24. 05. 2012
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Die Grenzen der guten Tat
(ehu) Kaufhäuser für Kleider und Möbel zu Sozialpreisen, kostenlose Abgabe von Lebensmitteln – solche Hilfsangebote sind unerlässlich zur Milderung von aktueller Not. Aber eigentlich sollte es sie nicht geben, denn es sei Aufgabe des Staates, solche Notfälle erst gar nicht zuzulassen, so durchaus wohlmeinende Kritiker. Um diese Diskrepanz ging es bei der Veranstaltung „Die Grenzen der guten Tat“ im Domforum.
Grundlage der Diskussionsrunde mit Podium war eine Studie der Kölner Caritas, die die Arbeit dieser Hilfsangebote untersucht. Die bekanntesten sind die Tafeln. Rund 900 von ihnen haben sich zum „Bundesverband Deutsche Tafel“ zusammengeschlossen. Sie werden im Wesentlichen von 50.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern getragen. 1,2 Millionen Bedürftige nehmen das Angebot in Anspruch. In Köln arbeiten 30 Tafeln, 23 davon sind in kirchlicher Trägerschaft. In NRW arbeiten insgesamt 540 Tafeln, Möbellager oder Kleiderausgaben.
Auch Bedürftige haben ein Grundrecht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben
Peter Krücker, Vorstand der Kölner Caritas, stellte klar, dass auch Armen ein Grundrecht auf menschenwürdige Teilnahme am gesellschaftlichen Leben haben. Tafeln und ähnliche Projekte jedoch spalteten langfristig die Gesellschaft. Wer hier Hilfe sucht, wird von den Besitzenden als nicht dazu gehörig betrachtet – und zählt auch sich selber nicht zur Gesellschaft.
Selbstkritisch meinte er – auch als Ergebnis der Studie – dass Tafeln zwar kurzfristig und vorübergehend Not lindern können (und auch müssen), nicht jedoch langfristig. Zwar könnten sie in ihrem Umkreis eine solidarische Gemeinschaft fördern, seien auch wichtig als sozialer Treffpunkt. Doch nur die wenigsten Tafeln trügen dazu bei, langfristige Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Dafür sei ein umfangreiches Begleitprogramm nötig, etwa Schuldnerberatung oder Hilfe bei Behördengängen. Dies sei jedoch in der Regel nur von Hauptamtlichen, nicht von Ehrenamtlern leistbar. Doch selbst Kochkurse könnten dazu beitragen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Der Staat verlässt sich bei seiner Sozialpolitik auf den Einsatz seiner Bürger
Einig waren sich Podium – neben Krücker noch Pater Rolf Winterberge von der Tafel in Dünnwald, Wolfgang Rübsteck von der Meschenicher Tafel „Brotkorb“ und Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes als Kreisvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes – und Publikum, dass es eigentlich Aufgabe des Staates sei, langfristige Bedürftigkeit zu verhindern.
Stattdessen, so nicht nur der Vorwurf des Caritas-Chefs, leiste er sich die Niedrigsätze von Hartz IV, weil er etwa die Hilfe der Tafeln einkalkuliere. Dagegen müsse man sich energischer als bisher politisch engagieren. Eine Forderung, die sich auch an die Betroffenen richtete.


























