Verlag, Reinfeld 2009, 384 Seiten, 19,90 Euro


























