24. 05. 2012
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Rund 80 Gäste bei Kölner Auftaktveranstaltung der Christlich-Muslimischen Friedensinitiative
Neben Mitgliedern der Ditib-Führung waren auch hochrangige Vertreter
aus anderen Kirchenverbänden, des Deutschen Städtetages sowie die
Kölner Beigeordnete Marlis Bredehorst nach Köln-Ehrenfeld gekommen, um
über den Dialog zwischen den beiden großen Weltreligionen zu
diskutieren. Das Motto der gestrigen Abendveranstaltung lautete
„Integration gemeinsam schaffen“. Neben der Türkisch-Islamischen Union
der Anstalt für Religion e.V. (Ditib) gehören der Koordinierungsrat der
Vereinigungen des christlich-islamischen Dialoges (KCID) in Deutschland
(KCID) sowie der Deutsche Städtetag zu den Initiatoren der in diesem
Jahr erstmals ausgetragenen Veranstaltungsreihe. CMFI-Geschäftsführerin
Sabine Drees freute sich, dass sich die Zahl der Events dieser ersten
Aktionswoche bereits auf fast 50 in immerhin 30 Städten erhöht hat.
Grußworte der Initiatoren
Einig waren sich alle Beteiligten, dass der Integrationsprozess und die
daraus resultierenden Diskussionen das Erreichen des Zieles nicht
einfacher machen wird. „Das wird kein leichtes Unterfangen“, erklärte
Melanie Miehl vom KCID in ihrem Grußwort. Auch wenn ihre eigene
Organisation eher religiös orientiert sei, gehe es um kein geringeres
Ziel als den Frieden auch in Deutschland zu sichern. Auf die Bedeutung
und den angemessenen Gebrauch der Sprache machte der amtierende
Vorsitzende der Ditib, Botschaftsrat Sadi Arslan (Bild rechts), aufmerksam. „Allzu
leicht werden aus Worten Waffen geschmiedet“, so die von einer
Dolmetscherin übersetzte Ansprache des Religionswissenschaftlers.
Obwohl mit Sprache auch Absichten vorgetäuscht und verfälscht werden
können, glaubt auch Arslan daran, dass nur im Gespräch das „Fremde“
zwischen den Religionen überwunden werden könne.
Bedeutung der Religion für Integration / Gemeinsamkeiten betonen
In der anschließenden Diskussionsrunde wurde die Bedeutung und Rolle
der Religion für den Integrationsprozess beleuchtet. Dabei wurden nicht
alleine religiöse Aspekte angesprochen. Kölns Sozialdezernentin Marlis
Bredehorst, die als Vertreterin der Stadt Köln um die Breitenwirkung
der kirchlichen Organisationen bei so wichtigen Themen wie Jugend- oder
Sozialarbeit weiß, wartet schon seit längerer Zeit auch auf einen
islamischen Wohlfahrtsverband in dieser Stadt. Vereine und Initiativen,
unter anderem auch die Ditib, übernehmen derzeit noch viele wichtige
Aufgaben in diesen Bereichen. Allerdings habe der interkulturelle
Dialog erst in jüngster Zeit wirklich begonnen, bedauerte Bredehiorst,
eigentlich viel zu spät. „Die Menschen mit türkischem
Zuwanderungshintergrund nehmen sich als Bürger Kölns wahr, nicht als
Fremde“, so Bredehorst.
Auch für Hannelore Bartscherer, die Vorsitzende des
Katholikenausschusses in Köln, der Laienorganisation der Katholischen
Kirche in der Domstadt, eignet sich Köln „besonders gut, diese
Initiative aufzunehmen“. Immerhin leben 120.000 Menschen muslimischen
Glauben in Köln. Durch Impulse wie die gemeinsame Initiativen der
beiden Religionen unterstütze man auch das gegenseitige Kennenlernen
und ermöglicht so ein besseres Kennenlernen von Menschen aus beiden
Kulturkreisen. „Das reißt Mauern in den Köpfen ein. Wenn wir uns besser
kennen, ist auch der Umgang miteinander leichter“, erklärte
Bartscherer. „Wir müssen uns aber auch zumuten können“, entgegnete
Elisabeth Schaper vom Evangelischen Kirchenverband in Köln. Sie
betonte, dass Integration keinen linearen und stetigen Verlauf nimmt,
sondern sich in Wellenbewegungen entwickelt. Schaper wünsche sich aber
auch, dass man die Gegensätze und Unterschiede zwischen den Religionen
offen ausspricht.
Bekir Alboga, Sprecher des Koordinierungsrates der Muslime (KRM), sowie
Kilicarslan von der Ditib hoben vor allem die Bewahrung der religiösen
und kulturellen Eigenheiten hervor. „Das Haus in Deutschland wird
bunter und kleiner“, beschrieb Alboga seinen Ansatz. „Wir reden
miteinander, leben nebeneinander und lernen voneinander“, so
charakterisiert Ayten Kilicarslan von der Ditib ihr Verständnis von
Integration. Ohnehin habe der Islam als jüngste der drei
monotheistischen Weltreligionen schon immer die anderen Weltreligionen
mit Respekt betrachtet hat. „In der Thora, dem Evangelium und dem Koran
erkennen wir Licht und Wahrheit“, beschreibt der studierte
Religionswissenschaftler Alboga das Verhältnis des Islam zu anderen
Religionen. Optimistisch gab sich Kilicarslan, dass es zur Integration
eigentlich keine Alternative gebe. „Integration heißt Teilhabe und
gleichberechtigte Mitwirkung“, definiert Kilicarslan den Begriff und
sieht sich selbst als Frau, die Köln ihre Heimat nennt. „Nach zwei
Wochen Urlaub in der Türkei freue ich mich auf die Domstadt“, so
Kilicarslan. KRM-Sprecher Alboga schließlich wünschte sich, dass nach
dem christlich-jüdischen und nun der christlich-islamischen
Aktionswoche demnächst eine Veranstaltungsreihe mit allen drei
Weltreligionen stattfinden könnte. „Ich hoffe, dass wir eine Woche der
Geschwisterlichkeit erleben werden“, so Alboga abschließend.
Die Initiaitve „Integration gemeinsam schaffen“ findet in diesem Jahr
erstmals zwischen dem 19. und 26. Februar dieses Jahres fest. Die Reihe
startete mit einer Auftaktveranstaltung in Berlin, an der zahlreiche
Vereine und prominente Persönlichkeiten teilnahmen. Zu den
Unterstützern der Initiative zählen unter anderem der türkische
Fußballspieler Halil Altintop von Schalke 04, ZDF-Intendant Markus
Schächter, dem bayerischen Landtagspräsidenten Alois Glück sowie den
Oberbürgermeistern aus Köln, München und Stuttgart.
Weitere Informationen zur Initiative finden Sie im Internet unter: www.cm-fi.de.


























