24. 05. 2012
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20 Jugendliche aus aller Welt proben Shakespeare's Mittsommernachtstraum
Unter fachkundiger des Regisseurs und Schauspielers Hans-Peter Speicher
lernen die 17- bis 25-Jährigen nicht nur einfach die deutsche Sprache.
Sie tragen den Theater-Klassiker des bekannten englischen Dichters in
zwei Aufführungen (12. und 13. September 2007, 19 Uhr) im Kölner
Wartesaal vor. Im vergangenen Jahr waren beide Vorstellungen
(Shakespeare’s „Was ihr wollt“) restlos ausverkauft, die mehr als 300
Gäste zeigten sich erstaunt über die erfrischende Performance der bunt
zusammengewürfelten Darstellertruppe.
Das soll auch in diesem Jahr wieder so sein und so geben sich alle
Mühe, die Texte und Situationen bis zum Stichtag nicht nur perfekt
auswendig zu lernen, sondern dem ganzen noch dramaturgische Akzente zu
setzen. Ganz nebenbei erteilt Speicher bei den Proben noch reihenweise
Intensivkurse in deutscher Sprache. Alle, die nicht vortragen, sitzen
als Publikum und werden in den Proben in das Spiel einbezogen. Die
Hauptrollen stehen zwar schon weitgehend fest, wer aber bei den beiden
Aufführungen in die Nebenrollen schlüpft, wird erst zwei Wochen vorher
entschieden, erklären die Verantwortlichen des InVia-Förderprojekts
Shakespeare. Die Texte und Stücke aus dem 16. Jahrhundert sind
überhaupt bestens geeignet, weil sich die Rahmenhandlung und die
Dialoge gut in die Realität der heutigen Zeit übersetzen lassen,
erklärt Theaterexperte und Deutschlehrer Speicher.
Die meisten aus der Gruppe stammen aus Bürgerkriegsländern
Schwarzafrikas. Für viele ist das InVia-Programm der „einzige
Lichtblick“ in ihrem Leben. Neben dem Erlernen der deutschen Sprache
ist für Projektleiterin Gabi Klein vor allem die Einhaltung und
Förderung von Disziplin, Engagement und Pünktlichkeit ein zentrales
Anliegen. Klein leitet das auf zwei Jahre vom Europäischen Sozialfonds
geleitete Projekt allerdings nur noch rund ein halbes Jahr. „Dann
müssen neue Finanzierungsquellen her“, verriet Klein. Die Erfahrungen
des zweijährigen Projekts, das auf eine Maximalkapazität von 36
Personen ausgelegt wurde, sind dabei durchaus positiv. Gleich mehrere
Erfolge können die Initiatoren aufbieten. Obwohl ihr Aufenthaltsstatus
nach wie vor unsicher ist, legten sich alle in der Gruppe ins Zeug.
„Die Motivation ist generell sehr hoch“, bescheinigt Projektleiterin
Gaby Klein den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Verschärfend kommt
hinzu, dass keiner der Teilnehmer unter die neu geschaffene
„Stichtagsregelung“ falle, folglich die Unsicherheit fortbesteht. Doch
für einige aus der Gruppe wird in Kürze sogar die Chance auf
Integration in den Ausbildungsmarkt Realität.
Breit gefächertes Bildungsniveau in der Gruppe
Eines dieser nicht nur aus Sicht der Betroffenen erfreulichen Beispiele
ist die Geschichte von Daniel Adolfo. Im kommenden Ausbildungsjahr hat
sich der 21-jährige Angolaner (er spielte bei der öffentlichen Probe
die Hauptrolle des Lysander) einen Ausbildungsplatz als Bürokaufmann
gesichert. Bereits im vergangenen Jahr startete er mit der
Fachoberschulreife und stand zu Beginn des Projekts vor einem Dilemma.
„Ich suchte eine Ausbildungsstelle, bekam aber keine Arbeitserlaubnis.
Mir ging es mehr als schlecht“, beschreibt Adolfo die damalige
Situation. Auch dank des Theaterspiels fasste er wieder neuen Mut.
Ein weiteres Beispiel ist der Werdegang der 19-jährigen Kongolesin
Nadege Kamwiziku. Sie lebt erst seit vier Jahren in Deutschland und
konnte mit dem Einstudieren der Texte gleichzeitig ihre
Deutschkenntnisse vertiefen. Auch für sie ist das Förderprogramm
nützlich und hilft bei der Entwicklung neuer Perspektiven. Noch in
diesem Sommer wird sie eine Lehre zur Erzieherin beginnen. Das
Theaterspiel und das ständige Einstudieren der Texte habe ihre deutsche
Aussprache spürbar verbessert, „eine wichtige Voraussetzung für ihre
Arbeit als Erzieherin“, wie die junge Frau anmerkt.
Fast wie ein kleines Wunder klingt die Geschichte von Derhan Hassani.
Er kam noch vor Ausbruch des Bürgerkriegs im ehemaligen Yugoslawien
(Kosovo) als Vierjähriger nach Deutschland. Lediglich drei seiner
insgesamt 21 Lebensjahre besuchte er eine Schule. "Mich hat niemand
gefragt", so die knappe Begründung. Nach einem halben Jahr Training mit
Shakespeare-Texten kann er fließend lesen und schreiben, bescheinigen
ihm seine Betreuer. Das mag auch am begleitenden Unterricht mit bis zu
34 Wochenstunden liegen. Jederzeit stehen pädagogisch geschulte
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereit, um Bildungsinhalte (Sprache,
Wissen, EDV und Theater ) zu vermitteln. Insbesondere bei der Einübung
der deutschen Sprache registrieren die Verantwortlichen zum Teil
erstaunliche Lernleistungen.
Hauptherkunftsländer liegen in Schwarzafrika
Die meisten aus der Gruppe stammen aus den Ländern Afrikas, in denen
die chaotischen und teilweise anarchischen Zustände schon fast aus dem
Blickwinkel der Öffentlichkeit gerückt sind. Elfenbeinküste, Angola,
Kongo, Zaire sind die Heimat der meisten Jugendlichen und jungen
Erwachsenen. Ein Zustand, der sich je nach aktueller Sicherheitslage in
den entsprechenden Krisengebieten schnell ändern kann, wie die
Verantwortlichen andeuten. Für die Jugendlichen bedeutet das neben den
regulären Unterrichtsstunden (zweimal am Tag wird geprobt) zusätzliche
Belastungen wie Behördengänge oder andere Termine.
Von Anfang an setzt das pädagogische Konzept auf Gruppendynamik.
Unabhängig von Bildungsstand und Deutschkenntnissen, jeder erhält eine
Rolle und jeder arbeitet mit. So werden – unter fachkundiger und
teilweise auch ehrenamtlicher Hilfe – u.a. die Kostüme selbst
geschneidert und das Bühnebild mitentworfen. Die Chance an einem
solchen Projekt aktiv mitgestalten zu können, motiviert zusätzlich, wie
Regisseur und Deutschlehrer Speicher betont. Bei den Proben geht er
selbst mit gutem Beispiel voran. So lässt er sich vom spontanen Spiel
der Gruppe inspirieren und übernimmt dabei sogar Ideen in sein
„Drehbuch“.
Die Premiere im vergangenen Jahr war für alle in der Gruppe ein ganz
besonderes Ereignis ist. Egal, ob Haupt- oder Nebenrolle: „Die meisten
sind stolz darauf, in diesem Stück mitgespielt zu haben, sei ihre Rolle
auch noch so klein gewesen“, weiß Projektleiterin Klein aus zahlreichen
Gesprächen. Und das Publikum war nach Ansicht aller Beteiligten „aus
dem Häuschen“ ob der erfrischenden Performance. Nicht nur
Projektleiterin Klein und Ihr vierköpfiges Team hoffen, dass diese
Maßnahme eine Fortsetzung findet. Die beiden Aufführungen finden am 12.
und 13. September 2007 statt, Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Die Karten
kosten im Vorverkauf 15 Euro (ermäßigt 7,50 Euro) und können per E-Mail
unter:
shakespeare@invia-koeln.de
bestellt werden.
Weitere Informationen rund um Projekt und Abschlussveranstaltung finden Sie im Internet unter:
caritas.erzbistum-koeln.de/koeln_invia/Theaterauffuehrung.html.


























