24. 05. 2012
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Patenprojekt der Katholischen Kirche geht in die Offensive
Bisher habe man außerordentlich positive Erfahrungen damit gemacht,
dass erfahrene Erwachsene (der jüngste ist 28) Jugendlichen ab der
achten Klasse ihre Unterstützung und Hilfe anbieten. Gerade in dieser
Orientierungsphase sei Hilfe und das Vertrauen eines Erwachsenen
wichtig, damit vor allem Kinder aus schwierigen familiären Umfeldern
ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben realisieren können. Begonnen
hatte das Projekt im April 2005, als der Verantwortliche Projektleiter
Wilhelm Gerber in einem Radiointerview mit einem Lokalsender von den
Patenschaften erzählte. Spontan meldeten sich bereits die ersten
Freiwilligen, von denen acht das Projekt bis zum heutigen Tag
begleiten,
wie Gerber ausführte. Bis heute stieg die Gesamtzahl der betreuten
Jugendlichen im Einzugsbereich auf 40 bis 50, davon rund 30 in Köln.
Hauptgrund für die am heutigen Dienstag gestartete Offensive ist aber,
dass die
Nachfrage nach Patenschaften deutlich größer ist als das Angebot an
ehrenamtlichen Unterstützern, wie die Vorsitzende des
Katholikenausschusses Hannelore Bartscherer einräumte. Derzeit arbeiten
rund 25 ehrenamtliche Patinnen und Paten in dem Projekt mit. "Uns
fehlen alleine in der Pfarrei St. Severin drei bis vier Patinnen und
Paten", ergänzte Projektleiter Gerber.
Positives Feedback nach knapp drei Jahren Projektarbeit
Bei ihren Bemühungen vor allem Jugendlichen aus Problembezirken oder
aber auch Jugendliche mit unsicherem Aufenthaltsstatus (zumeist
unbegleitete Flüchtlinge) konkrete Ansprechpartner an die Seite zu
stellen, habe man positive Erfahrungen gemacht. „Die Zusammenarbeit mit
Schulen und Institutionen der offenen Jugendhilfe haben sich gut
angelassen“, so Bartscherer. Die meisten betreuten Jugendlichen sind
dabei zwischen
14 und 18 Jahren alt, es gibt aber keine festen Altersgrenzen. Ein
junger Mann war sogar schon 25 Jahre alt, als man ihm einen Paten an
seine Seite stellte, berichtete Bartscherer weiter. Zumeist kommen die
Jugendlichen aus Schulen und Wohnheimen. Insbesondere bei Jugendlichen
mit ungesichertem Aufenthaltsstatus ergeben sich durch die gesetzlichen
Regelungen zusätzliche Schwierigkeiten, weil manche trotz guter
Leistung kaum Chancen auf ein Ausbildungsverhältnis haben
Die Tätigkeit der Freiwilligen kann sich auf verschiedene Bereiche
erstrecken. Wichtig ist jedoch, dass die Jugendlichen Vertrauen zu den
Ehrenamtlern aufbauen und sich ihnen auch anvertrauen. Das kann von der
konkreten Hausaufgabenhilfe über ein Motivationstraining bis hin zum
reinen Zuhören und Mut machen gehen. Das katholische Bildungswerk, das
den Patinnen und Paten ebenfalls kostenlos Angebote zur Weiterbildung
macht, hat sich zum Start der neuen Offensive ebenfalls neu gerüstet.
So wurde das Angebotsspektrum an Schulungen – im ersten Halbjahr 2008
sind sechs solcher Schulungen geplant – entsprechend erweitert, wie
Rainer Tüschenbönner vom Katholischen Bildungswerk erläuterte. „Für die
ehrenamtlich Aktiven ist vor allem die Unterstützung durch andere Paten
wichtig. Daneben bieten wir aber auch kostenlose Seminare zum Beispiel
zum Thema Umgang mit Konflikten an“, erläuterte der pädagogische
Mitarbeiter.
Orientierungshilfe bei der Suche nach eigenen Stärken
Das Ziel eines selbstbestimmten Lebens bedeutet für die potenzielle
Zielgruppe vor allem, eine Perspektive zu haben. In der achten Klasse
beginnt bei vielen die Phase, in der sie sich mit dem Einstieg ins
Berufsleben beschäftigen müssen. Schließlich müsse man verhindern, dass
die Betroffenen die Schule oder – zu einem späteren Zeitpunkt – die
Ausbildung abbrechen. Ohne konkrete Zahlen nennen zu können, ließen die
Verantwortlichen durchblicken, dass dieses Ziel über eine Patenschaft
insgesamt gelungen sei. Üblich ist dabei das „1 zu 1“-Prinzip, wie Gerber
weiter ausführte. Der Zeitaufwand für die Ehrenamtler ist vor allem in
den ersten Wochen etwas höher. „Sie müssen das Vertrauen der
Jugendlichen erst einmal aufbauen“, erläutert der Projektleiter weiter.
Je nach persönlicher Lebenssituation kann sich die Patenschaft über
Jahre hinziehen oder ist auf eine kurze Orientierungsphase beschränkt.
Doch weil Ausbildungsverhältnisse normalerweise drei Jahre dauern und
manche Patenschaft bereits während der achten Klasse begann, sind
Erfolgsmeldungen noch zu früh. Die Initiatoren gehen aber davon aus,
dass betreute Jugendliche wesentlich seltener den eingeschlagenen Weg
abbrechen, obwohl auch das vorkommt, wie Gerber abschließend einräumt.
Weitere Informationen sowie Ansprechpartner für potenzielle
Interessenten für eine Patenschaft können sich direkt mit dem
Projektleiter Wilhelm Gerber in Verbindung setzen: Telefon: 0221 / 92
13 35 26, Mail:
wilhelm.gerber@kja.de
. Interessenten müssen nicht zwangsläufig Mitglieder der katholischen Kirche sein.
Bild: Hannelore Bartscherer vor der Anerkennungsurkunde des
"Anton-Roesen-Preises", der dem Projekt im Jahr 2006 verliehen wurde.


























