24. 05. 2012
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100 Tipps, die Welt zu verbessern
(ehu) Darf man leere Bierflaschen einfach auf der Straße stehen lassen, damit andere sie einsammeln und sich mit dem Pfand wenigstens etwas Geld besorgen können? Kabarettist Jürgen Becker, Pfarrer Franz Meurer und Journalist Martin Stankowski machen es sich nicht leicht bei den 100 Tipps, mit denen man die Welt verbessern kann. Sie legten jetzt die bearbeitete Neu-Auflage ihres Bestsellers "Von wegen nix zu machen – Werkzeugkiste für Weltverbesserer" vor.
Die erste Auflage erschien 2007, seitdem wurden davon fast 40.000 Exemplare verkauft. Zeit, das Buch den aktuellen verhältnissen anzupassen. "Gut 50 Prozent sind neu, den Rest haben wir gestrafft", beschreibt Stankowski das Buch, an dessen Layout von Jochen Stankowski – Bruder von Martin und renommierter Grafiker – man sich allerdings erst gewöhnen muss. Und Meurer ergänzt: "Wir sind politischer geworden."
Genossenschaften – das Zukunftsmodell für die bessere Welt von morgen
So nehmen Genossenschaften einen großen Raum ein. Etwa die in dem kleinen bergischen Dorf Lieberhausen, wo die 400 Einwohner Strom produzieren und sich so von den großen Monopolisten unabhängig gemacht haben. Oder die Bürgerinitiative, die die beliebte Kartoffel Linda vor dem Aus gerettet haben – ihr Patentinhaber wollte sie vom Markt nehmen, um seine Neuzüchtungen besser verkaufen zu können. Und Meurer erzählt von der genossenschaft in seiner gemeinde, die 280 Wohnungen für finanziell schwache Familie bauen will. "Das ist doch das Schöne daran: Man besitzt etwas zusammen, aber jeder hat auch was Eigenes", so Meurer.
Zwar gilt allgemein: "Im Kollektiv erreicht man mehr als individuell" – aber auch Einzelpersonen erhalten ausreichend Tipps für ein Engagement, etwa als Lese- oder Erzählpate oder als jemand, der einen Jugendlichen bei der Hand nimmt und auf dem Weg ins Berufsleben hilft. Oder sein Taschengeld aufbessert.
Bürgerschaftliches Engaggement soll nicht den Staat ersetzen
Keine Gnade vor den Augen der drei Weltverbesserer finden Initiativen, die letztlich nichts anderes sind als "Reparaturdienste an unserer Gesellschaft". Die das erledigen, was eigentlich Sache des Staates sei. Dazu zählen auch Tafeln oder Suppenküchen. Die werden zwar auch von Meurer unterstützt, aber als notwendiges Übel und mit Bauchgrimmen. Denn: "Es ist Aufgabe des Staates dafür zu sorgen, dass keiner arm ist." Man ist sich einig: Bürgerschaftliches Engagement darf den Staat nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.
Auch solche Diskussionen finden sich in diesem Buch, nicht zuletzt in einem ausführlichen Gespräch mit Ex-CDU-Generalsekretär und Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler. Die Entscheidung über sein Engagement muss dann jeder selber Treffen – auch im Fall der leeren Bierflaschen.
Jürgen Becker, Franz Meurer, Martin Stankowski: "Von wegen nix zu machen – Werkzeugkiste für Weltverbesserer" – KiWi Paperback, Köln 2011, 202 Seiten, 8,99 Euro


























