24. 05. 2012
Seite drucken
Responsible Party 2011: Es geht auch ohne „Kampftrinken“
“Binge drinking” bedeutet übersetzt so viel wie “Kampftrinken”. Zwar ist der Alkoholkonsum unter Jugendlichen europaweit und auch in Deutschland insgesamt leicht rückläufig. Doch eine kleine Gruppe Jugendliche hat bereits Erfahrungen im so genannten „Kampftrinken“ gemacht. Nach Schätzungen und Umfragen gilt dies für rund ein Fünftel der minderjährigen Jungen und rund zehn Prozent der Mädchen unter 18. Medienberichte mit völlig betrunkenen Jugendlichen, Gewalt und Bewusstlosigkeit haben in jüngster Zeit zudem die Betroffenheitsschwelle erhöht. Wie aber können gerade junge Menschen nachhaltig von diesem Phänomen abgehalten werden? Genau diese Frage stellten sich auch Valerija Schwarz, Lisa Hennes und andere Aktive des internationalen Studentennetzwerks Erasmus, das seit Anfang der 1990er Jahre junge Austauschstudierende in verschiedenen, europäischen Ländern betreut. Mit einem neuen Partykonzept, das im Mai dieses Jahres in Dresden seine Premiere hatte, wollen die Nachwuchsakademikerinnen und –akademiker zeigen, dass es auch anders geht. Ausgerechnet der französische Spirituosenhersteller Pernod Ricard und seine deutsche Vertriebstochter unterstützen die „Responsible Party“ am kommenden Samstag. Ein Widerspruch?
Werbung für maßvollen Umgang mit Alkohol
„Nein“, sagt Toni Eulenberg innerhalb der deutschen Vertriebstochter für CSR-Projekte („Corporate Social Responsibility“) verantwortlich. „Wir müssen die jungen Leute auf die Gefahren übermäßigen Alkoholkonsums hinweisen. Unsere Produkte stehen für Genuss. Der aber muss, damit es Genuss bleint, Grenzen haben“, begründete Eulenberg das Engagement seines Arbeitgebers für Projekte dieser Art. Bereits in der Vergangenheit hatte das Unternehmen beispielsweise Werbung für den Verzicht auf Alkohol während der Schwangerschaft gemacht. Zahlreiche Stars wie Bettina Zimmermann, Franzisika Knuppe oder Liz Baffoe haben sich bereit erklärt, diese Aktion zu unterstützen.
Das Zauberwort heißt „Maß halten“
Bei ihrer Suche nach weiteren potentiellen Partnern wurden die Verantwortlichen von Pernod Ricard nun bei dem Studierendennetzwerk fündig. Eulenberg weiß, dass gerade unter Studierenden der Anteil der Kampftrinker höher ist als im Durchschnitt der entsprechenden Altersgruppe. Und so gehörte das Wörtchen „maßvoll“ zum gerne wiederholten Standard-Repertoire des CSR-Verantwortlichen. Die hochprozentigen Produkte des Hauses wie Ramazotti, Chivas Regal oder Absolut Wodka gehören ohnehin eher dem hochpreisigen Segment an. Kampftrinker greifen bei ihren Gelagen dann doch eher auf billigen Fusel zurück. Insofern sehe man sich hier auch in einer gesellschaftlichen Verantwortung, erklärte der Manager weiter. So spendiert der Konzern neben kostenlosem Wasser auf der Party auch eine kleine Tüte mit so genannten „Give-Aways“ wie Anti-Stressball, Alkoholtester und weitere Info-Materialien.
Studieren bedeutet nicht nur Party machen
„Die Zusammenarbeit ist weitgehend ohne Schleichwerbung. Das hat uns besonders gut gefallen“, erklärte Valerija Schwarz, Studentin in Köln und ehrenamtliche Mitarbeiterin des Studentennetzwerks. Mit dem neuen Sponsor und dem Betreiber der Party-Location „Luxor“ (Luxemburger Straße) habe man zwei Partner gefunden, um in Köln den geeigneten Rahmen für eine „exzellente Party“ zu bieten. Der Eintritt bleibt mit drei Euro „studentenaffin“, die Preise für Getränke liegen mit 1,50 Euro für ein Kölsch ebenfalls im Rahmen, wie Schwarz und ihre Kommilitonin Lisa Hennes betonten. Derzeit betreuen die beiden und ihre ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in Köln rund 800 bis 900 Studierende, die über den DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) nach Köln vermittelt wurden. „Wenn mehr als die Hälfte kommen, wird es eine richtig gute Party“, hoffen die studierenden Organisatorinnen. Die beiden stört vor allem, dass der Auslandsaufenthalt vor allem und viel zu häufig mit Trinkgelagen und Party gleichgesetzt wird. Das gilt sowohl für ausländische Studierende, die nach Deutschland kommen wie auch umgekehrt. Mit Stadtrallyes und Führungen durch die Kölner Altstadt und andere Sehenswürdigkeiten versucht das Netzwerk, dieses Klischee zu überwinden, nicht ohne Erfolg. Als die Erasmus-Studierenden vor kurzem einen Altstadtrundgang organisierten, kamen sie einem anderen Organisator von Studenten-Partys in die Quere. Dessen Kundschaft machte kurzerhand beim Kulturprogramm von Erasmus mit.
Auch bei der dahinter liegenden Konzeption ziehen beide Kooperationspartner an einem Strang. „Wir wollen den mündigen Bürger. Andere Organisationen und Initiativen machen das häufig mit dem erhobenen Zeigefinger“, erläuterte Eulenberg. „Wir wollen uns der Sache spielerisch annähern“, ergänzte Hennes. Und ihre Kommilitonin weiß, dass es bei den Kampftrinkern beiderlei Geschlechts eh nur um eine „Randgruppe“ handelt. Alkoholkonsum unter den Studierenden ist jedoch deutlich weiter verbreitet als die Extremform des Kampftrinkens. „Viele können sich nicht ohne Alkohol treffen. Das ist ein Trend, den wir nicht schön finden“, so Schwarz abschließend.
Die zweite Responsible Party findet am Samstagabend im Luxor auf der Luxemburger Straße statt. Beginn ist um 23 Uhr. Die Einnahmen werden zur Finanzierung gemeinsamer Aktionen des Studierendennetzwerks verwendet. Weitere Informationen und Hintergründe gibt es auch im Internet unter: www.responsible-party.com.


























