24. 05. 2012
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Breslauer Platz: Kölner Architekten setzen sich durch
Der städtebauliche Wettbewerb um die zukünftige Organisation des
Breslauer Platzes ist entschieden. In prominenter Stadtlage, zwischen
Hauptbahnhof, Rheinuferstraße und dem Kunibertsviertel, soll nach dem
Willen von Stadtentwicklungsdezernent Bernd Streitberger eines der
letzten Filetgrundstücke in der zentralen City überplant werden.
Die schwierigste Frage drehte sich um eine Lösung des Verkehrsproblems.
Sowohl Linien- wie Fernreisebusse als auch der Taxi- und
Individualverkehr müssen am nördlichen Rand des Kölner Hauptbahnhofs
gelöst werden. „Keine leichte Aufgabe“, meinte auch der Kölner
Architekt Prof. Johannes Schilling, Vorsitzender des Preisgerichts nach der gestrigen Sitzung der Jury für den Ideenwettbewerb für die Neuplanung des zentralen Innenstadtplatzes.
Seit den frühen Morgenstunden saßen zwischen 30 und 60 Personen im Raum
„Rhein“ des Horion-Hauses in Köln-Deutz, um eine Einigung zu erzielen.
Nachdem sich schnell drei Entwürfe als Favoriten herauskristallisiert
hatte, machte schließlich das Kölner (genauer Brühler) Architektenbüro
Büder + Menzel das Rennen. Kein Wunder, denn schon seit 1992 sind die
beiden
Architekten in der einen oder anderen Form mit der Bebauung dieses
Areals beschäftigt. „Da steckt viel Herzblut drin“, so Architekt
Manfred Menzel am gestrigen Freitagabend gegenüber Köln Nachrichten.
Robuste Planung vorgestellt
Neben der verkehrlichen Organisation spielte auch die stadträumliche
Orientierung eine hervorgehobene Rolle. In seiner klaren Struktur, die
einen 21 mal 100 Meter langen „Boulevard“ zum Rhein hin erschafft, sind
zwar noch nicht alle Verkehrsbeziehungen und Gebäudehöhen zur völligen
Zufriedenheit des Preisgerichts erfüllt. Aber auf Basis der nun
gewürdigten Planungen werden Stadt und Architekt nun die weitere
Planung vorantreiben. Noch im kommenden Jahr, so bestätigte der
zuständige Beigeordnete Bernd Streitberger, sollen die Ausschreibungen
für einen Entwickler des Areals vorbereitet werden. Anschließend nach
entsprechender Bebbaungsplanung sprach sich die Jury mehrheitlich für
separate Architektenwettbewerbe aus, die dann die ästethischen Aspekte
verfeinern sollen. „Das gute an dem Konzept ist, dass es so flexibel
ist“, begründete Juryvorstand Schilling die Entscheidung des Gremiums,
die allerdings nicht einstimmig getroffen wurde. Auch die
Architektenbüros JSWD und Ortner + Ortner hatten interessante und
innovative Lösungen für Raum und Verkehr im Angebot, schieden aber nach
intensiven Beratungen der Jury schließlich aus.
Nachdem vor wenigen Wochen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sich in
seiner Standortentscheidung für das neue Fußball-Museum entscheiden
hatte, sollte die Planung insbesondere weitere Unwägbarkeiten
berücksichtigen. Das meint auch veränderte politische Rahmebedingungen.
So hatte die CDU-Fraktion erst einen Tag zuvor den alten Streitpunkt
Musical wieder ins Spiel gebracht. „Die von den Planern so sehr
gewünschten ‚neuen Fußgängerbeziehungen’ zu Rheinufer, Rheingarten und
Hohenzollernbrücke könnten durch die zu erwartenden Besucherströme
realisiert werden“, führte CDU-Fraktionsvize Karl Klipper aus. Die CDU
beging damit einen klaren Tabubruch, schließlich gibt es seit dem
vergangenen Jahr einen Ratsbeschluss, der eben den Musicalstandort
Breslauer Platz ausdrücklich ausschloss. „Wir stehen vor neuen
Voraussetzungen, die zu neuen Ideen zwingen. Und es steht nirgendwo
geschrieben, dass Stadtentwicklung bei Bedarf nicht neu gedacht werden
darf“, hält CDU-Fraktionschef Winrich Granitzka den Kritikern entgegen.
Insbesondere das Baufeld zur Bahnlinie hin ließe sich allerdings nach
dem nun vorliegenden Konzept sogar für eine Sondernutzung herrichten.
Neben einer möglichen Museumsnutzung seien andere Sondernutzungen
denkbar, auch die eines dauerhaften Musicalstandorts, zumindest
theoretisch. Architekturprofessorin Christel Drey, Moderatorin der
Ganztages-Veranstaltung, bezeichnete entsprechende Wünsche aber als
„aus der Traumschublade“ stammend. Auf die Entscheidung der Jury habe
dieser Vorschlag jedoch wenig Einfluss gehabt, wie Moderatorin und
Architektin bestätigte.
Kleinere Korrekturen notwendig
Bevor die Ausschreibungsunterlagen aber endgültig umgesetzt werden
können, gebe es Korrekturbedarf. So sollen die einzelnen Verkehrsströme
noch besser „durchlaufen“, die Taxi- und Kurzparkeranbindung optimiert
und schnellstmöglich Gespräche mit dem Betreiber und Besitzer des
benachbarten Kommerzhotels aufgenommen werden. Der Solitär an der Ecke
Johannisstraße/Goldgasse hatte sich in den vergangenen Jahren immer
wieder als Stolperstein für die Wünsche der Stadtplaner in Stadtrat und
Verwaltung entpuppt. Nun wurde der Besitzer bereits zum Wettbewerb
intensiv in die Beratungen einbezogen, wie die Verantwortlichen
betonten. Der Busbahnhof selbst – Büder + Menzel stellten zwei
Alternativen vor – soll in die Gebäudeblöcke „integriert“ werden. Damit
entschieden sich die Juroren gegen eine oberirdische Bebauung, die
durch den Fernreiseverkehr schwierig in einen lebendigen Stadtraum zu
verwandeln wäre. Überzeugen konnte der Entwurf der beiden Kölner
Architekten indes durch seine klaren Sichtbeziehungen zum Rhein hin.
Die Gebäudehöhe muss jedoch ebenfalls verbessert werden. Dabei machten
die Verantwortlichen auf das Gefälle des Grundstücks aufmerksam.
Zwischen dem Bahnhofsvorplatz und dem Niveau der Rheinuferstraße
besteht ein Höhenunterschied von 5,50 Meter. Die Höhe sollte sich dabei
an der hostorischen Traufhöhe des ehemaligen Bundeseisenbahnamtes
orientieren. Und die liegt etwas oberhalb der vom Stadtrat
beschlossenen maximalen Traufhöhe von 22,50 Meter.
Insgesamt sollen auf dem Areal zwischen 30.000 und 40.000 Quadratmeter
Nutzfläche entstehen. Neben klassischer Büronutzung sollen vor allem
die Erdgeschosse wahlweise Einzelhandel oder Gastronomie beherbergen.
Zentral im Verkehrskonzept ist nach Aussage der Jury die intelligente
Separierung der unterschiedlichen Verkehrsströme. Streitberger selbst
zeigte sich trotz hörbar angegriffener Stimmbänder überzeugt, mit
diesem Entwurf eine solide Basis für die weitere Planung zu haben. „Wir
bauen die Stadt weiter“, so das Fazit von Kölns oberstem Stadtplaner.

























