24. 05. 2012
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Ehrenamt braucht Anerkennung und Versicherung
„Die Freiwilligen brauchen einen Rahmen, damit sie zufrieden sind. Das
ist im Alltag gar nicht so im Blick“, erklärte die Geschäftsführerin
der Kölner Freiwilligenagentur Ulla Eberhard bei ihren
Begrüßungsworten. Auch der erste Vorsitzende des Veranstalters Kölner
Bürger-Stiftung Dr. Ludwig Arentz sowie der stellvertretende
Vorsitzende des Ausschusses für Soziales und Senioren Ossi Helling
wünschten der Veranstaltung und überhaupt dem Ehrenamt viel Erfolg. Vor
fast zehn Jahren begann die Debatte um das Ehrenamt in Köln und nach
einem Grundsatzbeschluss des Rates, der von SPD, CDU und den Grünen
eingebracht wurde, hat sich viel getan, wie Ratsherr Helling aus
eigener Erfahrung weiß. So habe das Netzwerk Bürgerschaftliches
Engagement inzwischen neben einem Weiterbildungskatalog, einer
durchgehenden Finanzierungshilfe und dem erfolgreich gestarteten
Unternehmensprojekt „Unternehmen Engagiert“ inzwischen auch Leitsätze
zum Umgang mit dem Ehrenamt erarbeitet, wie Sozialexperte Helling
betonte.
Köln genießt guten Ruf in Sachen Ehrenamt
„Köln verfügt über eine breit gefächerte und engagierte Bürgerschaft“,
lobte die Leiterin des Referates Bürgerschaftliches Engagement im
NRW-Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration
Ulrike Sommer die Leistungen der Ehrenamtler in der Domstadt. Als
zuständige Ansprechpartnerin schaut die im Ruhrgebiet lebende
Ehrenamtsexpertin mit „großer Sympathie“ auf das Treiben der Netzwerke
im Rheinland. „Köln ist Hochburg in Nordrhein-Westfalen“, so Sommer
weiter. Doch auch die städtische Verwaltung habe mit der Schaffung
geeigneter Institutionen wie der Kommunalstelle zur Förderung
bürgerschaftlichen Engagements (FABE) einen passenden Rahmen
geschaffen, innerhalb dessen das Ehrenamt gedeihen kann. Allerdings
wehre sich die Ministerialbeamtin aus dem Ministerium Armin Laschets
gegen den Vorwurf, das Ehrenamt sei der „Reparaturbetrieb“ der Politik.
Vielmehr habe die Landesregierung selbst mit der Einrichtung ihres
Referats im Mai vergangenen Jahres das Ehrenamt bzw. die Förderung
ehrenamtlichen Engagements als Querschnittsaufgabe erkannt und
anerkannt. Nun gehe es darum, wie das Land NRW die vielfältigen
Tätigkeiten ehrenamtlich Aktiver in den Kommunen fördern könne.
Strauß an Instrumenten vorgestellt
Im Mittelpunkt der Betrachtungen stand dabei von Anfang an das
Instrument des so genannten Landesnachweises. Obwohl bereits vor Jahren
eingeführt, haben bislang erst 89 Institutionen überhaupt eine
Akkreditierung bei ihrem Referat beantragt. Der Landesnachweis spielt
jedoch in den Überlegungen, wie man zu einer Anerkennungskultur im Land
kommen könne, eine zentrale Rolle. Immerhin stehen neben der
Beschreibung der jeweiligen Tätigkeiten des Ehrenamtlers auch
Schlüsselkompetenzen wie Zuverlässigkeit, Führungs- oder
Projektmanagementkompetenz, ja sogar juristisches und
betriebswirtschaftliches Fachwissen in einem solchen Zeugnis. In vielen
Personalabteilungen von Unternehmen spielen solcherart erworbene
Kompetenzen eine immer größer werdende Rolle, warb Sommer weiter. Sie
weiß allerdings auch, dass die Ausstellung entsprechender Nachweise,
die ein Träger nach unkomplizierter Akkreditierung ausfüllen kann,
zunächst einmal viel Arbeit für die entsprechenden Organisationen und
Initiativen bedeutet.
Zwar führe das Land selbst keinen Nachweis, wie viele Ehrenamtler
inzwischen einen solchen Landesnachweis erworben haben. „Wir wollten
das Angebot so niederschwellig und unbürokratisch wie möglich
gestalten. Aber wir sind selbst nicht ganz glücklich darüber, dass wir
gar nicht wissen, wie viele den Nachweis schon erhalten haben“, führte
Sommer weiter aus. Einige der rund 80 Teilnehmer dieses
Info-Nachmittags zweifelten sogar an, ob man für die Ausübung eines
Ehrenamtes überhaupt einen Nachweis führen müsse. „Das ist ja das Tolle
am Landesnachweis. Es besteht kein Zwang, solche Nachweise
auszustellen“, konterte Sommer.
Zu den weiteren Instrumenten der Landesregierung zur Förderung des
Ehrenamtes und der Etablierung ehrenamtlicher Netzwerke zählte das
Modellprojekt aus den Jahren 1999 bis 2003. Damals wurden landesweit
rund 20 Freiwilligenagenturen mit Landeszuschüssen in ihrer Startphase
unterstützt. Wegen zwischenzeitlicher Haushaltsengpässe wurde die
Förderung nach der Startphase jedoch wieder eingestellt. Inzwischen
trägt das Land zumindest einen Teil der Stellenfinanzierung der
Landeskoordinierungsstelle bei. Überdies sind die ehrenamtlich Aktiven
seit dem Jahr 2004 über das Land unfall- und haftpflichtversichert.
„Wir wollten damit Lücken im Versicherungsschutz schließen, damit dem
Ehrenamtler bei Ausübung seiner freiwilligen Tätigkeiten keinerlei
Nachteile entstehen“, begründete Sommer diesen Ansatz. Mit einem 2005
initiierten und im vergangenen Jahr wiederholten Wettbewerb engagierter
Unternehmen wurden zudem auch auf dem Gebiet „Unternehmensengagement“
im Dezember vergangenen Jahres insgesamt 17 Auszeichnungen vergeben.
Sommer zeigte sich wenig verwundert, dass gleich drei der 17 Ehrungen
an Kölner Unternehmen ausgesprochen wurden. Der Nutzen des Ehrenamtes
liegt dabei auf beiden Seiten. „Bürgerschaftliches Engagement ist ein
Gewinn für die gesamte Gesellschaft“, fasste Sommer ihre Erfahrungen
zusammen.
Weitere Informationen zum Ehrenamt und insbesondere dem Landesnachweis
und des Verfahrens zur Akkreditierung finden Sie auf den Internetseiten
des Ministeriums unter: www.mgffi.nrw.de/buergerschaft-engagement/index.php.


























