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24. 05. 2012
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Eine Woche Sozialpraktikum – Stadt startet Pilotprojekt


11.06.2010 14:57 von:

Schlagwörter: Köln,Sozialpraktikum,Gulliver,Überlebensstation,Stadtverwaltung,Auszubildende,2

Die Stadt Köln beschäftigt derzeit rund 600 Auszubildende. Zählt man die Azubis in der Feuerwehr sowie die Praktikanten noch hinzu, stehen derzeit rund 800 Nachwuchskräfte in Diensten der Stadt Köln. Ab sofort gibt es für sie die Chance auf ein Sozialpraktikum in einem von 16 gemeinnützigen Einrichtungen oder städtischen Abteilungen im gesamten Stadtgebiet. Eine spannende Alternative und eine "triple-win"-Erfahrung, wie die Verantwortlichen beim heutigen Pressetermin ausführten. Für die jungen Nachwuchskräfte bietet der "Ausflug" in Einrichtungen wie das Gulliver, die Kölner AIDS-Hilfe e.V., zu den Rollenden Spielplätzen Juppi oder in der Sozialberatung in der Justizvollzugsanstalt in Köln-Ossendorf der Blick über den Tellerrand der eigenen Ausbildung. Für die Stadt bedeutet ein solches Praktikum neben der Betonung bürgerschaftlichen Engagements auch ein Impuls für die eigene Ausbildung. Und dass die 16 teilnehmenden Einrichtungen von den jungen Helferinnen und Helfern profitieren, war schon im Eingangsbereich des Gulliver zu sehen.

Swen Porschen hatte sich wie seine Kollegin Rebecca Zerlett für die "Überlebensstation Gulliver", eine Anlaufstation für Menschen ohne festen Wohnsitz, entschieden. "Die Menschen hier waren super nett, wir hatten richtig Spaß. Ich würde das jederzeit wieder machen", bekannte Zerlett. "Man kommt hier sofort in Kontakt mit den Menschen und kann das alles nachher besser einschätzen", ergänzte Porschen seine Erfahrungen in der Einrichtung. Auch der Leiter des Gulliver und Geschäftsführer des gemeinnützigen Trägervereins Kölner Arbeitslosenzentrum KALZ e.V., Bernd Mombauer, war begeistert. "Die Kontakte und Gespräche sind eine ganz wichtige Erfahrung. Mit einem solchen Praktikum schafft die Stadt Begegnungsmöglichkeiten", lobt auch der Vorsitzende des KALZ, der evangelische Pfarrer Karl-Heinz Iffland die städtische Initiative. Für Stefanie Weber und Carolin Brambach ging es in ihrem Praktikum zum Verein Kölner AIDS-Hilfe e.V. Schnell verloren die beiden Teenager ihre Vorurteile und Berührungsängste. "Ich werde sehr viel aus diesem Praktikum mitnehmen", zog Weber ihr persönliches Fazit. "Meine Vorurteile wurden beiseite geräumt. Schnell haben wir gemerkt, es waren ganz normale Menschen", ergänzte Brambach. Andere Azubis haben ihr Praktikum bereits hinter sich oder treten es im Laufe der kommenden Tage und Wochen an. Nach Abschluss der Praktikums will die Kommunalstelle zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements (FABE) im Amt des Oberbürgermeisters die Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ermitteln und die Schlussfolgerungen für eine mögliche Fortsetzung der Initiative ziehen, hieß es dazu.

Die Überlebensstation darf sich aber nicht nur über die ehrenamtliche Hilfe freuen. Im kommenden Jahr feiert das Gulliver, das im vergangenen Jahr nach einer Aufforderung des Vermieters Deutsche Bahn AG kurz vor dem Aus stand, sein zehnjähriges Jubiläum in der Trankgasse 20 am Bahnbogen 1. Aufgrund des damaligen Wahlkampfes aber auch wegen zahlreicher Bürger, die sich an die Verantwortlichen des Gulliver gewandt hatten, konnte man die unmittelbaren Forderungen der Bahn nach Einhaltung des Brandschutzes abfedern und den Standort der Überlebensstation damit sichern. Inzwischen ist man sogar einen Schritt weiter. "Mit dem zweiten Runden Tisch aller Beteiligter in wenigen Wochen können wir weißen Rauch aufsteigen lassen. Der Brandschutz ist gesichert", erklärte Mombauer. Seit 2001 bietet die Einrichtung zwischen Breslauer Platz und Rheinufer einen festen Anlaufpunkt für Menschen ohne festen Wohnsitz. Ein Cafe, eine Kleiderkammer sowie Schlaf-, Aufenthalts- und Duschmöglichkeiten bieten ein kleines Stück Normalität für Menschen, die wegen unterschiedlichster Probleme aus der Bahn eines durchstrukturierten Alltags geworfen wurden. Längst hat sich das Gulliver mit seinem Anliegen auch anderen Bereichen geöffnet, wie der Kunst oder der Musik. Alle drei Monate gibt es eine Vernissage, erst in der vergangenen Woche ein Konzert, wie Iffland stolz berichtete. Sozialarbeiter und kirchliche Seelsorger bieten konkrete Hilfen in Härtefällen und sorgen für die fachliche Fundierung der täglichen Arbeit in der Einrichtung.

Auch Roters zeigte sich über den Erhalt der Einrichtung erleichtert. Mit Projekte wie diesem erhoffe er sich eine Signalwirkung, gerade auch angesichts der gravierenden Finanzprobleme, mit denen sich die Kommune Köln konfrontiert sieht. "Wir haben schwere Monate und Jahre vor uns. An Einsparungen geht kein Weg vorbei, wir werden um viel Verständnis werben müssen", führte der erste Bürger der Stadt aus. Eine nicht unerhebliche Mitschuld daran tragen die übergeordneten Gebietskörperschaften Land und Bund. "Wir werden als Stadt allein gelassen mit immer mehr Aufgaben und weniger Geld", wiederholte Roters seine Kritik. Trotzdem müsse man nach vorne blicken und so ist das Praktikum für Roters selbst ein "Zeichen von Solidarität", ja "ein Symbol für die Menschlichkeit einer Gesellschaft". Aber auch ohne Pathos bleibt genügend Nutzen, schließlich lernen die jungen Menschen während ihrer Berufsausbildung etwas, von dem sie möglicherweise in ihrem späteren Berufsleben profitieren werden: andere Abläufe und vor allem Menschen aus anderen Lebensbereichen. Auch wenn die Stadt bereits darüber nachdenkt, wie sie dieses Projekt fortsetzt, es wird auch zukünftig ein freiwilliges Angebot bleiben. "Wir werden das gerne fortsetzen", erklärte auch Roters abschließend. Abschließend erhielt der Verein aus der Hand von Kathrin Bahrs vom Excelsior Hotel Ernst (Postanschrift: Trankgasse 2) einen Spendenscheck in Höhe von 1000 Euro. Auch dieses Geld kann der Verein gut gebrauchen, wie die Verantwortlichen am Ende des heutigen Pressetermins betonten. 10.000 Euro hat man schon für das neueste Vorhaben, eine Nachtschlafstation, gesammelt. Bisher können die "Gässte" nur tagsüber in der Einrichtung ausruhen.







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