24. 05. 2012
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Städtepartnerschaft Köln-Rio: Mehr als nur Karneval
Denkt man an die Gemeinsamkeiten zwischen der größten Kommune des Rheinlands und der Weltmetropole Rio de Janeiro fällt dem geneigten Betrachter zunächst der Karneval ein. Beide Millionenstädte sind Karnevalshochburgen im besten Sinne des Wortes. Der rheinischen Hochburg des närrischen Frohsinns steht auf der anderen Seite des Globus die nicht minder lebensfrohe und sinnliche Erfahrung des dortigen Karnevalstreibens gegenüber. Aber das alleine würde kaum ausreichen, eine Städtepartnerschaft zwischen den beiden Kommunen mit Leben zu füllen. Bei der heutigen ersten Versammlung des neu gegründeten Fördervereins Städtepartnerschhaft Rio de Janeiro – Köln e.V. wurde auch schnell klar, dass beide Städte ein ganzer Reigen gemeinsamer Anknüpfungspunkte verbindet. Sport, Kultur, aber auch die Welt der Wissenschaft und handfeste Wirtschaftsinteressen haben längst ein Band gebildet, dass geradezu nach einer offiziellen Partnerschaft schreit. So sahen es auch die Verantwortlichen und geneigten rund 60 Gäste, die sich zur ersten öffentlichen Versammlung des neu gegründeten Vereins im Museum für Angewandte Kunst trafen. Neben der Vorstellung fand auch eine Art "brainstorming" zur zukünftigen, inhaltlichen Ausgestaltung statt. Die Initiatoren der Städtepartnerschaft können sich dabei auf eine breite Palette gemeinsamer Interessen und Themen stützen.
"Es gibt nur wenige Städte in der Welt, in der eine so ähnliche Stimmung herrscht, wie in Köln und Rio", leitete seine Exzellenz, der Botschafter von Brasilien, Everton Vieira Vargas, den Reigen der offiziellen Statements ein. Dass damit der karnevalistische Tellerrand nur am Rande eine Rolle spielte, wurde bereits beim Blick auf die Gästeliste und die Funktionen der Amtsträger des Fördervereins klar. Während Bürgermeisterin Angela Spizig vor allem einen breiten Austausch von Künstlerinnen und Künstlern beider Städte und in seiner ganzen Vielfalt in den Vordergrund schob, betonten Brasilien-Kenner und Ex-Wirtschaftsmanager Siegfried Poremba und Albert Kock von der Kölner Agentur Kock-Lohmann vor allem die wirtschaftlichen Interessen beider Städte. Andreas Kossiski, Vorsitzender des DGB in der Region Köln berichtete über die langjährigen und freunschaftlichen Kontakte in das Land des Zuckerhuts. Ebenso wie der Kölner Notar und Präsident des Haus- und Grundbesitzervereins Dr. Konrad Adenauer pflegen auch die anderen Vereinsvorstände bisweilen familiäre Kontakte in den größten Flächenstaat Südamerikas.
"Brasilien wird in wenigen Jahren die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt sein", betonte Wirtschaftsfachmann Poremba, der nach mehr als 35 Jahren Erfahrung mit Land und Leuten heute als eine Art "Brückenbauer" fungiert. "Ich mache das, was mir Freude macht", so der Netzwerker, der maßgeblichen Anteil daran hat, dass im Jahr 2006 die deutsch-brasilianischen Wirtschaftstag in Köln stattfanden. "In Köln leben rund 15.000 Menschen brasilianischer Herkunft, mehr als in jeder anderen Stadt Deutschlands", erklärte die Vorsitzende des Fördervereins, die Kölner Journalistin Dr. Hildegard Staußberg in ihrem Redebeitrag. Das liegt weniger an der stimmungsmäßigen Affinität sondern vielmehr an der geografischen Nähe der Domstadt zur früheren Bundeshauptstadt. So war die brasilianische Botschaft in den Bonner Regierungszeiten Sitz im Kölner Süden beheimatet, ehe das Diplomatische Corps nach der Wiedervereinigung an die Spree zog. Allerdings war nach den Worten Staußbergs die Unterstützung vor allem aus den Reihen der Stadtverwaltung keineswegs und ohne Weiteres selbstverständlich. Köln hat immerhin bereits mit 21 internationalen Städten, darunter Schwergewichte wie Peking, Istanbul, Turin oder Barcelona bereits genügend Arbeit. Zwar zeigte sich Kölns Oberbürgermeister grundsätzlich aufgeschlossen, forderte aber einen Förderverein. Dem sei man nun nachgekommen, berichtete die Vereinsvorsitzende. Und so beschloss der Kölner Stadt auf einer seiner letzten Sitzungen in diesem Jahr, Rio de Janeiro in den Kreis der Partnerstädte aufzunehmen. Im kommenden Monat muss noch das Stadtparlament von Rio dem Vorhaben zustimmen. Weniger als eine überwältigende Mehrheit wäre eine Überraschung, so der Tenor der Brasilien-Kenner.
Breite Gesellschaftliche Basis und eine Fülle von gemeinsamen Themen
Der Verein legt dabei ein entsprechend professionelles Tempo vor. So haben die Initiatoren bereits ein Logo kreiert, dass dem Lebensgefühl beider Städte visuelle Strahlkraft verleihen soll. Eine Internetseite ist in Arbeit, für die Kommunikation der geneigten Unterstützer steht bereits jetzt eine entsprechende Seite im Sozialen Netzwerk Facebook zum Ideenaustausch zur Verfügung. Insbesondere die Fußball-WM im Jahr 2014 sowie die Olympiade zwei Jahre später bilden Anknüpfungspunkte im Bereich Sport. Kontakte zwischen den Hochschulen beider Städte sind ebenfalls bereits in Arbeit und das weite Feld der kulturellen Bande ist für sich alleine genommen schon fast so vielfältig wie die Gesamtheit der beiderseitigen Interessen diesseits und jenseits des Äquators. Im Jahr 2013 findet das deutsch-brasilianische Jahr statt, geplant ist unter anderem ein Auftritt der Kölner Oper und ihres Ensembles in der Oper der künftigen Partnerstadt. Das wird allerdings nur mit Unterstützung der gewerblichen Wirtschaft zu stemmen sein, Agenturinhaber Kock in Richtung Sponsoren warb. Gerade auch im Bereich der Musik gebe es weitere Bezugspunkte, wie Bürgermeisterin und Kulturförderin Spizig ergänzte.
Dass die Städtepartnerschaft sogar zum interkommunalen Austausch beiträgt, machte Vereinsvorsitzende persönlich deutlich. Sie werde es ausdrücklich unterstützen, dass die nächsten deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage nach Düsseldorf kommen. "Die Partnerschaft hat für mich eine regionale Dimension". Lediglich die Idee einer gemeinsamen Kunstmesse dürfte schwierig werden. Schließlich unterliegen eingeführte Kunstwerke in dem südamerikanischen Land strengen Besteuerungsregeln. Ein weiterer Bezugspunkt ist der 450. Geburtstag der Stadt Rio. Obwohl in Brasilien dieses Event eher weniger prominent gefeiert wird, könnte es für die vielen Initiativen aus Köln ein Aufruf sein, sich in Richtung Südamerika zu bewegen und dort der neuen Partnerstadt mehr als ein nur das sprichwörtliche "Ständchen" zu singen.
Weitere Informationen zur neuen deutsch-brasilianischen Städtepartnerschaft finden sie im sozialen Netzwerk Facebook unter: www.facebook.de.


























