24. 05. 2012
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Mittelalterliche Mauer am Rudolfplatz entdeckt
Wer in der Kölner Innenstadt einen Neubau plant und dabei tief in die Erde bohren muss, wird dabei häufig genug auf Überreste aus der mehr als 2000-jährigen Geschichte der Domstadt stoßen. So ist es nun auch der Münchener MEAG ergangen, die derzeit am Kölner Rudolfplatz das Büro- und Geschäftshaus "Westgate" entwickelt. Bei den Aushubarbeiten für das Großprojekt stießen Bauarbeiter nun auf die Überreste der mittelalterlichen Stadtmauern Kölns. Die Relikte der so genannten "Grabenfangmauer" sollen nach den jüngsten Plänen der Verantwortlichen in den Neubau integriert werden. An prominenter Stelle realisiert die MEAG derzeit das Projekt "Westgate" im Auftrag der Victoria Lebensversicherung, einer Konzerngesellschaft des Düsseldorfer Ergo-Konzerns, die wiederum Teil der Münchener Rück sind.
Ein Blick der Sachverständigen bestätigte dabei die ersten Vermutungen: Bei den rund 800 Jahre alten, gut erhaltenen Steinen handelt es sich um die sogenannte "Grabenfangmauer". Diese diente in Köln dazu, den Druck der Böschungen an den Befestigungsgräben aufzufangen. Im Zuge der Stadterweiterung entstand zwischen 1180 und 1259 eine Befestigungsanlage mit zwölf großen Stadttoren (das Hahnentor am Rudolfplatz ist heute noch erhalten) und einem breiten Wassergraben vor der Stadtmauer. Köln galt damals als die mächtigste Festungsstadt nördlich der Alpen, die Handelsmetropole wurde mehr als 600 Jahre von dieser Mauer geschützt, bis die Befestigungsanlage 1881 größtenteils abgerissen wurde.
Zunächst wurden die Mauerreste behutsam freigelegt und kartografiert. Wegen der Fortsetzung der Bauarbeiten sollen die Überreste aus dem Mittelalter nun wieder unter einer Sandschicht verschwinden, zum Schutz vor den Bauarbeiten, wie die Verantwortlichen betonten. Die Grabenfangmauer weist eine Tiefe von 1,30 Meter auf und soll zu einem späteren Zeitpunkt wieder freigelegt und anschließend in die Neubausubstanz integriert werden. Damit soll der historische Fund zugleich als Zeugnis für die Jahrtausende alte Tradition des Kölner Handels erhalten bleiben. Die Bauarbeiten an dem Gebäude werden durch die historischen Funde jedoch nur minimal verzögert. Als neuen Fertigstellungstermin peilen Investoren und Entwickler nun Mitte 2011 an. In dem Objekt soll ein Nutzermix bestehend aus Einzelhandel, Gastronomie und Büros entstehen.

























