24. 05. 2012
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Kunst, die man mit Füßen tritt
(js) Wenn der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz das Platzmosaik von Joseph Fassbender in Kölns Innenstadt retten wolle, könne er es ja auf eigene Kosten an anderer Stelle wieder auslegen. So der Vorschlag des WDR an den RVDL. "Lächerlich" nannte das Thomas Heinemann, Vorsitzender der Kölner Denkmalschützer, dieses Angebot beim Neujahresempfang des RVDL am Samstag in Deutz. Den "einzigartigen Steinteppich" zu erhalten, ist in diesem Jahr ein Arbeitsschwerpunkt des Vereins.
Das Mosaik ziert seit 1968 den Platz an der Kreuzung Breite Straße/Auf dem Berlich zwischen Karstadt, DuMont-Karree und WDR. Erstmals beschädigt wurde es rund 20 Jahre später durch den vom Medienkonzern DuMont-Schauberg (Kölner Stadt-Anzeiger, Express) spendierten "Zeitungsbrunnen". Jetzt will der WDR den ganzen Platz für eine Außengastronomie umgestalten und das Kunstwerk beseitigen. Um die Öffentlichkeit auf den drohenden Verlust aufmerksam zu machen, erklärte der RVDL es im Dezember zum "Denkmal des Monats". Auch andere Bauten aus der Nachkriegszeit sieht Heinemann langfristig gefährdet, etwa die Universitätsbibliothek, die Geschäftszeilen an der Hahnenstraße (von Wilhelm Riphahn), St. Gertrud an der Krefelder Straße (von Gottfried Böhm) oder mehrere Verwaltungsgebäude im Bereich Theodor-Heuß-Allee und Ebertplatz. Deshalb fordert er von der Stadt die Fortschreibung der Denkmalschutzliste.
Zu den weiteren Arbeitsschwerpunkten gehört die Verbesserung des Domumfeldes, insbesondere bei Baptisterium und Dionysos-Brunnen. Hier herrsche "dringender Handlungsbedarf", so Heinemann. Er hofft, dass hier durch neue Planungen die unlängst verweigerten Bundesmittel doch noch bewilligt werden. Sorgen machen ihm auch die "massiven großen Gebäude", die die Frankonia rund um St. Gereon bauen will. "Sie müssen verhindert werden", weil sie dem Höhenkonzept widersprächen. Schließlich kritisierte er die "Abtragung von Grabdenkmälern, wüste Abholzungen und den groben Umgang mit der Dampfwalze" auf dem Melaten-Friedhof, der vor 200 Jahren eröffnet wurde. Das berechtigte Interesse an neuen Begräbnisformen dürfe nicht dazu führen, dass Schutzwürdiges zerstört werde. Heinemann hofft auf ein Gesamtkonzept für den Friedhof.
Der RVDL ist weit über 100 Jahre alt. Er setzt sich für Denkmalpflege und Landschaftsschutz im Gebiet der ehemaligen preußischen Rheinprovinz ein, die von Wesel über Köln und Koblenz bis Bingen und Trier reichte. Er hat rund 6000 Mitglieder, ihre Zahl nimmt aber in den letzten Jahren ab. Mit 1000 ist Köln der größte Ortsverein. Seinen Mitgliedern bietet er regelmäßige Publikationen, ermäßigten Eintritt in die Landesmuseen sowie regelmäßig Vorträge, Führungen und Exkursionen.
Mehr Informationen finden Sie im Internet unter: www.rheinischer-verein.de.


























