24. 05. 2012
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Bundesliga-Stiftung adelt Kölner Konzept offener Bolzplatztrainings
Hohes Lob tut bekanntlich gut. Und so war der heutige Termin zur feierlichen Spendenübergabe eine späte Würdigung einer inzwischen fast fünf Jahre währenden, in die Praxis umgesetzten Idee einer engagierten Kölnerin – Dr. Sandra von Moeller, geborene Kossmann. Nicht ohne Stolz begrüßte die promovierte Juristin und engagierte Mutter die hohen Gäste, die zur Übergabe eines symbolischen Spendenschecks am Nachmittag in den Leo-Amann-Park im Stadtteil Ehrenfeld kamen. Neben Ex-WDR-Intendant Fritz Pleitgen war auch Fecht-Olympiasiegerin und Sportbotschafterin Britta Heidemann zum Bolzplatz gekommen. Nächtliche Regenfälle machten es notwendig, einen begehbaren Lkw in den Eingangsbereich zu fahren, so dass die mit bisweilen edlem Schuhwerk ausgerüsteten Ehrengäste den Platz trockenen und sauberen Fußes erreichen konnten. Dort nahm Ideengeberin von Moeller dann den ersehnten symbolischen Spendenscheck in Höhe von 120.000 Euro entgegen. "Damit ist unsere Aktion "Komm Bolzen" drei Jahre komplett durchfinanziert", erklärte von Moeller sichtlich begeistert. Als sie von der Großspende erfuhr, sei sie spontan in Jubel ausgebrochen, verriet sie im Gespräch mit den Gästen. Die Bundesliga-Stiftung hatte das Projekt als besonders förderwürdig eingestuft, weil es sich im Besonderen um sozial benachteiligte Kinder kümmere, erklärte Dr. Anna-Lisa Schwarz von der Bundesliga-Stiftung.
"Das ist ein tolles Projekt", meinte die Goldmedaillen-Gewinnerin der letzten Olympiade im Damenfechten. Auch wenn ihr eigener Terminkalender prall gefüllt ist, machen ihr solche Termine Spaß, verriet sie der Redaktion. Ex-Intendant Fritz Pleitgen überzeugte vor allem, dass die Kinder zwanglos zu den angesetzten "Trainingseinheiten" erscheinen können. Er selbst habe seine "Karriere vor einigen Tagen beendet", wie er beiläufig bemerkte, spielte aber dann doch mit den Kindern und Stürmerin Heinemann einen Angriff als Torwart mit – und lenkte den strammen Flachschuss der Leistungssportlerin gekonnt an den Pfosten.
Die meisten der rund 350 Kinder und Jugendlichen, die von den auf Honorarbasis beschäftigten Trainern und Übungsleitern in die Geheimnisse erfolgreicher Fußballtaktik oder Schusstechnik eingewiesen werden, kommen aus einem schwierigen Umfeld. Häufig genug scheitert eine Mitgliedschaft in einem Sportverein an der Armut der Eltern. Aus Langeweile oder Frust kommen viele Minderjährige in Vierteln wie Ostheim, Lindweiler oder Meschenich bereits früh mit der Staatsmacht in Konflikt. Für die Teilnahme an den Bolzplatztrainings aber gibt es keine Barrieren. "Niedrigschwellig" sei das Angebot, sämtliche Trainer nicht nur sportlich kompetent, sondern auch "Vorbild und mit hoher Sozialkompetenz ausgestattet", wie von Moeller betonte. Dass Sport und Mannschaftssport im Besonderen zudem soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit fördern, ist Teil des Begriffs, muss aber vielen erst einmal vermittelt werden. Das aber wird spielerisch erlernt und besitzt einen hohen Spaßfaktor, wie die bisherigen Besuche der Redaktion auf den Kölner Bolzplätzen immer wieder aufs Neue bewiesen.
Nach der Vereinsgründung startete das erste offene Bolzplatztraining im Kölner Stadtteil Lindweiler im Februar des Jahres 2007. Rasch folgten andere Stadtteile mit hohem Förderbedarf, wie es im Amtsdeutschen heißt. Aktuell sind es – wie in Köln guter Brauch ist – elf solcher Trainingsstandorte, die regelmäßig von den Trainerinnen und Trainern aufgesucht werden. Auch für Mädchen gibt es bereits spezielle Angebote, schließlich hat der Frauen-Fußball auch schon vor der FIFA-Weltmeisterschaft immer mehr Anhänger, gerade in der jüngeren Generation. Auch dieser Aspekt überzeugte die Stifter und ihre Repräsentanten. Mit der dreijährigen Finanzierung des zentralen Projekts im Rücken will von Moeller und ihr Verein KIDSmiling e.V. weitere Bausteine hinzufügen. Seit dem vergangenen Jahr gibt es die Idee "Komm Kochen!". Sämtliche Bolzplätze sind bereits mit einem umgebauten, fast historischen Schulbus US-amerikanischer Bauart angefahren worden. Zusammen mit geschulten Fachleuten erhalten die Jungen und Mädchen vor Ort Tipps und Anleitung zur gesunden Ernährung. Ein weiteres Projekt hört auf den vielsagenden Namen "Komm Lernen!", das aber befindet sich derzeit noch in der Konzeptionsphase, wie Pressesprecherin Ariane Günther ausführte.
Diese beiden Bausteine sind jedoch abhängig davon, dass der Lkw trotz seines Alters nicht Opfer der sich verschärfenden Regeln für die Kölner Umweltzone wird. Das Gefährt, so erläuterte Günther im Gespräch mit der Redaktion, ist nicht nachrüstbar und erhält nach derzeitiger Verordnungslage nicht einmal die rote Plakette. "Wir arbeiten an einer Lösung", gab sich Günther zuversichtlich. Wenn der Lkw nicht in zwei Jahren bei vergrößerter und möglicherweise verschärfter Umweltzone stillgelegt werden muss, soll er auch noch eine Küche im Wageninneren erhalten. Dann wäre man bei der Zubereitung warmer Speisen an den einzelnen Standorten auf die Unterstützung von oben angewiesen. Dieser Sommer jedenfalls war auch in Köln etwas zu feucht, wie die Initiatoren doch einige Male feststellen mussten.
Weitere Informationen zum Projekt und zur Arbeit des Vereins finden sie auch im Internet unter: www.kidsmiling.de.


























