24. 05. 2012
Seite drucken
TÜV entwickelt neues Zertifikat "Fachplaner für barrierefreies Bauen"
Barrierefrei ist eines der Modewörter, das immer häufiger in den Reden von Politikern und der Wirtschaft, insbesondere der Immobilienwirtschaft, vorkommt. Aber was genau ist mit Barrierefreiheit gemeint. Im Bereich der Bauwirtschaft ist hiermit vor allem der Zugang von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zu Gebäuden gemeint. Insbesondere ältere Gebäude haben häufig filigrane Außenfassaden und kunstvolle Eingangstreppen. Aber ist eine Person beispielsweise auf den Rollstuhl angewiesen, bedeutet dies in vielen Fällen, dass solche Menschen nur mit fremder Hilfe in das Gebäude hinein und auch wieder herauskommen. Nach Ansicht der Behindertenverbände ist dies ein unhaltbarer Zustand. Auch wenn sich bereits vieles zum Positiven verändert hat, gibt es selbst in der Branche der Bauwirtschaft und der Planer noch großen Nachholbedarf. Dem will der TÜV Rheinland nun eine neue Zusatzqualifikation entgegenstellen.
Wie der Kölner Prüfkonzern am gestrigen Dienstag bekannt gab, soll mit dem neuen Zertifikat "Fachplaner für barrierefreies Bauen" ein neuer Qualitätsstandard für die Gruppe der Fachplaner eingeführt werden. Barrierefreies Bauen kennt eine Menge Besonderheiten. Damit ein Gebäude als barrierefrei eingestuft werden kann, sind ausreichend breite Türen, keine Schwellen, keine Stufen, im Bad keine Badewanne, deren Rand man erst überwinden muss, sondern eine ebenerdige Dusche notwendig. Dazu gehört zudem eine Toilette mit erhöhtem Sitz. Wer seine Wohnung oder sein Haus entsprechend umrüsten will oder einen Neubau plant, sollte sich Expertenrat einholen. Das Zertifikat "Fachplaner für barrierefreies Bauen", das der TÜV Rheinland ausstellt, macht Betriebe erkennbar, die für diese Aufgabe geschult sind. "Fachplaner für barrierefreies Bauen sollten nicht nur Erfahrung im barrierefreien Umbauen haben, sondern sie müssen auch in der Lage sein, die baulichen Maßnahmen entsprechend dem individuellen Krankheitsbild des Betroffenen umzusetzen", so Michael Reichmann vom TÜV Rheinland.
Barrierefrei hat aber auch eine Bedeutung für Menschen mit anderen als mobilitätsbedingten Einschränkungen. Auch die Bedürfnisse von Blinden und Gehörlosen sollen in die Planungen von Gebäuden integriert werden. Für die wachsende Gruppe der Senioren bedeutet eine barrierefreie Umgebung zum Beispiel, dass sie länger als bisher in der eigenen Wohnung bleiben können. Für den Fachplaner nicht unerheblich: Der Umbau einer Wohnung als barrierefrei wird vom Staat finanziell unterstützt. Zuschüsse bis zu 2557 Euro zahlt auf Antrag nach entsprechender Genehmigung die Pflegeversicherung für "Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung" nach § 40 Abs. 4 SGB XI, sobald die Pflegestufe des Betroffenen festgestellt worden ist. Wer Rat und Hilfe beim Bau oder Umbau von barrierefreien Wohnungen sucht, sollte sich an ausgewiesene Fachleute wenden. Und genau der soll zukünftig auch mit dem TÜV-Zertifikat kenntlich gemacht werden, hieß es dazu abschließend.

























