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24. 05. 2012
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20 Jugendliche aus aller Welt proben Shakespeare's Mittsommernachtstraum


25.01.2009 06:29 von:

Schlagwörter: Köln,Initiative,Theaterprojekt,Mittsommernachtsrazm,Probe,Jugendliche,Shakespear

Unter fachkundiger des Regisseurs und Schauspielers Hans-Peter Speicher lernen die 17- bis 25-Jährigen nicht nur einfach die deutsche Sprache. Sie tragen den Theater-Klassiker des bekannten englischen Dichters in zwei Aufführungen (12. und 13. September 2007, 19 Uhr) im Kölner Wartesaal vor. Im vergangenen Jahr waren beide Vorstellungen (Shakespeare’s „Was ihr wollt“) restlos ausverkauft, die mehr als 300 Gäste zeigten sich erstaunt über die erfrischende Performance der bunt zusammengewürfelten Darstellertruppe.

Das soll auch in diesem Jahr wieder so sein und so geben sich alle Mühe, die Texte und Situationen bis zum Stichtag nicht nur perfekt auswendig zu lernen, sondern dem ganzen noch dramaturgische Akzente zu setzen. Ganz nebenbei erteilt Speicher bei den Proben noch reihenweise Intensivkurse in deutscher Sprache. Alle, die nicht vortragen, sitzen als Publikum und werden in den Proben in das Spiel einbezogen. Die Hauptrollen stehen zwar schon weitgehend fest, wer aber bei den beiden Aufführungen in die Nebenrollen schlüpft, wird erst zwei Wochen vorher entschieden, erklären die Verantwortlichen des InVia-Förderprojekts Shakespeare. Die Texte und Stücke aus dem 16. Jahrhundert sind überhaupt bestens geeignet, weil sich die Rahmenhandlung und die Dialoge gut in die Realität der heutigen Zeit übersetzen lassen, erklärt Theaterexperte und Deutschlehrer Speicher.

Die meisten aus der Gruppe stammen aus Bürgerkriegsländern Schwarzafrikas. Für viele ist das InVia-Programm der „einzige Lichtblick“ in ihrem Leben. Neben dem Erlernen der deutschen Sprache ist für Projektleiterin Gabi Klein vor allem die Einhaltung und Förderung von Disziplin, Engagement und Pünktlichkeit ein zentrales Anliegen. Klein leitet das auf zwei Jahre vom Europäischen Sozialfonds geleitete Projekt allerdings nur noch rund ein halbes Jahr. „Dann müssen neue Finanzierungsquellen her“, verriet Klein. Die Erfahrungen des zweijährigen Projekts, das auf eine Maximalkapazität von 36 Personen ausgelegt wurde, sind dabei durchaus positiv. Gleich mehrere Erfolge können die Initiatoren aufbieten. Obwohl ihr Aufenthaltsstatus nach wie vor unsicher ist, legten sich alle in der Gruppe ins Zeug. „Die Motivation ist generell sehr hoch“, bescheinigt Projektleiterin Gaby Klein den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Verschärfend kommt hinzu, dass keiner der Teilnehmer unter die neu geschaffene „Stichtagsregelung“ falle, folglich die Unsicherheit fortbesteht. Doch für einige aus der Gruppe wird in Kürze sogar die Chance auf Integration in den Ausbildungsmarkt Realität.

Breit gefächertes Bildungsniveau in der Gruppe

Eines dieser nicht nur aus Sicht der Betroffenen erfreulichen Beispiele ist die Geschichte von Daniel Adolfo. Im kommenden Ausbildungsjahr hat sich der 21-jährige Angolaner (er spielte bei der öffentlichen Probe die Hauptrolle des Lysander) einen Ausbildungsplatz als Bürokaufmann gesichert. Bereits im vergangenen Jahr startete er mit der Fachoberschulreife und stand zu Beginn des Projekts vor einem Dilemma. „Ich suchte eine Ausbildungsstelle, bekam aber keine Arbeitserlaubnis. Mir ging es mehr als schlecht“, beschreibt Adolfo die damalige Situation. Auch dank des Theaterspiels fasste er wieder neuen Mut.
       
Ein weiteres Beispiel ist der Werdegang der 19-jährigen Kongolesin Nadege Kamwiziku. Sie lebt erst seit vier Jahren in Deutschland und konnte mit dem Einstudieren der Texte gleichzeitig ihre Deutschkenntnisse vertiefen. Auch für sie ist das Förderprogramm nützlich und hilft bei der Entwicklung neuer Perspektiven. Noch in diesem Sommer wird sie eine Lehre zur Erzieherin beginnen. Das Theaterspiel und das ständige Einstudieren der Texte habe ihre deutsche Aussprache spürbar verbessert, „eine wichtige Voraussetzung für ihre Arbeit als Erzieherin“, wie die junge Frau anmerkt.

Fast wie ein kleines Wunder klingt die Geschichte von Derhan Hassani. Er kam noch vor Ausbruch des Bürgerkriegs im ehemaligen Yugoslawien (Kosovo) als Vierjähriger nach Deutschland. Lediglich drei seiner insgesamt 21 Lebensjahre besuchte er eine Schule. "Mich hat niemand gefragt", so die knappe Begründung. Nach einem halben Jahr Training mit Shakespeare-Texten kann er fließend lesen und schreiben, bescheinigen ihm seine Betreuer. Das mag auch am begleitenden Unterricht mit bis zu 34 Wochenstunden liegen. Jederzeit stehen pädagogisch geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereit, um Bildungsinhalte (Sprache, Wissen, EDV und Theater ) zu vermitteln. Insbesondere bei der Einübung der deutschen Sprache registrieren die Verantwortlichen zum Teil erstaunliche Lernleistungen.

Hauptherkunftsländer liegen in Schwarzafrika


Die meisten aus der Gruppe stammen aus den Ländern Afrikas, in denen die chaotischen und teilweise anarchischen Zustände schon fast aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit gerückt sind. Elfenbeinküste, Angola, Kongo, Zaire sind die Heimat der meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ein Zustand, der sich je nach aktueller Sicherheitslage in den entsprechenden Krisengebieten schnell ändern kann, wie die Verantwortlichen andeuten. Für die Jugendlichen bedeutet das neben den regulären Unterrichtsstunden (zweimal am Tag wird geprobt) zusätzliche Belastungen wie Behördengänge oder andere Termine.

Von Anfang an setzt das pädagogische Konzept auf Gruppendynamik. Unabhängig von Bildungsstand und Deutschkenntnissen, jeder erhält eine Rolle und jeder arbeitet mit. So werden – unter fachkundiger und teilweise auch ehrenamtlicher Hilfe – u.a. die Kostüme selbst geschneidert und das Bühnebild mitentworfen. Die Chance an einem solchen Projekt aktiv mitgestalten zu können, motiviert zusätzlich, wie Regisseur und Deutschlehrer Speicher betont. Bei den Proben geht er selbst mit gutem Beispiel voran. So lässt er sich vom spontanen Spiel der Gruppe inspirieren und übernimmt dabei sogar Ideen in sein „Drehbuch“.

Die Premiere im vergangenen Jahr war für alle in der Gruppe ein ganz besonderes Ereignis ist. Egal, ob Haupt- oder Nebenrolle: „Die meisten sind stolz darauf, in diesem Stück mitgespielt zu haben, sei ihre Rolle auch noch so klein gewesen“, weiß Projektleiterin Klein aus zahlreichen Gesprächen. Und das Publikum war nach Ansicht aller Beteiligten „aus dem Häuschen“ ob der erfrischenden Performance. Nicht nur Projektleiterin Klein und Ihr vierköpfiges Team hoffen, dass diese Maßnahme eine Fortsetzung findet. Die beiden Aufführungen finden am 12. und 13. September 2007 statt, Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Die Karten kosten im Vorverkauf 15 Euro (ermäßigt 7,50 Euro) und können per E-Mail unter: shakespeare@invia-koeln.de Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können bestellt werden.

Weitere Informationen rund um Projekt und Abschlussveranstaltung finden Sie im Internet unter:
caritas.erzbistum-koeln.de/koeln_invia/Theaterauffuehrung.html.







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