24. 05. 2012
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Historisches Archiv zieht nicht ins Gerling-Quartier
Zwar sei der geplante Standort nahe des Gereonsklosters aus
stadtgeschichtlicher und kulturpolitischer Perspektive „höchst
attraktiv“. Doch aus Kostengründen habe man seitens der Stadtverwaltung
die Entscheidung getroffen, das Historische Archiv nicht in dem neuen
Gerling-Quartier unterzubringen. Die Entscheidung fiel nach Angaben des
städtischen Presseamtes nach intensiven Verhandlungen zwischen der
Stadt und dem Projektentwickler, der Frankonia Eurobau. Die hätten
demnach zwar ein „faires“, aber trotzdem viel zu teures Angebot
abgegeben, hieß es dazu weiter. Alternative Standorte seien hingegen
wesentlich günstiger, wie der städtische Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft
errechnete.
Oberbürgermeister Fritz Schramma bedaure die Entscheidung, habe aber
aus finanzpolitischen Erwägungen keine andere Wahl. Man „könne sich
diesen an sich idealen Standort nicht leisten“, ließ das Presseamt
mitteilen. Damit sind auch die Planungen für eine „Archivmeile“
zwischen der romanischen Kirche St. Gereon Ringen und Klapperhof vom
Tisch. Die Stadt werde aber auf Basis der nun erfolgten Berechnungen
einen finanzierbaren Standort zu finden. Der soll zügig realisiert
werden, wie das Stadtoberhaupt abschließend bekannte. Informierten
Kreisen zufolge soll die Errichtung eines Baus in Eigenregie für das
neu ausgerichtete Historische Archiv um bis zu 20 Millionen Euro
günstiger als das Angebot des Projektentwicklers sein.
Kritik der Liberalen
Als „unbefriedigend“ bezeichnete die FDP-Ratsfraktion die Entscheidung
der Stadtverwaltung. Vor allem an der Vergleichsberechnung nahmen die
Liberalen Anstoß. „Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen“,
kritisierte der kulturpolitische Sprecher der FDP-Fraktion Ulrich
Wackerhagen. Den Berechnungen der Gebäudewirtschaft zu den
Alternativstandorten fehle die realistische Grundlage, während das
Angebot der Frankonia auf die geplante Übergabe Ende 2011
durchgerechnet sei. Schließlich habe die Stadt für das neue Historische
Archiv noch nicht einmal ein geeignetes Grundstück. Hinzu komme, dass
vergangene Berechnungen eigener Großprojekte durchweg die kalkulierten
Grenzen sprengten. „Ob also die Kosten am Ende tatsächlich so viel
geringer ausfallen, wie es die Gebäudewirtschaft heute behauptet, muss
leider stark bezweifelt werden“, so Wackerhagen weiter. Dabei drängt
die Zeit. Das Historische Archiv der Stadt, derzeit noch in der
Severinstraße untergebracht, wird zum Jahresende keine Kapazitäten mehr
zur Verfügung haben. Wackerhagen und seine liberalen Parteifreunde
befürchten nun teure Zwischenlösungen, die den errechneten Abstand zu
den Alternativen in jedem Fall verringern werden, so der FDP-Mann
abschließend.
Das Neubauprojekt „Gerling Quartier“ umfasst eine Gesamtnutzfläche von
rund 150.000 Quadratmetern und einem Investitionsvolumen in
dreistelliger Millionen Euro-Höhe.

























