24. 05. 2012
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50 Jahre Amnesty International in Deutschland
Im Jahr 1961 wurde die deutsche Sektion der Menschenrechtsorganisation "amnesty International" in Köln gegründet. Zum 50. Jahrestag kommen die Verantwortlichen wieder in die Domstadt zurück, um hier den runden Geburtstag mit einer ganzen Fülle von Veranstaltungen zu begehen. Einer der Höhepunkte wird die so genannte "Amnesty-Woche" sein, die vom 11. bis 17. Juni an verschiedenen Plätzen in Köln stattfinden wird. Den Abschluss bildet ein Konzert mit dem bekannten Kölner Musikkünstler Gentleman und seiner Evolution Band auf dem Kölner Roncalliplatz. Den Anfang der Jubiläumsfeierlichkeiten in der Pfingstwoche 2011 macht aber ie Jahresversammlung des eingetragenen Vereins, der in den zurückliegenden Jahren eine immer größere Themenvielfalt zu bearbeiten hat. Am Grundgedanken, dem Kampf gegen Folter, Todesstrafe und Diskriminierung, hat sich in 50 Jahren eigentlich wenig geändert. Arbeitsgrundlage der Nicht-Regierungsorganisation ist dabei die allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die inzwischen auf mehreren staatlichen und zwischenstaatlichen Ebenen parafiert wurde, und sich damit auch in völkerrechtlich verbindlichen Verträgen wiederfindet, so der stellvertretende Generalsekretär von AI in Deutschland, Wolfgang Grenz. Die Organisation kämpft dabei auch immer ein Stück gegen das Vergessen und die Gleichgültigkeit vieler Menschen, wie Grenz bemerkte.
Erfolge und Rückschläge
Neben Erfolgen wie dem Haftbefehl gegen den ehemaligen chilenischen Staatspräsident Auguste Pinochet, der in seinem Londoner Asyl inhaftiert und verurteilt wurde, gab es für die Arbeit der Organisation aber auch Rückschläge. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die daraus resultierenden sind der vielleicht einschneidendste Rückschlag, den die Organisation in den 50 Jahren ihres Bestehens hinnehmen musste. "Vor dem 9.11. gab es in den westlichen Demokratien ein absolutes Folterverbot. Dieser Grundsatz wurde danach relativiert und die USA sind als führendes Land ein unrühmlicher Vorreiter", erklärte Grenz. Eine weitere Forderung ist die nach europäischer Solidarität in der Flüchtlingsfrage. Tausende Menschen kehren derzeit den nordafrikanischen Ländern, insbesondere Libyen, den Rücken. "Wir dürfen den südlichen Anrainern nicht die Hauptlast der Flüchtlingsfrage überlassen", erläuterte Grenz seine Forderung. Insbesondere die bilateralen Abkommen zwischen EU-Mitgliedern und den nordafrikanischen Staaten dienen einzig und allein der Abschottung vor den befürchteten Migrantenströmen aus den armen Teilen dieser Welt, insbesondere aus Schwarzafrika.
Die Organisation hat sich in den 50 Jahren ihres Bestehens einen untadeligen Ruf als moralische Instanz zulegen können. Das liegt auch an der Arbeitsweise. So werden Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen grundsätzlich gegenrecherchiert. Die Schwierigkeiten liegen dabei auf der Hand. "Es gibt in der Regel keine Zeugen, die den Foltervorwurf bestätigen", erläuterte Grenz diese Schwierigkeit. Die Mitarbeiter von AI suchen daher nach weiteren Zeugen aus den entsprechenden Gefängnissen oder Lagern, denen Ähnliches wiederfahren ist. Das dauert mitunter etwas länger als bei anderen Akteuren, ist aber dafür um einiges glaubwürdiger und gesicherter. "Wir sind etwas langsamer, aber dafür gründlicher", beschreibt Grenz den Ansatz seiner Organisation. Erfolge verzeichnete die Organisation in der jüngeren Vergangenheit vor allem mit Unterschriftensammlungen oder Veranstaltungen, wie zum Beispiel zum Weltjugendtag 2005 in Köln oder anlässlich der Olympischen Spiele in Peking, wie Oliver Hendrich, Mitarbeiter von AI im Kölner Bezirk, ausführte. Im Sommer 2008 informierte die Menschenrechtsorganisation auf dem Kölner Neumarkt über die Praxis im Reich der Mitte.
Neue "weiche" Themen
Neben den "harten" Themen wie Folter, Todesstrafe und systematischer Gewalt gibt es aber auch weitere Menschenrechtsverletzungen, denen sich die Organisation in zunehmendem Maße widmet, widmen muss. Vielfach werden sie noch heute als "Menschenrechte zweiter Klasse" bezeichnet, gemeint sind beispielsweise der gleichberechtigte Zugang zu nationalen Gesundheits- oder Bildungssystemen. Darunter fällt auch das Recht auf die eigene Wohnung und gegen Zwangsräumungen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Prestigeprojekten wie Staudämmen oder neu entstandenen Stadtsiedlungen. Hinzu kommt, dass es den Aktivisten und Offiziellen von AI in den vergangenen Jahren immer häufiger gelingt, auch die Verantwortlichen für Tod und Folter zur Rechenschaft zu ziehen. Allerdings sind sich die Verantwortlichen auch darüber im Klaren, dass nur wenige Verantwortliche tatsächlich für ihre Menschenrechtsverletzungen bestraft wurden. Dabei setzt die Organisation auf einen Kern fester Mitarbeiter, die jedoch von vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern unterstützt wird. Der Glaube an die Gute Sache ist dabei wesentliche Motivation. "Menschen können die Welt verändern, wenn sie sich für eine Sache stark machen", beschreibt Grenz diesen Antrieb. Es dürfte einer der Gründe sein, warum die Organisation bis zum heutigen Tag hohe Sympathiewerte erreicht.
Weitere Informationen zum bevorstehenden Jubiläum in Köln sowie zur Arbeit der Menschenrechtsorganisation finden sie auch im Internet unter: www.amnesty-koeln.de.


























