24. 05. 2012
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Denkmalschützer sorgt sich um Sidol-Fabrik
(js) Während sich die Diskussion um Denkmalschutz – bedingt durch dauernde Vorstöße von Investoren gegen das Höhenkonzept – auf Kölns Innenstadt konzentriert, müssen Denkmäler in den "Vororten" um ihren originären Bestand fürchten. So Walter Buschmann, Experte für Industriearchitektur beimLVR-Amt für Denkmalpflege. Als Beispiel nannte er bei einem öffentlichen Vortrag in diesem Monat im Domforum eine vom Kölner Denkmalamt bewilligte Aufstockung des denkmalgeschützten Fabrikgebäudes auf dem Sidol-Gelände in Braunsfeld.
Die Fabrik, in den späten 20er Jahren des 20. Jahrhunderts von Otto Müller-Jena gebaut, gilt wegen ihrer klaren Formen als signifikantes Beispiel für funktionalistisches Bauen mit Eisen, Beton und Glas. 1971 wurde die Produktion nach Düsseldorf verlagert. In der Folgezeit werden die Gebäude vielfältig genutzt, am bekanntesten war das Gelände als Atelierstandort. Trotz großer öffentlicher Unterstützung mussten die Künstler schließlich dem neuen Besitzer weichen. Vor der Jahrtausendwende hatte die Lammerting Immobilien-Gruppe das Gelände gekauft, es dann 2006 an die Dornieden Generalbau in Mönchengladbach weiterverkauft. Diese will hier Gewerbe ansiedeln sowie einen Kindergarten und über 300 Wohneinheiten bauen. Neben dem Fabrikgebäude mit Schornstein steht auch das charakteristische Eingangsensemble mit Pförtnerhäuschen unter Denkmalschutz.
Kölns oberste Denkmalschützerin Renate Kaymer erklärte Köln Nachrichten die vorgeschlagene Aufstockung so: "Der Investor hatte zunächst mehr Geschosse vorgesehen. Das haben wir nicht genehmigt. Nun dürfe auf dem Dach des niedrigen Gebäudeteils, der vom Geländeeingang aus zu sehen ist, darf nur eine 1,10 Meter hohe Brüstung gebaut werden. Dies sei aus Sicherheitsgründen nötig, falls auf dem Dach Technikaufbauten etwa für einen Aufzug erforderlich seien. Diese Brüstung könne aber nach innen versetzt werden, ob als kleine Mauer, Geländer oder Glaswand sei offen. Eine eingeschossige Aufstockung für neue Wohnungen sei nur im "Rückteil" des Gebäudes, vom Eingang in das Gelände nicht zu sehen, erlaubt. Dieser zeige aber schon lange durch zahlreiche Umbauten nicht mehr die charakteristische Kubusformen, die die Sidol-Fabrik auszeichneten. "Wir haben die Änderungen sehr behutsam festgeschrieben, um die Aussagekraft festzuschreiben", fasst sie zusammen.
Buschmann dagegen bemängelt, dass durch die Aufstockung die Proportionen zerstört werden. "Wir haben dagegen votiert", sagt er. Vergeblich, auch ein Einspruch bei der Bezirksregierung blieb bislang erfolglos. Auch vermisst er eine Rücksprache der Stadt und des Bauherrn mit seinem Amt.
Als die Stadtverwaltung im vorigen Jahr den Bebauungsplan für das Gelände vorlegte, "fanden wir darin ganz versteckt diese Aufstockungspläne", erinnert sich der Grüne Roland Schüler, heute stellvertretender Bürgermeister im Bezirk Lindenthal. "Die Bezirksvertretung hat sich dann gegen die den Bebauungsplan gestimmt." Warum dann die Grünen im Stadtrat gegen die Entscheidung ihrer Partei auf Bezirksebene stimmten, weiß Fraktionsvorsitzende Barbara Moritz heute nicht mehr. Eine versprochene Rückmeldung erfolgte bis jetzt nicht. "Aber", so viel sagte sie beim ersten Gespräch, "Denkmalschutz darf der wirtschaftlichen Entwicklung Kölns nicht entgegenstehen." Noch haben keine Baumaßnahmen stattgefunden. Erst muss ein Zurückbau – d.h. Abriss der nicht unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, dann eine Altlasten-Sanierung erfolgen. Ein Bau-Entwurf des Investors liegt noch nicht vor.

























