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24. 05. 2012
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Finkenberger Jugendliche nehmen Einfluss auf ihre zukünftigen Spielflächen


08.05.2007 22:00 von:


So kamen am gestrigen Dienstagabend mehr als 20 Jugendliche in die Aula der Finkenbergschule, um an dem ersten Treffen zwischen Stadtverwaltung und den Betroffenen teilzunehmen. Der Bedarf an Sport- und Freizeitflächen für die Zielgruppe ist hoch und die derzeitige Situation eher weniger zufriedenstellend. So gibt es zwar direkt neben der Schule eine große Rasenfläche mit zwei Toren. Doch der Rasen ist mit tiefen Löchern durchzogen und kann so schnell zu einer Gefahr für die Gesundheit der jugendlichen Freizeitkicker werden, wie Streetworker Franco Clemens die Kritik auf den Punkt bringt.
       
Viele Anregungen von den Jugendlichen

Die von der Stadt beauftragte Architektin Rauchschwalbe präsentierte zunächst im Rahmen der etwa 90-minütigen Veranstaltung den ersten Entwurf als Diskussionsgrundlage. Aber schon nach einer halben Stunde ging der Vortrag in eine offene Frage- und Antwortrunde über. Dabei brachten die Jugendliche zahlreiche Anregungen ein. So fiel das von der Architektin eingeplante Basketballfeld bei den anwesenden Jugendlichen eher durch. Auch die angedachte Grillplätze seien nach Ansicht der Jugendlichen aus dem Viertel eher zu wenig für den großen Andrang. Vor allem aber wollen die Jugendlichen eine flexiblere Aufteilung des Fußballfläche. So regten sie an, den vorhandene große Fußball-Bolzplatz bei Bedarf (z.B. Turnieren) in mehrere Kleinfeldplätze aufzuteilen. Zusätzliche Tore (mit Gitternetz) sind dafür notwendig. Ausreichend Picknick-Sitzgruppen mit Tischen und eine Torwand standen ebenfalls hoch im Kurs.  

Für das nördlich von Schule und Bolzplatz gelegene Areal, das sich ebenfalls in städtischem Besitz befindet, kann dann in einer zweiten Ausbauphase zudem noch ein Rundkurs für BMX-Fahrer und ein Parcour für Skater hergerichtet werden. Auf dem Gelände befinden sich außerdem noch eine alte Asphaltwanne sowie ein größeres Stück einer früheren Straße. Nach Ansicht von Architektin Rauchschwalbe befindet sich dieses Teilstück in einem überraschend guten Zustand. „Das müsste jedoch in Eigenregie geschehen“, wie die Planerin einräumte.

43.000 Euro-Spende durch Gofus e.V.

Aufgrund der derzeitigen Haushaltssituation muss die Stadt bei diesem Projekt auf die Unterstützung privater Sponsoren zurückgreifen. In Westhoven kündigte der Verein der Golf spielenden Fußballer Gofus e.V. eine zweckgebundene Spende in Höhe von 43.000 Euro an. Damit ist die Finanzierung des ersten Bauabschnitts gesichert, wie Rauchschwalbe versicherte. Allerdings können die vorgetragenen Wünsche der Jugendlichen, wie z.B. der nach einem Kunstrasenplatz, schnell das vorgegebene Budget überschreiten. Die Sanierung der bereits vorhandenen Rasenfläche wäre deutlich günstiger, so der Hinweis der anwesenden Experten der Stadtverwaltung.

Der derzeitige Plan soll nun in den kommenden Wochen überarbeitet werden. Bereits am gleichen Abend verabredeten die Vertreter des Amtes für Kinderinteressen und des Amtes für Stadtentwicklung das weitere Vorgehen. Auf den Hinweis, das westlich daran anschließende Grundstück ebenfalls in die Sanierungsvorhaben mit einzubeziehen, mussten die städtischen Vertreter jedoch zurückstellen. Das Areal befindet sich in Privatbesitz, eine notwendige städtische Überplanung müsste mit dem Eigentümer abgeklärt werden, hieß es dazu. Besonders ärgerlich für die Jugendlichen. Der so genannte „Rote Platz“, ein Areal mit zwei Bolzplätzen, sind für das Fußballspiel völlig unbrauchbar. „Vor zwei Jahren hat man hier großspurig eine Sanierung versprochen. An einem der beiden Plätze hat man auch etwas repariert, doch selbst hier ist drei Jahre später an Fußballspielen nicht zu denken“, bestätigte Streetworker Franco.

Im direkten Umfeld der Finkenbergschule gibt es einen großen Bedarf an Spielflächen. Nach Angaben der Stadt gibt es hier derzeit 1268 Kinder und Jugendlichen Im Alter von 6 bis 18 Jahren.


Kommentar

Wer schon einmal im Stadtrat die Debatten im Stadtrat unter dem Gesichtspunkt gelebter Demokratie und Bürgerbeteiligung verfolgt hat, wird sich schwerlich vorstellen können, dass eine direkte Beteiligung von Betroffenen an städtischen Planungsvorhaben überhaupt möglich ist. Die gute Nachricht: Gelebte Bürgerbeteiligung und damit der demokratische Austausch von Gedanken auf der Suche nach der besten Lösung ist jederzeit und überall in Köln möglich, so auch in Finkenberg. Lebhaft, witzig und unglaublich aufschlussreich war die gestrige Abendveranstaltung. Innerhalb von nur einer Stunde erlebten die wenigen Zuhörer eine umfassende Schilderung der Probleme und eine überraschend sachliche Debatte mit einer Fülle interessanter Anregungen.

Jetzt ist es an den Mitarbeitern der beteiligten städtischen Dienststellen – hier vor allem das Amt für Kinderinteressen im Amt für Kinder, Jugend und Familie sowie das Amt für Stadtentwicklung -, die Anregungen in die weitere Planung aufzunehmen und die Ergebnisse erneut zu präsentieren. Die eine oder andere Anregung hat dabei durchaus Chancen auf Realisierung. Ob der gewünschte Kunstrasen am Ende tatsächlich errichtet wird, darf jedoch bezweifelt werden. Aber die drängendsten Anliegen wie mehr Grillplätze, eine flexiblere Aufteilung des Fußballfeldes sowie Alternativen zum geplanten Basketballfeld haben durchaus Chancen in der nächsten Stufe der Planung berücksichtigt, zumindest aber überdacht zu werden.

Doch neben der bedarfsgerechten Ausstattung von Spiel- und Freizeitflächen steht noch ein anderer Effekt an. Die Stadtverwaltung sorgt hier mit privater Unterstützung dafür, dass Jugendliche aus einem Stadtteil mit besonderem Förderungsbedarf sich stärker mit ihrem Umfeld auseinandersetzen, an der Planung teilnehmen und schließlich möglicherweise sogar sehen können, dass die eigene Anregung übernommen wurde. Das stiftet Identität und festigt auch die Fürsorge der Jugendlichen für ihre Freizeitanlage. Möglicherweise sind Beteiligungsprojekte wie das in Westhoven ein wesentlich effizienteres Mittel der Jugendkriminalität vorzubeugen als die Erhöhung der Polizeistreifen oder gar eine Verschärfung des Jugendstrafrechts. Und was hat das mit der demokratischen Debatte im Stadtrat zu tun? Ganz einfach: Die Verwaltung präsentiert einen Vorschlag, das Volk diskutiert und regt an. Die lebhafte Debatte war zwar nicht ganz so geschliffen und eloquent wie im Stadtrat, dafür aber um so witziger und nicht minder interessant.







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