24. 05. 2012
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Mitternachtssport lebt vom Netzwerk
Als der Kölner Stadtrat Ende Januar 2008 ein Maßnahmenpaket zur Gewaltprävention bei Jugendlichen auf den Weg brachte, war neben der Einrichtung von zusätzlichen Stellen bei der offenen Jugendarbeit auch der Bereich Mitternachtssport ein Thema. In 2008 und 2009 erhielt das Sportamt dafür einen jährlichen Betrag in Höhe von 79.200 Euro. Ziel war es, in allen neun Kölner Stadtbezirken spezielle und niedrigschwellige Sportangebote für Jugendliche zu schaffen, die sonst eher einen großen Bogen um Sportvereine machen. Mitternachtssport gibt es in Köln allerdings schon viel länger. Der ehemalige Center von Saturn Köln, Klaus Zander, hatte bereits ab dem Jahr 1995 erste Mitmachangebote für Jugendliche aus problematischen Verhältnissen initiiert. "Das Projekt ist damals eingeschlagen wie eine Bombe", referierte der Leiter des Kölner Sportamtes, Dieter Sanden. Die Idee dazu kommt aus den USA, wo gerade in den schwierigen Stadtbezirken versucht wurde, Jugendliche durch den Sport von der Straße zu holen und damit auch die Kriminalität zu bekämpfen. Nachdem in Köln der Mitternachtssport lange Zeit lediglich durch Partner und Sponsoren, hauptsächlich Sportvereine, am Leben gehalten wurde, gibt es seit dem vergangenen Jahr auch Geld aus der Stadtkasse. Und die Verantwortlichen hoffen, dass trotz Haushaltskrise auch im Jahr 2010 wieder entsprechende Mittel der Stadt bereit gestellt werden. "Eine Kürzung der Mittel wäre fahrlässig", so die deutlichen Worte von Peter Pfeifer, Leiter der Kölner Sportjugend. Bis zu 500 Jugendliche nehmen regelmäßig an den Freitagabendveranstaltungen teil, neben Fußball werden auch Tanzen, Boxen und Selbstverteidigung angeboten. Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben einen Migrationshintergrund.
Die Sportjugend ist mit der Durchführung und Koordination des Projekts "Mitternachtssport" betraut worden. Neben der Bereitstellung von Hallenkapazitäten, der Einbindung der verschiedenen Projektpartner wie Bezirksjugendpfleger, Polizei und den Sportvereinen, suchen Pfeifer und sein Geschäftsführer Volker Lemken auch nach neuen Partnern und Sponsoren. Und auf der Landkarte der inzwischen 18 Mitternachts-Sportangebote gibt es noch immer einige weiße Flecken. So fehlen unter anderem in den Problemstadtvierteln Porz-Finkenberg, Kalk, Vingst, Bocklemünd oder Ossendorf entsprechende Angebote. Schon jetzt aber komme man mit relativ wenig Geld über die Runde, schließlich sei das Angebot doppelt so umfangreich wie ursprünglich gewollt, wie Pfeifer betonte. Die Jugendlichen benötigen dabei keinen teuren Internetauftritt, sie kommen aufgrund der Mund-zu-Mund-Propaganda. Auch die Stadtteilkonferenzen, die einmal im Monat zwischen den Vertretern von Stadt, Polizei und den Jugendhilfe-Trägern abgehalten werden, liefern wertvolle Impulse. Diese neue Qualität ist denn nach Meinung aller Beteiligten auch der Unterschied zu den Vorgängermodellen zum Thema Mitternachtssport. "Einige Angebote sind inzwischen derart gut besucht, dass wir einzelne Jugendliche schon wieder wegschicken mussten. Das Sportangebot ist für die Jugendlichen einfach ein Treffpunkt. Das wollen sie", weiß Bezirksjugendpflegerin Jannet Gelhaar-Michels, die das Projekt in Köln-Ehrenfeld betreut.
Dass es sich bei den Jugendlichen, die im Fokus der Ansprache stehen, um ein durchaus schwieriges Klientel handelt, wollten die Beteiligten nicht verschweigen. "Ein Großteil der Jugendlichen hat bereits Erfahrungen mit der Polizei gemacht", beschrieb Sanden die Zielgruppe. Dabei gibt es nicht nur Sport, auch Tanz und Kultur mit Bühnenprogramm steht auf dem Spielplan. Und eine Mädchengruppe hat bei einem Tanzangebot so geübt und so viel Talent, dass sie inzwischen schon Auftritt in Köln und Berlin absolviert haben, so Pfeifer. "Das ist Jugendhilfe mit Mitteln des Sports", ergänzte Volker Lemken, Geschäftsführer der Kölner Sportjugend. Das kann sogar dazu führen, dass bei bestimmten Angeboten auch die Honorarkräfte der beteiligten Jugendeinrichtungen oder sogar Polizeibeamte mitspielen. Für die Verantwortlichen eine "völlig neue Form der Ansprache abseits des gängigen Rollenbilds". Und aus Köln-Vogelsang wurde sogar berichtet, dass während des Sportangebotes vor Ort die Kleinkriminalität mit Beteiligung der Jugendlichen teilweise sogar auf Null zurückgegangen ist. Dabei gab es zu Beginn an einigen Spielorten des Angebotes, unter anderem am Humboldt-Gymnasium in der Kölner Innenstadt, große Bedenken, die als "kriminell" geltenden Jugendlichen in die Sportstätten zu lassen. Bis auf einen "geleerten Feuerlöscher" sind den Initiatoren allerdings bislang keine Klagen über Vandalismus oder Zerstörung gekommen. Nicht zuletzt aufgrund dieser Nachfragen gibt es inzwischen zahlreiche Kommunen im gesamten Bundesgebiet, die sich bei den Kölner Verantwortlichen über das Projekt informieren. Und Nachahmer gibt es ebenfalls bereits viele, wie Sportamtschef Sanden nicht ohne Stolz berichtete.


























