24. 05. 2012
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Kinderschutzbund steht vor neuen Aufgaben / Spendensammeln wird schwieriger
Das wird jetzt mit einer so genannten „Regelfinanzierung“ vom Kölner
Jugendamt co-finanziert, wie die Kölner Vorsitzende des
Kinderschutzbundes Marlis Herterich, zugleich Vizepräsidentin des
Deutschen Kinderschutzbundes erläuterte. Allerdings forderte die
Kinderschützerin auch ein Überdenken der Finanzierung von Kinderschutz
in Deutschland. So obliegt die Aufgabe Kinderschutz und Beratung
grundsätzlich in der Verantwortung der Kommunen. „Wir können von Glück
sagen, dass das Land NRW sich noch vollständig aus der Finanzierung
zurückgezogen hat“, erläuterte Fachbereichsleiterin Renate Blum-Maurice.
Prävention und Frühe Hilfe ist angekommen
Trotz der Befürchtung der Verantwortlichen, die Gesellschaft in
Deutschland leide zunehmend an einer Art „Kinderentwöhnung“, überwogen
auch im vergangenen Jahr die positiven Aspekte. Neben der bereits
genannten Finanzierungsübernahme durch das Jugendamt im
Kinderschutzzentrum Kalk konnte man auch das dort geförderte
Familienzentrum erfolgreich etablieren. „Inzwischen ist unser Kalker
Verbund auf drei Familieneinrichtungen angewachsen, besonders stolz
sind wir darauf, dass auch die katholische Einrichtung im Stadtteil
jetzt mitmacht“, so Blum-Maurice. Seit der Kinderschutzbund vor rund
zehn Jahren mit seinem Konzept der frühen Hilfe begann, habe man viel
Zuspruch erfahren. Dies wolle man nun ab Mai dieses Jahres auch in
Bayenthal etablieren, kündigten die Verantwortlichen an. Dafür habe man
die Option einen weiteren Raum im Haus der jetzigen Zentrale des Kölner
Kinderschutzbundes anzumieten. „Der ist zwar nicht groß, aber für eine
Kinderbibliothek wird es reichen. Außerdem können wir hier unser
Angebot der Hausaufgabenhilfe ausbauen“, erklärte die Vorsitzende
Herterich.
Reform der gesetzlichen Rahmenbedingungen
Mit der Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes habe sich zudem auch
die Arbeit des Kinderschutzbundes verändert. „Eigentlich eine sinnvolle
Regelung“, so die Einschätzung von Fachbereichsleiterin Blum-Maurice.
So wird die Verantwortung für das Kindeswohl auf mehrere Schultern
verteilt und liegt nicht mehr alleine beim Jugendamt. Allerdings spüren
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinderschutzbundes auch eine
größere Unsicherheit auf Seiten der Freien Träger. Mit dem Angebot
kostenloser Sprechstunden und rund 320 Schulungen von
Kindertagesstätten alleine im vergangenen Jahr konnte die 1954
gegründete Einrichtung der Freien Jugendhilfe die eigenen Kompetenz
weitertragen. Derzeit setze man dieses Angebot mit Schulungen im
Bereich der Jugendarbeit fort, erläuterte Blum-Maurice weiter.
Spendensammeln wird schwieriger
Im Nachgang zu den Ende November öffentlich gewordenen Spendenpraktiken
von UNICEF Deutschland habe auch der Kinderschutzbund Auswirkungen
gespürt. Das gelte insbesondere für den Bereich der
nicht-zweckgebundenen Spenden, wie Geschäftsführerin Barbara Zaabe
berichtete. Insgesamt beläuft sich der Gesamtetat des Kölner
Kinderschutzbundes auf rund 1,2 Millionen Euro pro Jahr. Der
Eigenmittelanteil beträgt nach Auskunft Zaabes rund 45 Prozent (ca.
550.000 Euro). Große Schwierigkeiten habe man dabei jedoch mit den
Zuwendungen, die als Eigenmittelanteil vom Landeszuschussgeber für die
öffentlich geförderten Bereiche vorgesehen sind. „Sponsoren spenden
lieber für konkrete Projekte wie das Jugendtelefon als für den bereits
öffentlich geförderten Bereich. Das ist auch deutlich schwerer zu
vermitteln“, räumte Zaabe ein. Dabei drohe man in eine Art
„Teufelskreis“ zu geraten, wie Blum-Maurice ergänzte. So könnte die
Streichung von Stellen aufgrund gekürzter Landeszuschüsse im
Extremfalle sogar zu einer kompletten Streichung der Landesförderung
führen, wenn diese unter eine Mindestgrenze sinkt. „Die öffentliche
Diskussion um den Spendenskandal bei UNICEF hat diesen Trend verstärkt,
wir beobachten das mit Sorge“, so Zaabe weiter.
Zudem stellt das neue Projekt "Kinder Willkommen" eine weitere
Aufgabenerweiterung dar. Alleine der Kinderschutzbund sucht dafür noch
rund 25 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die sich nach einer
Schulung im April dieses Jahres ab dem Sommer 2008 auf dem Weg zu
Familien mit Neugeborenen machen sollen. Von dem niederschwelligen und
auf ehrenamtlicher Arbeit basierenden Willkommensbesuchen erhoffen sich
die Initiatoren aus Stadt und Trägern indes eine positive Werbung für
die "kinderfreundliche" Stadt Köln. Stadtweit werden dafür etwas mehr
als 200 Ehrenamtliche gesucht, alleine der Kinderschutzbund, der zwei
der neun Stadtbezirke betreuen soll, benötigt eigenen Angaben zufolge
noch rund 25 Ehrenamtler. "Eine große Herausforderung. Da haben wir
noch was vor und müssen noch etwas tun", wie die Vorsitzender Marlis
Herterich abschließend bemerkte.


























