24. 05. 2012
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Finkenberger Jugendliche nehmen Einfluss auf ihre zukünftigen Spielflächen
So kamen am gestrigen Dienstagabend mehr als 20 Jugendliche in die Aula
der Finkenbergschule, um an dem ersten Treffen zwischen Stadtverwaltung
und den Betroffenen teilzunehmen. Der Bedarf an Sport- und
Freizeitflächen für die Zielgruppe ist hoch und die derzeitige
Situation eher weniger zufriedenstellend. So gibt es zwar direkt neben
der Schule eine große Rasenfläche mit zwei Toren. Doch der Rasen ist
mit tiefen Löchern durchzogen und kann so schnell zu einer Gefahr für
die Gesundheit der jugendlichen Freizeitkicker werden, wie Streetworker
Franco Clemens die Kritik auf den Punkt bringt.
Viele Anregungen von den Jugendlichen
Die von der Stadt beauftragte Architektin Rauchschwalbe präsentierte
zunächst im Rahmen der etwa 90-minütigen Veranstaltung den ersten
Entwurf als Diskussionsgrundlage. Aber schon nach einer halben Stunde
ging der Vortrag in eine offene Frage- und Antwortrunde über. Dabei
brachten die Jugendliche zahlreiche Anregungen ein. So fiel das von der
Architektin eingeplante Basketballfeld bei den anwesenden Jugendlichen
eher durch. Auch die angedachte Grillplätze seien nach Ansicht der
Jugendlichen aus dem Viertel eher zu wenig für den großen Andrang. Vor
allem aber wollen die Jugendlichen eine flexiblere Aufteilung des
Fußballfläche. So regten sie an, den vorhandene große Fußball-Bolzplatz
bei Bedarf (z.B. Turnieren) in mehrere Kleinfeldplätze aufzuteilen.
Zusätzliche Tore (mit Gitternetz) sind dafür notwendig. Ausreichend
Picknick-Sitzgruppen mit Tischen und eine Torwand standen ebenfalls
hoch im Kurs.
Für das nördlich von Schule und Bolzplatz gelegene Areal, das sich
ebenfalls in städtischem Besitz befindet, kann dann in einer zweiten
Ausbauphase zudem noch ein Rundkurs für BMX-Fahrer und ein Parcour für
Skater hergerichtet werden. Auf dem Gelände befinden sich außerdem noch
eine alte Asphaltwanne sowie ein größeres Stück einer früheren Straße.
Nach Ansicht von Architektin Rauchschwalbe befindet sich dieses
Teilstück in einem überraschend guten Zustand. „Das müsste jedoch in
Eigenregie geschehen“, wie die Planerin einräumte.
43.000 Euro-Spende durch Gofus e.V.
Aufgrund der derzeitigen Haushaltssituation muss die Stadt bei diesem
Projekt auf die Unterstützung privater Sponsoren zurückgreifen. In
Westhoven kündigte der Verein der Golf spielenden Fußballer Gofus e.V.
eine zweckgebundene Spende in Höhe von 43.000 Euro an. Damit ist die
Finanzierung des ersten Bauabschnitts gesichert, wie Rauchschwalbe
versicherte. Allerdings können die vorgetragenen Wünsche der
Jugendlichen, wie z.B. der nach einem Kunstrasenplatz, schnell das
vorgegebene Budget überschreiten. Die Sanierung der bereits vorhandenen
Rasenfläche wäre deutlich günstiger, so der Hinweis der anwesenden
Experten der Stadtverwaltung.
Der derzeitige Plan soll nun in den kommenden Wochen überarbeitet
werden. Bereits am gleichen Abend verabredeten die Vertreter des Amtes
für Kinderinteressen und des Amtes für Stadtentwicklung das weitere
Vorgehen. Auf den Hinweis, das westlich daran anschließende Grundstück
ebenfalls in die Sanierungsvorhaben mit einzubeziehen, mussten die
städtischen Vertreter jedoch zurückstellen. Das Areal befindet sich in
Privatbesitz, eine notwendige städtische Überplanung müsste mit dem
Eigentümer abgeklärt werden, hieß es dazu. Besonders ärgerlich für die
Jugendlichen. Der so genannte „Rote Platz“, ein Areal mit zwei
Bolzplätzen, sind für das Fußballspiel völlig unbrauchbar. „Vor zwei
Jahren hat man hier großspurig eine Sanierung versprochen. An einem der
beiden Plätze hat man auch etwas repariert, doch selbst hier ist drei
Jahre später an Fußballspielen nicht zu denken“, bestätigte
Streetworker Franco.
Im direkten Umfeld der Finkenbergschule gibt es einen großen Bedarf an
Spielflächen. Nach Angaben der Stadt gibt es hier derzeit 1268 Kinder
und Jugendlichen Im Alter von 6 bis 18 Jahren.
Kommentar
Wer schon einmal im Stadtrat die Debatten im Stadtrat unter dem
Gesichtspunkt gelebter Demokratie und Bürgerbeteiligung verfolgt hat,
wird sich schwerlich vorstellen können, dass eine direkte Beteiligung
von Betroffenen an städtischen Planungsvorhaben überhaupt möglich ist.
Die gute Nachricht: Gelebte Bürgerbeteiligung und damit der
demokratische Austausch von Gedanken auf der Suche nach der besten
Lösung ist jederzeit und überall in Köln möglich, so auch in
Finkenberg. Lebhaft, witzig und unglaublich aufschlussreich war die
gestrige Abendveranstaltung. Innerhalb von nur einer Stunde erlebten
die wenigen Zuhörer eine umfassende Schilderung der Probleme und eine
überraschend sachliche Debatte mit einer Fülle interessanter
Anregungen.
Jetzt ist es an den Mitarbeitern der beteiligten städtischen
Dienststellen – hier vor allem das Amt für Kinderinteressen im Amt für
Kinder, Jugend und Familie sowie das Amt für Stadtentwicklung -, die
Anregungen in die weitere Planung aufzunehmen und die Ergebnisse erneut
zu präsentieren. Die eine oder andere Anregung hat dabei durchaus
Chancen auf Realisierung. Ob der gewünschte Kunstrasen am Ende
tatsächlich errichtet wird, darf jedoch bezweifelt werden. Aber die
drängendsten Anliegen wie mehr Grillplätze, eine flexiblere Aufteilung
des Fußballfeldes sowie Alternativen zum geplanten Basketballfeld haben
durchaus Chancen in der nächsten Stufe der Planung berücksichtigt,
zumindest aber überdacht zu werden.
Doch neben der bedarfsgerechten Ausstattung von Spiel- und
Freizeitflächen steht noch ein anderer Effekt an. Die Stadtverwaltung
sorgt hier mit privater Unterstützung dafür, dass Jugendliche aus einem
Stadtteil mit besonderem Förderungsbedarf sich stärker mit ihrem Umfeld
auseinandersetzen, an der Planung teilnehmen und schließlich
möglicherweise sogar sehen können, dass die eigene Anregung übernommen
wurde. Das stiftet Identität und festigt auch die Fürsorge der
Jugendlichen für ihre Freizeitanlage. Möglicherweise sind
Beteiligungsprojekte wie das in Westhoven ein wesentlich effizienteres
Mittel der Jugendkriminalität vorzubeugen als die Erhöhung der
Polizeistreifen oder gar eine Verschärfung des Jugendstrafrechts. Und
was hat das mit der demokratischen Debatte im Stadtrat zu tun? Ganz
einfach: Die Verwaltung präsentiert einen Vorschlag, das Volk
diskutiert und regt an. Die lebhafte Debatte war zwar nicht ganz so
geschliffen und eloquent wie im Stadtrat, dafür aber um so witziger und
nicht minder interessant.


























