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24. 05. 2012
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Kölner ESL-Organisatoren informieren die Eltern


17.10.2009 18:08 von:

Schlagwörter: Köln,Tanzbrunnen,ESL,Sports,League,Computerspiele,Killerspiel,Aufklärung,Eltern,

Seit dem gestrigen Freitag gastiert die Electronic Sports League im Kölner Tanzbrunnen. Die besten Einzelspieler und Teams – im Fachjargon Clans oder Gilden genannt – kämpfen an den Konsolen und vor einem begeisterten Publikum um den Sieg. Was für Außenstehende manchmal ein wenig bizarr anmutet, ist unter den zumeist jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern inzwischen fester Bestandteil der Jugendkultur und schon so etwas wie ein neuer Breitensport. Im vergangenen Jahr machte die Spielebranche gleich mehrfach Station in der Domstadt. Höhepunkt waren sicher die Word Cyber Games, die Tausende Spielefans in die Kölnmesse lockte. Vonseiten der Verantwortlichen gab es ebenfalls Zuspruch. So veranstaltete die Stadt Köln unter anderem im Herbst vergangenen Jahres ein Symposium mit dem Titel "Kids & Games". Tatkräftige Unterstützung erhielten die Kölner dabei auch von der Landesregierung und ihrem Medienminister Andreas Krautscheid. Der hatte nur wenige Monate zuvor anlässlich der ESL Pro Series, die im Juni 2008 erstmals im Ausstellungsgelände der Expo XXI stattfand. Ebenfalls im vergangenen Jahr eröffnete der Kölner Computerspielverein Nfaculty das erste Vereinsheim in der deutschen Computerspielbranche.

Basisarbeit und Aufklärung

Aber trotz der positiven Signale gibt es gerade bei der öffentlichen Diskussion immer wieder herbe Rückschläge. Unvergessen bleibt dem Kölner Betreiber der ESL-Serie, dem Unternehmen Turtle Entertainment, sicher die Absage einer ESL-Veranstaltung in Karlsruhe. Kurz nach dem Amoklauf von Winnenden und mitten im Kommunalwahlkampf mussten die Kölner Organisatoren auf den politischen Druck hin die Segel streichen. Immerhin spielen die Besten unter anderem auch Spiele wie Counterstrike, Counterstrike Source ode World of Warcraft (WoW). All diesen Spielen ist unter anderem auch die gerne genutzte Nennung als "Killerspiel". Dieser Pauschalisierung wollen die Kölner ESL-Organisatoren Aufklärung und Einsicht entgegen stellen. So wurde auch bei dieser Veranstaltung wieder ein so genannter "Eltern-Informationsabend" organisiert. Starker Verkehr und vorwinterliche Witterung sorgte dafür, dass statt der angemeldeten 14 nur sieben Teilnehmer den Weg in den Kölner Tanzbrunnen fanden. Für die Teilnehmer dieser mehrstündigen Veranstaltung hat sich das Erscheinen allerdings gelohnt. Sie spielten Counterstrike und diskutierten mit Vertretern des Veranstalters über die Gefahren und Risiken von Computerspielen.

Neben Eltern waren vor allem Multiplikatoren anwesend. Robert B. (alle Namen von der Redaktion geändert), im Hauptberuf bei der Caritas in der offenen Jugendarbeit tätig, sieht wie die anderen auch keinen direkten Zusammenhang zwischen Jugendgewalt und Computerspielen. "Jungs, die wirklich gefährlich und aggressiv sind, spielen so etwas nicht", weiß der Sozialarbeiter. Auch Susanne H., Mutter eines 15-jährigen Sohnes, will sich von Pauschalisierungen von Politikern und Medien nicht beeinflussen lassen. "Wenn wir Computerspiele wie Counterstrike verbieten wollen, müssten wir auch Cowboy und Indianer verbieten", so die interessierte Mutter. "Jugendliche, die abrutschen, haben wohl eine Menge anderer Probleme", ergänzt Roswitha M., die seit Jahren in der Lehrerfortbildung den Umgang mit neuen Medien vermitteln will. "Das Wichtigste ist eine gesunde Balance", führt auch Spieleexperte Daniel (28) aus, der als Moderator die Liveübertragungen der Kölner Bundesliga-Runde auf die Bildschirme bringt. Seine eigene Mutter habe zwar Berührungsängste. Aber der 28-Jährige, der selbst seit langen Jahre im Ruhrgebiet einer Spieler-Community angehört, weiß auch von aufgeschlossenen Erwachsenen. Das gemeinsame Erfahren des Spiels Counter-Strike zu Beginn der Veranstaltung brachte denn auch Erstaunliches zutage. Sozialarbeiter B. findet nicht, dass der Ego-Shooter Counterstrike besonders realistisch ist. "Das Thema Töten verliert sich. Das Spiel motiviert eher zum Miteinandermessen", so der Jugendpädagoge.

Deutlich kritischer wird hingegen das Spiel "World of Warcraft" gesehen. Zwar versuchen die Verantwortlichen der ESL das Thema zu differenzieren. Aber vor allem die Online-Version und die ständige Weiterentwicklung der Spielsituationen und ihrer Figuren verführt zum tagelangen Mitspielen. Man wolle ja schließlich nichts verpassen. Nicht selten führen solche Situationen sogar zu echten Familienschicksalen. Allerdings dreht sich die Diskussion bei diesem bestimmten Spiel gar nicht mehr so sehr um die Projektion möglicher Gewalt, sondern eher um den Suchtgedanken. Auch hier weiß Moderator Daniel mehr. Als Spieleexperte weiß der 28-Jährige, dass die Besten gar nicht so lange brauchen, um wirklich gut oder gar professionelle Spieler zu werden. Die erfolgreichsten Spieler in dieser Disziplin kommen mit zwei Stunden Training am Tag hin. "Auch zum guten Computerspieler muss man Talent mitbringen", erklärte der Moderator und verschwindet anschließend auf die Bühne, um die ersten Wettkämpfe anzumoderieren.


Kommentar

Die bösen Killerspiele sollen also an allem Schuld sein. Wenn die Welt so einfach und eindimensional zu erklären wäre, könnte das simple Verbot aller Jugendgewalt ein Ende bereiten. Bevor aber jetzt die Ordnungspolitiker aus den Reihen der Konservativen Überhand gewinnen und diese schöne neue Welt tatsächlich einzutreten droht, machen Praktiker auf eine differenzierte Betrachtung aufmerksam. Ganz so einfach, wie es uns Politiker und Mainstream-Medien vorkauen, ist es nicht. So grausam und brutal ein Amoklauf wie der in Winnenden auch sein mag. Ihn auf den unsäglichen Begriff der "Killerspiele" zu reduzieren und damit eine ganze Generation zu kriminalisieren, bringt zur Problemlösung gar nichts. Das wissen zum Glück nicht nur einige kritische Pädagogen.

Medienkompetenz und Verantwortung für die junge Generation sollten anders aussehen. Aber um wie viel einfacher ist es, wenn man statt des möglichen eigenen Versagens lieber ein unpersönliches Computerspiel für gesellschaftliche Fehlentwicklungen verantwortlich zu machen. Man mag den Gegnern von Ego-Shootern und Onine-Spielen zurufen: Ihr macht den Bock zum Gärtner. Es ist wohl eine Verkennung des uralten Ursache-Wirkungs-Prinzips, wenn ein Computerspiel für eine brutale Straftat eines offenbar frustrierten und gedemütigten Jugendlichen alleine verantwortlich sein soll. Die Ursachen – diese Antwort fällt wesentlich weniger eindeutig aus – liegen wohl eher in der Vielzahl und unglücklichen Verquickung einer Vielfalt von Ursachen. Das kommt der Wahrheit zwar näher, passt aber nicht in 160 Zeichen oder die knackige Überschrift. Und so werden wir wohl weiter Pauschalisierungen zu hören und lesen bekommen, wenn mal wieder ein Fall von besonders brutaler Jugendkriminalität an die Öffentlichkeit kommt.







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