24. 05. 2012
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Gerling-Quartier: 330 Millionen Euro für ein neues Stadtquartier
Grundstück und ausreichend Finanzmittel hatten die Investoren der Frankonia Eurobau und der in Wien ansässige Immofinanz AG bereits zusammen. Was zuletzt fehlte, was das Baurecht. Vor rund zwei Wochen haben die Initiatoren des neuen Gerling-Quartiers, oder GQ wie das neue Viertel aus vermarktungstechnischen Gründen nun heißt, auch die heiß ersehnte Baugenehmigung. Nun also kann es losgehen. Am heutigen Dienstag stellten die Verantwortlichen der beiden Investoren sowie der Architekt das 330 Millionen Euro teure Projekt vor. Schon die harten Fakten zeigen die Größe und Bedeutung dieses Vorhabens. 94.000 Quadratmeter Nutzfläche, davon rund 50.000 Quadratmeter für Büro und Gastronomie sowie 139 Wohnungen zwischen 60 und 370 Quadratmeter sollen in den kommenden zweieinhalb bis drei Jahren entstehen. Sieben Gebäude werden neu entstehen, zwei Bestandsgebäude dafür abgerissen. Der große Platz zwischen Gerling-Hochhaus und dem mehr als 100 Meter breiten ehemaligen Büroriegel wird verkehrsberuhigt, die drei Brunnen saniert und wieder in Gang gebracht. Und von Norden entsteht eine erweiterte Tiefgarage, die zusammen mit der südlichen insgesamt 560 Stellplätze schaffen wird. Nachdem der Bauherr einige Änderungen vornehmen musste, insbesondere mussten die Investoren nach Beschwerden in der Offenlage des B-Plan-Verfahrens die Passage zur Christophstraße auf rund fünf Meter verbreitern, ein Staffelgeschoss des zum alten Stadtarchiv angrenzenden Neubaus wegnehmen und einen weiteren Neubau ebenfalls etwas weniger hoch bauen. Dafür wird der ehemalige Sitz des Historischen Archivs nunmehr freigestellt.
Zwei Grünflächen in den Innenhöfen des nördlichen und des südlichen Areals werden erhalten und schaffen neben der innerstädtischen Begrünung die notwendigen Freiräume für Anwohner und Anlieger. Das Projekt soll nach dem Abriss der beiden Gebäude zügig voranschreiten. Noch in diesem Jahr sollen die Rohbauarbeiten für die sieben neuen Objekte beginnen. Beim Tiefbau arbeite man eng mit der Bodendenkmalpflege zusammen, ließen die Initiatoren heute wissen. Und nach dem derzeitigen Plan soll das gesamte Areal in den Jahren 2012 und 2013 fertig gestellt sein. Aufgrund seiner Exklusivität mitten im Stadtzentrum werden die Flächen jedoch nicht billig werden. So liegen die Kaufpreise der Wohnimmobilien zwischen 3700 und 12.000 Euro pro Quadratmeter je nach Ausstattung und Lage. Die Luxus-Penthäuser dürften so zwischen vier und sechs Millionen Euro pro Einheit kosten. Am Hildeboldplatz soll zudem mit so genannten "Serviced-Apartements" etwas entstehen, was es in dieser Form bislang in der Domstadt noch nicht gibt. Potenzielle Käufer können sich die Wohnungen nach ihren individuellen Bedürfnissen einrichten lassen. Weilen sie nicht in der Domstadt, kümmert sich ein professionelles Immobilienmanagement um das Objekt. Geeignet ist ein solches Konzept vor allem für Menschen, die es sich leisten können, einen solchen Zweitwohnsitz einzurichten oder zwischenzeitlich längere Zeit woanders zu wohnen. Auch die Bürogebäude, darunter auch der denkmalgeschützte Rundbau auf den 50er Jahren, werden für Mietpreise zwischen 18 und 23,50 Euro angeboten. "Das liegt im Bereich der Spitzenmieten", erklärte Benno Maubach, Leiter der Kölner Niederlassung der Frankonia Eurobau, auf der heutigen Pressekonferenz.
Ein lebendiges Viertel als Vision
Der Anspruch der Bauherrn und Planer ist dabei kein geringerer als ein ehemals als Verwaltungssitz genutztes Areal in einen lebendigen urbanen Lebensraum umzugestalten. "Wir wollen die Lebendigkeit in diesem Bereich und ein urbanes Viertel entwickeln", beschrieb der Architekt und "Masterplaner" Prof. Johannes Kister von ksg kister scheithauer gross aus Köln, den hohen Ansspruch des Bauvorhabens. Den größten Teil der Gebäude dürfen die Initiatoren zwar entkernen, müssen ihn jedoch weitgehend wieder in seinen äußerlichen Ursprungszustand zurückversetzten. "Nur eben auf neuestem technischen Stand", wie Projektleiter Philipp Menzel versicherte. "90 Prozent der Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Wir wollen diese Gebäudesubstanz fit für die nächsten 40 bis 50 Jahre machen", erläuterte Menzel. Co-Investor ist die in Wien ansässige Immobilienfinanz AG. Deren Geschäftsmodell sieht die Entwicklung und Vermarktung von Immobilien mit einem hohen Qualitätsanspruch vor. Bei der Geldbeschaffung habe man bereits vor der Finanzkrise Zusagen gehabt, wie Immofinanzvorstand Dr. Jürgen Grasshoff erklärte. Die Unternehmen verfolgen dabei eine klare Exit-Strategie. Die Wohnungen sollen komplett vermarktet, sprich verkauft, werden. Bei den Büroobjekte ist sich zumindest der österreichische Investor noch nicht so sicher, ob er nach erfolgter Vollvermietung das eine oder andere Objekt in den eigenen Bestand übernehmen wird, wie Grasshoff andeutete.
Während der Büromarkt derzeit ein hohes Niveau an Leerständen aufweist, erhoffen sich die Investoren mit den Wohnimmobilien ein gutes Geschäft. "Der Kölner Wohnungsmarkt hat in den vergangenen zwei Jahren eine erstaunliche Dynamik an den Tag gelegt, von der wir vorher nicht zu träumen gewagt haben", erklärte der "Donau-Rheinländer" Grasshoff. Den Plan, in dem Ensemble auch ein Hotel ansiedeln zu wollen, habe man jedoch erst einmal aufgeschoben. "In Köln haben wir eine gute Sättigung des Hotelmarktes", begründete Maubach diese Entscheidung. Tatsächlich finden sich in fußläufiger Entfernung mehrere große Hotels im gehobenen Segment der Vier-Sterne-Plus oder gar Fünf-Sterne-Kategorie. Änderungen gab es auch bei der Aufteilung der Wohnungen im "Gerling-Haus", dem 14-geschossigen Leuchtturm auf dem Areal. Statt zwei Wohneinheiten pro Etage haben sich die Planer dazu durchgerungen eine weitere kleinere Wohnung hinzuzunehmen. "Damit sind wir flexibler", so Maubach weiter. Bei der Ansiedlung von Gastronomie, insbesondere auf dem großen Platz in der Mitte des Areals, wolle man behutsam vorgehen. Das ist auch geboten, schließlich wird das anspruchsvolle Klientel der zukünftigen Appartements und Penthouse-Wohnungen Zustände, wie sie beispielsweise am Brüsseler Platz oder auf den Ringen herrschen, kaum hinnehmen. Auch bei der Fassadengestaltung wolle man Zurückhaltung üben. Auf illuminierte Außenfassaden wolle man weitgehend verzichten, "die Leute sollen schließlich schlafen können", so Maubach weiter. Nach fast vier Jahren Vorbereitung zeigten sich die Initiatoren sichtlich erleichtert, dass die Realisierung nun beginnen kann. "Eine echte Herausforderung", meint nicht nur Frankonia-Vorstand Maubach.</p<
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Sehen Sie hier einige Eindrücke vom heutigen Presserundgang durch die Bestandsgebäude:

























