24. 05. 2012
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Wettbewerb gegen Rassismus: Alle sind Sieger
"Dissen" ist eines der neuen Wörter der Jugendsprache, der bei vielen Erwachsenen Erstauen und sogar Kopfschütteln auslöst. Dabei meinen die Jugendlichen mit diesem Begriff nur das, was in der Sprache der älteren Generation mit "Diskriminierung" vergleichbar ist. Unabhängig von der sprachlichen Brillanz ging es bei dem Wettbewerb "Dissen mit mir nicht" darum, alltägliche Fälle von Rassismus und Diskriminierung aufzuzeigen und Möglichkeiten anzudeuten, wie man am besten und effektivsten damit umgehen kann. Diskriminierung ist dabei trotz aller Appelle und Gesetze noch immer ein alltägliches Problem. Das hat unter anderem auch der in Köln-Ehrenfeld lebende Journalist und Buchautor Günther Wallraff am eigenen Leib erleben müssen, als er für sein neuestes Projekt in die Rolle eines somalischen Flüchtlings schlüpfte. Über Monate erlebte er dabei die alltäglichen Diskriminierungen bis hin zu beinahe lebensgefährlichen Situationen, beispielsweise in einem Zug mit Cottbuser Fußballfans. Nur der beherzte Einsatz einer jungen Polizistin rettete den vermeintlichen Afrikaner vor Üblerem. "Diese Frau hat mir wahrscheinlich das Leben gerettet", erklärte der Publizist auf der heutigen Veranstaltung.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung stand allerdings eine Preisverleihung. Sieben Gruppen hatten bei dem Wettbewerb eigene Beiträge eingereicht. Alle sieben erhielten auch einen Preis. Gleich zweimal wurde dabei die Altersgemischte Projektgruppe der James Krüss Grundschule mit ihrem "Trickboxfilm" ausgezeichnet. Sie erhielten sowohl den Sonderpreis (Komplettausstattung mit T-Shirts) als auch drei Einkaufsgutscheine à zehn Euro für eine bekannte Kölner Buchhandlung. Der erste Preis ging an die Klasse 10b der O.T. für Hörgeschädigte im Franz Sales Haus. Sie hatten eine Musik-CD aufgenommen und dazu eigene Texte geschrieben. Titel des Raps "Fremd im Land". Für diesen Beitrag dürfen nun fünf Mitglieder der Gruppe nach Berlin in den Deutschen Bundestag fahren. Den gleichen Preis erhielt auch der Zweitplatzierte, die Klasse der Fachlageristen am Alfred Müller-Armack-Berufskolleg. Sie entwickelten ein Plakatmotiv mit Fotos, in denen unmissverständliche Situationen aus dem Alltagsleben gezeigt werden. Den Juroren, unter ihnen auch die städtischen Beigeordneten für Schule, Jugend und Sport (Dr. Agnes Klein) und Soziales, Gesundheit und Integration (Marlis Bredehorst), gefiel dabei vor allem der farbliche Unterschied zwischen "Dissen" in schwarz-weiß und "nicht mit uns" in Farbe. Der dritte Platz ging an die Gemeinschaftshauptschule Nürnberger Straße. Die 15-jährige Precilia Niuta und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter entwickelten eine Geschichte über den alltäglichen Konflikt zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Auch die anderen Beiträge, unter anderem ein Manga, eine weitere CD (Rap-Song der bösen Mädchen) sowie eine DVD mit einem Filmbeitrag erhielten Sachpreise.
Alljährlich veranstaltet die Stadt zusammen mit Kooperationspartnern in dem Deutzer Berufskolleg ein solches Event. Auch in diesem Jahr war das Musikprojekt "Brothers Keepers" wieder mit an Bord. Deren Mitglied, die in der DDR geborene und aufgewachsene Mamadee machte der Domstadt in Sachen Toleranz zwar ein großes Kompliment. "I love Cologne. Ich habe ein echtes Heimatgefühl, wenn ich in diese Stadt zurückkehre. Die Solidarität hier ist sehr groß", erklärte die Musikerin. Allerdings musste sie selbst nach der Wende schlimme Dinge mitansehen. Besonders einschneidend waren wohl die rechtsradikalen Übergriffe in den Jahren 1992/93, die nicht nur in der Bundesrepublik für eine Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft sorgten. Trotzdem wurde sie nach dem Mauerfall auf einmal mit der gewachsenen Bedeutung ihrer Hautfarbe konfrontiert. Das aber war nicht das Schlimmste. Viel schlimmer wog die alltägliche Ignoranz, zum Beispiel auch aus ihrem damaligen Freundeskreis. "Das hat weh getan. Man verspürt so ein Gefühl der Hilfslosigkeit und Ohnmacht", so die Musikerin abschließend.
Weitere Informationen zu der Veranstaltung und den Aktivitäten in Sachen Kampf gegen Rassismus finden Sie auf der Internetseite des Projekts unter: www.naob-koeln.de.


























