24. 05. 2012
Seite drucken
Mehr als 5000 protestieren gegen Kürzungen
Am heutigen Mittwochmittag haben mehr als 5000 Menschen auf dem Roncalliplatz gegen die geplante und bereits durchgeführten Kürzungen protestiert. Kabarettist Heinrich Pachl, Moderator Martin Stankowski sowie die Verantwortlichen der einzelnen Wohlfahrtsverbände machten dabei gemeinsam Front gegen die Kürzungen, unter denen die Kölner Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege bereits zu leiden haben. Zwar müssen die meisten Träger derzeit noch keine Kündigungen aussprechen. Aber die ungeklärte Haushaltssituation der Stadt wirft noch ein anderes Schlaglicht auf die Finanzierung der Freien Träger. Weil der Haushalt weder eingebracht, geschweige denn beschlossen ist, haben die Träger bereits massive Einschnitte in ihren Etats hinnehmen müssen, auch wenn beim Ausbau des Offenen Ganztags die Kürzungen teilweise wieder zurückgenommen wurden. Mit dem Hinweis auf die anstehenden Budgetberatungen drohen den Trägern aber weitere Kürzungen, sollte es nicht eine "wundersame Geldvermehrung" geben.
Gleich zu Beginn der Veranstaltung heizte Kabarett Pachl mit spitzer Zunge die Stimmung ein. "Was wir in Berlin erleben, ist die Aufgabe des Staates", fasste Pachl das Drama um die bevorstehenden Kürzungen zusammen. Selbst Sätze wie "Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt", lässt der Kabarettist nicht stehen, Ex-Bundespräsident Dr. Horst Köhler bekommt ebenfalls sein Fett weg, er sei einer der "Demokratoren", die die Rolle des Staates als "Umverteiler von unten nach oben" eben nicht mehr wahrnehmen. Auch den Hinweis, dass Menschen in Staaten wie Bangladesh den Kopf nicht so hängen lassen wie in Deutschland, entkräftete Pachl mit dem Hinweis auf die regelmäßig dort auftretenden Hochwasser. "Denen stand das Wasser bis zum Hals. Da lässt man den Kopf nicht hängen". Ulrike Volland-Dörmann war daraufhin die erste aus der Reihe der Liga der sieben Wohlfahrtsverbände, die stellvertretend für die vielen anwesenden Vereine und Gruppen die Kritik auf den Punkt brachte.
"Fakt ist, dass keine der Dienstleistungen, die diese Stadt für Kinder, Jugendliche, Familien, Alleinstehende, Senioren, Behinderte, Kranke und Notleidende erbringt, überflüssig, luxuriös, verzichtbar oder gar ausreichend sind", so die Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt. Ansonsten gab sich die Sprecherin der LIGA aber auch fast staatsmännisch. Prioritäten müssten gesetzt und ein öffentlicher Diskurs darüber geführt werden. Das sei Aufgabe aller gesellschaftlichen Kräfte. Das aber wird angesichts der Signale aus Berlin beileibe kein Selbstläufer, selbst nicht mit einem Gestaltungsbündnis von SPD und Grünen, das derzeit in der Domstadt die politische Mehrheit innehat. "Wir müssen Gas geben, damit sich was bewegt. Die Zukunft in Köln kann gelingen", rief Volland-Dörmann den Demonstranten zu und sprach auch ihren Kolleginnen und Kollegen der anderen Wohlfahrtsverbände aus der Seele. Letztlich gehe es um Teilhabe für alle Menschen und das müsse sich in entsprechenden Investitionen in soziale Dienstleistungen niederschlagen. Zum Schluss mahnte die LIGA-Sprecherin aber auch ein Denken über den Tellerrand an. Man müsse in Verbünden denken. Und schließlich sei der soziale Bereich auch ein Wirtschaftsfaktor. Immerhin 25.000 Menschen arbeiten in der Domstadt alleine in den verschiedenen Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände, hinzukommen weitere Ehrenamtler. Unterschriften wurden auch gesammelt. Mit dem heutigen Protesttag dürften es inzwischen rund 15.000 sein, die sich für ein soziales Köln und die Kampagne "Kölner gestalten Zukunft – Vereint gegen Sozialabbau" einsetzen.


























