24. 05. 2012
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Kölns neue glänzende Mitte geht in die nächste Bauphase
Es ist eines der ambitioniertesten und auch teuersten Bauvorgaben, das in der Millionenstadt am Rhein jemals umgesetzt wurde. Mit der heutigen Grundsteinlegung feierten die Projektbeteiligten den offiziellen Start der Hochbauarbeiten. Rund 200 geladene Gäste nahmen dabei an der Eröffnungszeremonie mitten in der Kölner Innenstadt teil. Aus Düsseldorf kam sogar Dr. Norbert Walter-Borjans, seines Zeichens Landesfinanzminister in seine Heimatstadt, um hier ein Grußwort zu sprechen und die Maurerkelle zu schwingen. Die in Nettetal ansässige Frankonia Eurobau AG und die Wiener Immofinanz-Gruppe werden bis Ende 2013 aus dem ehemaligen Firmensitz des Kölner Versicherungskonzerns Gerling ein neues urbanes Stadtquartier mit Wohnen, Büros, Einzelhandel und Gastronomie errichten. Gleich mehrere. Renommierte Architekturbüros sind an der Planung des neuen Stadtquartiers beteiligt. Am Ende entstehen 139 neue exklusive Eigentumswohnungen mit Kaufpreisen von bis zu 12.000 Euro pro Quadratmeter, 45.000 Quadratmeter zentral gelegene Büroflächen sowie Ladenlokale und Gastronomie. Der überwiegende Teil der Flächen wird durch den Umbau der denkmalgeschützten Gebäudesubstanz realisiert, einige Gebäude werden aber auch neu gebaut. Weithin sichtbar wird der 14-geschossige Gerling-Turm zu einem Wohnturm mit hochwertigen Wohnungen umgebaut. Direkt daneben legten die Baubeteiligten am heutigen Montag den Grundstein.
Dabei hätte den Initiatoren am heutigen Dienstagmittag das Wetter beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Just als die geladenen Gäste fast alle eingetroffen waren, kündigten dunkle Wolken das Eintreffen einer Kaltfront an. Heftige Windböen ließen das leise Rauschen der in Schutzfolie verpackten Hochhauses gegenüber dem Standort der heutigen Feier auf beachtliche Lautstärke anwachsen. Hin und wieder löste sich ein größerer, wahrscheinlicher Gegenstand innerhalb der entfernten Gebäudehülle und sorgte so für Sorgenmienen bei den Organisatoren. Doch auch der anschließende Nieselregen und die kühlen, herbstlichen Temperaturen konnten der ausgelassenen Stimmung kaum Abbruch tun.
Schon Uwe Schmitz, Vorsitzender des Vorstandes der Frankonia Eurobau AG, leitete in seinem Grußwort den recht humorigen Ablauf der Veranstaltung ein. Der aus dem Niederrheinischen stammende Immobilienexperte erinnerte an die 24-stündige Unterzeichnung des notariellen Kaufvertrags und die Bauverzögerung des neuen Gerling-Quartiers am rechten Rheinufer. Das habe dafür gesorgt, dass die heute zum Talanx-Konzern gehörende Versicherungsgesellschaft zwei Jahre länger Miete zahlte und damit einen möglichen Zahlungsengpass verhinderte. Der Anspruch aber, die früher eher an eine „verbotene Stadt“ erinnernde Firmengelände für die Kölner zu öffnen, bleibe. Auch Dr. Eduard Zehetner zeigte sich über die Verzögerungen in der Anfangsphase nicht unglücklich. Für ihn als gebürtigen Wiener sei die herzliche Aufnahme in der Domstadt ein Genuss und keineswegs selbstverständlich.
Oberbürgermeister Jürgen Roters freute sich auf die nun näher rückende Fertigstellung des neuen Stadtquartiers im Herzen des so genannten Gereonsviertels, nicht weit von der Romanischen Kirche St. Gereon entfernt. „Danke, dass sie hier keine Shopping-Mall errichten. Das wird einer der schönsten Plätze in der Domstadt, ist aber auch nicht so schwer“, so ein sichtlich gut gelaunter Oberbürgermeister. Den Anflug von ironischer Selbstkritik quittierten die anwesenden Gäste mit spontaner Zustimmung. Dass mit dem Gerling-Quartier eine weitere Großbaustelle nun in die heiße Phase eintritt, sieht Roters als Zeichen von Bewegung. Nicht nur durch den Erhalt des Brunnen vor dem ehemaligen Haupteingang des Kölner Versicherers werde die neue Platzfläche ein „glänzendes Zentrum dieser Stadt“.
Nach so viel Lob wollte auch Landesfinanzminister Walter-Borjans nicht zurückstecken und erinnerte daran, dass Köln auch „Lokomotiven“ benötige, um Investoren anzulocken, die wiederum durch ihre wirtschaftlichen Aktivitäten den Staatssäckel füllen. Ganz Finanzminister erinnerte der SPD-Politiker und frühere Wirtschaftsdezernent der Stadt Köln daran, dass er sich auch um die Verfolgung derjenigen zu kümmern habe, die nicht zu 100 Prozent steuerehrlich sind. Den hintersinnigen Hinweis an die geladenen Gästen, dass dies in diesem Raum wohl auf niemanden zutreffe, fanden aber nicht alle Anwesenden wirklich komisch. Deutlich humoriger war da schon die Ausführung, dass angesichts der bevorstehenden Kabinettssitzung in Düsseldorf der hohe Gast gehen müsse, bevor es die Schnittchen gebe, wurde im Anschluss daran mit deutlich mehr Wohlwollen aufgenommen.
Nachdem man die Beweisstücke des heutigen offiziellen Baustart in der Grundsteinrolle eingebracht hatte, ging es dann in den immer noch anhaltenden Nieselregen. Gleich ein ganzes Dutzend dürften sich als Hobbymaurer betätigen und damit die nun folgende Realisierungsphase einläuten. „Das wird ein neues Stück Kernköln“, so Walter-Borjans. Das einzige, was ihn weiterhin an seiner Wahlheimat stört, ist die dem Kölner innewohnende Bescheidenheit.“Schön, aber manchmal nervend“, zumal man über solch attraktive Quartiere verfügen wird, gab der Landesfinanzminister den Anwesenden mit auf den Weg.

























