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24. 05. 2012
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Lobby für Mädchen sucht nach Unterstützern


27.10.2011 16:29 von:

Schlagwörter: Köln,Verein,Lobby für Mädchen e..V.,Spendenaufruf,Betreuung,Notlage,Unterstützun

Seit 1988 gibt es den Verein “Lobby für Mädchen e.V.“. Nach den Anfangsjahren mit 100-prozentiger Finanzierung durch die Stadt Köln kämpfen die Verantwortlichen seit inzwischen mehr als einem Jahrzehnt mit finanziellen Engpässen. Dabei platzen die beiden Standorte der Mädchenberatung in Ehrenfeld und Mülheim und der interkulturelle Mädchentreff in Mülheim aus allen Nähten. Während die Mädchenberatung wenigstens noch zu 50 Prozent durch städtische Zuschüsse unterstützt werden, ist man beim Betrieb des interkulturellen Mädchentreffs zu 100 Prozent auf so genannte „Drittmittel“ angewiesen. Pro Jahr liegt der Etat des Vereins bei rund einer Viertel Million Euro, wie die Sprecherin des Vereins, Frauke Mahr, gleich zu Beginn der heutigen Pressekonferenz erläuterte. Weil die älteren Mädchen die Angebote des Trägers nicht verlassen wollen, eine größere Gruppe Zwölfjähriger aber nachrückt, haben die Verantwortlichen Mitte dieses Jahres erstmals in ihrer Geschichte einen Aufnahmestopp aussprechen müssen, zum Leidwesen nicht nur der Vereinsverantwortlichen. Denn der Verein ist nicht nur Treffpunkt, sondern für viele Mädchen so etwas wie die letzte Zuflucht vor häuslicher Gewalt, Vernachlässigung und zerrütteten, familiären Verhältnissen, wie Mahr aus mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung weiß.

Kampagne zur Übernahme von Verantwortung

Damit der Verein endlich einmal etwas mehr Luft als üblich bekommt, wollen die Verantwortlichen mit einer Spendenaktion bis Ende dieses Jahres 1000 Kölnerinnen und Kölner dazu motivieren, jeweils 100 Euro zu spenden. Diese Summe würde ausreichen, um die Angebote des Vereins bis weit in das kommende Jahr hinein auskömmlich zu finanzieren, wie Vereinsvorstand Beatrice Braunig bestätigt. Eine der treuesten Unterstützerinnen hat der Verein in der WDR-Journalistin und Moderatorin Bettina Böttinger. Seit dem Jahr 1993 unterstützt sie als „Feministin“ und jemand, der es sich finanziell erlauben kann, unter anderem auch diese Einrichtung. „Wir können in Köln froh über eine solche Anlaufstation sein. Katharina Saalfrank kann da nicht die einzige Lösung sein“, erklärte Böttinger auf der heutigen Pressekonferenz zur Vorstellung der Initiative in den Räumen des Rotonda Business Clubs. Dessen Betreiber Andreas Grosz zeigte sich spontan vom Anliegen und der Zielrichtung der Aktion überzeugt. Beide Unterstützer erklärten sich spontan bereits, die Kampagne mit einer Spende von jeweils 1000 Euro zu unterstützen.

Die Tücken des Zeitgeistes

Im laufenden Jahr wird der Verein deutlich weniger als die sonst üblichen rund 300 Fälle von Mädchen in Notlagen betreuen können. Das liegt neben der chronisch knappen Kassen auch an einem Personalwechsel. Der Verein muss sich aber auch mit einem Trend im Zeitgeist auseinandersetzen, der Ausdruck einer gewissen Kurzatmigkeit ist. Ob „Projektitis“ oder „Eventgesellschaft“, immer mehr potenzielle Großspender wie Stiftungen oder auch staatliche Stellen sehen ihre Fördergelder entweder in Projekten eingebunden oder lediglich als Anschubfinanzierung. Darüber, so kritisierte Mahr, wird gerne vergessen, dass vor allem das Regelangebot finanziert werden muss. Durch die strikte Projektorientierung vieler Fördergeber sei man darüber hinaus gezwungen, ständig neue Konzepte zu entwickeln, ergänzte Vereinsvorstand Braunig. Um heutzutage überhaupt Fördergelder zu bekommen, verlangen inzwischen die staatlichen Geldgeber einen entsprechenden „Eigenanteil“, der zumeist bei 20 bis 30 Prozent liegt. Da angesichts knapper Vereinskassen die vorhandenen Mittel aufs „Kerngeschäft“ konzentriert werden müssen, hat der Verein beschlossen, zukünftig keine Projekte oder Hilfeangebote mehr in Gang zu bringen, die nicht zu 100 Prozent durchfinanziert sind wie Mahr ausführte.

Betreuerin in der Einrichtung – kein leichter Job

Viele Beispiele aus der alltäglichen Praxis verlangen den momentan zwölf Betreuerinnen (Teilzeitkräfte) eine gewisse Robustheit ab, so ungeheuerlich die Geschichten und Hintergründe der jungen Mädchen, die in die Einrichtung kommen. Sie beschreiben – jeder für sich genommen – den Teufelskreis aus Gewalt, Vernachlässigung, Menschenverachtung und Hoffnungslosigkeit, der nicht selten fatale Folgen hat. Als Mahr das Beispiel einer jungen Frau beschrieb, die sich nach mehreren Verhandlungen gegen ihren Stiefvater und weitere männliche Familienmitglieder am Ende das Leben nahm, nachdem sie den Horror wiederholter Vergewaltigungen nochmals durchleben musste, um wenigstens eine kleine Opferrente zu erhalten, wurde es still im Raum. So still, dass man nicht nur das Schlucken einer erfahrenen Pädagogin hören konnte. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Erfolgserlebnisse. Das Beispiel einer erwachsenen Frau, die 20 Jahre nach ihrem ersten, wenig hoffnungsvollen Besuch immer noch in der Nähe der Einrichtung lebt und heute mitten im Leben steht, machen Mut und geben Zeugnis dafür, dass die Arbeit im Verein mehr ist als nur ein Job. „Dafür arbeiten wir“, so Mahr abschließend.

Das Spendenkonto ist eingerichtet bei der Bank für Sozialwirtschaft (BLZ: 370 205 00), Kontonummer: 706 9400, Kontoinhaber: Lobby für Mädchen e.V.. Weitere Informationen zur Arbeit des Vereins finden sie im Internet unter: www.lobby-fuer-maedchen.de.







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