24. 05. 2012
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Stadt appelliert an Grundstückseigentümer
Die Millionenstadt am Rhein ist zwar nach Flächengröße die Nummer drei in Deutschland (vor München). Aber in der Praxis fehlt es an preisgünstigen Grundstücken. Nicht nur institutionelle Investoren oder auch der klassische "Häuslebauer" ist derzeit auf der Suche nach geeigneten Flächen für die Errichtung einer nutzbringenden Gebäudehülle. Auch die Stadtverwaltung ist auf der Suche. Besonders drastisch stellt sich offenbar die Situation für die Jugendverwaltung der Stadt dar. Denn Köln und alle anderen Kommunen müssen qua Bundesgesetz ab dem Jahr 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz garantieren. In Köln hat die Stadtverwaltung bereits eine neue Nuancierung bei der Gewinnung neuer Betreuungsplätze angekündigt. So verriet die zuständige Jugenddezernentin Dr. Agnes Klein in der letzten Sitzung des Jugendhilfeausschusses den anwesenden Politikern und den Vertreterinnen und Vertretern der Freien Träger, dass die ursprünglich vorgesehene Quote von 20 Prozent in der Betreuung durch Tagesmütter und –väter höchstwahrscheinlich auf rund 30 Prozent erhöht werden müsse. Dabei hatte die Stadt erst im vergangenen Jahr die notwendigen Stellenzusetzungen in der eigenen Verwaltung durchsetzen und besetzen können, um die Qualifizierung der Anwärterinnen und Anwärtern sicherzustellen.
Nun wiederholte die Jugendverwaltung ihren Appell an die Immobilienwirtschaft, geeignete Grundstücke anzubieten. Diese sollen durch die Stadt aufgekauft und als Standort neuer Kindertagesstätten umgewidmet werden. Erste Appelle der Stadt hatten, das zeigen die Protokolle der vergangenen Sitzungen des Jugendhilfeausschusses, kaum Früchte getragen. Nun klingt der Appell drastischer. Köln droht nach den Worten der zuständigen Beigeordneten sogar eine ernsthafte Gefährdung der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestangebotsquote von 35 Prozent. Dabei klang das vor wenigen Wochen noch deutlich optimistischer. In Köln gilt eigentlich eine Zielvorgabe von 40 Prozent. Erfahrungen mit dem offenen Ganztag in den Grundschulen der Stadt zeigen jedoch: "Angebot schafft Nachfrage". Um die notwendigen Flächen im hart umkämpften, weil immer noch von steigenden Einwohnerzahlen profitierenden Grundstücksmarkt zu sichern, geht die Stadtverwaltung auch neue Wege. So fand am Freitag vergangener Woche eine Informationsveranstaltung mit Akteuren aus der Bau- und Immobilienbranche statt. Ziel war unter anderem auch, die Multiplikatoren für die Bedürfnisse der Stadt zu aktivieren. "Das Kontingent an städtischen Flächen ist nahezu erschöpft", lautet die offizielle Begründung des Anliegens.
Die Vertreterinnen und Vertreter der Institutionen wie IHK, Handwerkskammer Köln, Bauindustrie NRW, Banken, Wohnungsbaugesellschaften, Haus- und Grundbesitzerverein, aber auch Architekten vom Haus der Architektur Köln und vom Bund Deutscher Architekten sowie Vertreter der Stadtwerke und Konzerngesellschaften konnten sich über den Bedarf und die operativen Möglichkeiten informieren. "Der Ausbau des Platzangebotes muss noch mehr in den Mittelpunkt des politischen und gesellschaftlichen Interesses gerückt werden. Denn nur wenn eine qualifizierte Kinderbetreuung in ausreichendem Maße zur Verfügung steht, können Frauen und Männer Familie und Beruf miteinander vereinbaren", erklärte Oberbürgermeister Jürgen Roters.
Druck ist groß â€“ geburtenzahlen und Landesregierung verschärfen die Situation
Aktuell fehlen in Köln rund 3800 Plätze, um den kompletten Rechtsanspruch für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr zum 1. August 2013 zu gewährleisten. Bei voraussichtlich 28.800 unter Dreijährigen im Jahr 2013 muss die Stadt insgesamt 11.500 Betreuungsplätze in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege bereitstellen. Bisher galt der Rechtsanspruch lediglich für die Vorschulkinder im Alter von drei bis sechs Jahren. Zusätzlichen Druck üben dabei nicht nur die seit 2007 stetig steigenden Geburtenzahlen auf die Versorgungsquote aus. Auch die neuen Landesregierung sorgt mit ihrem Stopp beim Vorziehen des Einschulungsalters für steigenden Bedarf. Viele Kinder müssen ein Jahr länger in der Kindergartenbetreuung bleiben, teilte die Stadtverwaltung am gestrigen Montag mit. "Es gestaltet sich im dicht besiedelten Stadtbereich ausgesprochen schwierig, geeignete Grundstücke für eine Kindergartennutzung ausfindig zu machen. Die Verwaltung hofft, dass durch diese Veranstaltung Grundstücks- und Immobilienbesitzer gefunden werden, die auf ihren Grundstücken eine Kindertagesstätte durch einen Investor errichten lassen", so Beigeordnete Dr. Agnes Klein abschließend. Gesucht werden Grundstücke mit einer Mindestgröße von 1500 Quadratmetern. Ansprechpartner aufseiten der Stadtverwaltung ist Herr Helmut Tappert. Die Rufnummer lautet: 0221 / 221- 29153, die Mailadresse:
helmut.tappert1@stadt-koeln.de

























