24. 05. 2012
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Kölner GAG-Konzern: Ergebnis in 2006 bei geringeren Umsätzen gesteigert
Am gestrigen Mittwoch legte der zweiköpfige Vorstand den aktuellen
Geschäftsbericht für das Jahr 2006 vor. Trotz eines deutlichen Umsatz-
und Ergebnisrückgang im Bauträgergeschäft habe man 2006 mehr Geld
verdient. Nach HGB-Regeln verdiente die börsennotierte
Aktiengesellschaft (50 Prozent des gesamten Grundkapitals sind
stimmrechtslose Vorzugsaktien) im vergangenen Jahr 18,9 Millionen Euro.
Insgesamt werden rund neun Millionen an die Aktionäre ausgeschüttet,
der Rest geht als Gewinnrücklage in die Bilanz und damit in das
Eigenkapital, wie Finanzvorstand Uwe Eichner erläuterte.
Konzerngewinn nach IFRS deutlich höher
Nach den internationalen Bilanzierungsregeln der IFRS lag der
Jahresüberschuss mit 34,6 Millionen Euro sogar deutlich höher. „Die
Handelsbilanz hat nur den Zweck die Dividende für die Aktionäre der GAG
Immobilien AG zu bestimmten“, erklärt Eichner die Abweichung. Gegenüber
dem Vorjahr konnte der Gewinn jedenfalls deutlich (+ 30 Prozent)
gesteigert werden. Auch der operative Vash-Flow konnte spürbar erhöht
werden.
Dabei ging das Ergebnis im Bauträgergeschäft deutlich zurück. Statt
eines Gewinnbeitrags von 2,9 Millionen Euro wie in 2005 erwirtschaftete
diese Sparte bei stark gesunkenen Umsätzen (von 37,8 auf 21,3 Millionen
Euro) im vergangenen Jahr ein Minus in Höhe von 6,6 Millionen Euro. Das
lag vor allem an der geringeren Nachfrage. Neben der zum Jahreswechsel
2005/2006 weggefallenen Eigenheimzulage musste der Vorstand aber auch
andere Gründe einräumen. Vor allem bei den Bauträgerprojekten in
Merheim und Dellbrück traten Probleme auf. In Merheim lag das u.a. auch
an der Entscheidung über die Hubschrauberstation am Kalkberg, aber auch
an der Fehleinschätzung, dass „wir an diesem Standort reine
Eigentumsprojekte entwickelt haben“, wie Ott im Nachhinein zugab.
Inzwischen wurde aber bereits gegen gesteuert. „Schon jetzt haben wir
zur Jahreshälfte mehr Einheiten vermarktet als im gesamten Jahr zuvor“,
ergänzt Finanzvorstand Uwe Eichner.
Aus dem Gewinn wurden vom Überschuss 20 Millionen Euro in die
Gewinnrücklage für zukünftige Investitionen in den Bestand und
Neubaumaßnahmen eingestellt. Weil der Konzern jedoch im zurückliegenden
Jahr durch Auflösung und Inanspruchnahme insgesamt rund 25 Millionen
Euro aktivierte, gingen die für die weitere Instandhaltung vorgesehenen
Rücklagen leicht auf 137,5 Millionen Euro zurück. Der Bilanzgewinn, der
auch die Wertsteigerungen aus diesen Investitionen einbezieht, erhöhte
sich in 2006 leicht auf 105,8 Millionen Euro (2005: 103 Millionen
Euro). Trotzdem sieht man sich gut gerüstet für die nahe Zukunft.
Investitionen in 2007 auf Höchststand / Mieten steigen moderat um einen Eurogroschen pro Quadratmeter
Wichtig für den Kölner Wohnungsmarkt ist die Tatsache, dass im
laufenden Jahr mit einem geplanten Investitionsvolumen von insgesamt
fast 200 Millionen Euro ihren „Scheitelpunkt“ erreichen wird (siehe
auch Artikel vom . Bis 2011 sollen rund zehn Prozent der insgesamt
knapp über 41.000 Wohnungen im Bestand modernisiert, saniert oder
abgerissen und neu errichtet werden. Rund die Hälfte habe man bereits
in Angriff genommen oder fertig gestellt. „Eigentlich hätte dieser
Sanierungsstau nicht auftreten müssen, aber in den 90er Jahren lagen
die wohnungsbaupolitischen Schwerpunkte im Neubau. In der Spitze
übertraf die damals noch nicht zum GAG-Konzern gehörende Grund und
Boden GmbH (Grubo) alleine das von der Stadt beschlossene
1000-Wohnungen-Programm.
Bis 2010 soll der gröbste Sanierungsstau beseitigt sein, so das Ziel
des Investitionsprogramms. Trotz der umfangreichen Bestandsmaßnahmen,
die immer auch zu Entmietungen und damit Mietausfällen (dieser Wert lag
2006 höher als im Vorjahr) führen, liegt der eigentliche Leerstand bei
unter einem Prozent (bezogen auf die Gesamtzahl von 41.000
Wohneinheiten). Die durchschnittliche Miete aller Wohnungen lag Ende
2006 bei knapp über fünf Euro Kaltmiete pro Quadratmeter (5,07 Euro)
und damit ein paar Eurocents über dem Vorjahr. Selbst Kaltmieten von
bis zu sieben Euro liege man noch auf einem erträglichen Niveau, die
Mieten für Wohnungen in einzelnen Neubauprojekten (frei finanziert)
können aber auch bei der GAG deutlich darüber liegen, wie Ott einräumt.
Die Zahlen belegen jedoch das Potenzial bei der Steigerung der
Mieterlöse. Im Geschäftsjahr machte dieser Einnahmeposten mit einem
Zuwachs von etwas mehr als einem Prozent auf rund 232,5 Millionen Euro
(Vorjahr: 229,3 Millionen) die mit Abstand wichtigste Erlösquelle dar.
Trotz der Abgänge durch Privatisierungsverkäufe reichte der
Wohnungsbestand auch Ende 2006 fast das Niveau des Vorjahres. In
einigen Sanierungsgebieten wie z.B. in Müngersdorf (Dansweiler Weg)
oder in Ostheim (Projekt Ostheim 2 - siehe Bild unten) ermöglicht die
Neuordnung der Grundstücksflächen eine Nachverdichtung, die sogar noch
zu höherer Wohn- und Aufenthaltsqualität führen soll, wie Ott anhand
von Visualisierungen verdeutlichte. „Wir schaffen lebendige Quartiere“,
so das Ziel des GAG-Managements. Neben der nachhaltigen Sicherung von
Standort- und Aufenthaltsqualität in den zahlreichen Bestandssiedlungen
der GAG sollen aber auch durch Innovationen zusätzliche Anreize
geschaffen werden. Gleich mehrfach zog es Minister aus dem Düsseldorfer
Regierungskabinett zu den Kölner GAG-Standorten. Mal waren es
Brandmelder, die nach dem schrecklichen Brandunfall am Heiligen Abend
2005 in Köln-Mülheim in allen GAG-Häusern installiert wurden (Ott:
„mindestens drei pro Treppenhaus“), mal die symbolische Inbetriebnahme
von besonders umweltgerechten Modellprojekten wie der geothermischen
Energieversorgung in Köln-Niehl oder – einen Tag zuvor eröffnet – die
Solarsiedlung in Köln-Ossendorf. Neben den teilweise deutlich sinkenden
Nebenkosten für die Mieter hat die GAG in den vergangenen drei Jahren
durch ihre Sanierungspolitik zugleich noch 16.000 Tonnen des
Treibhausgases Kohlendioxid eingespart.
Preise teilweise überhitzt / Kritik an überzogenen Erwartungen
Die Luft für neue Projekte auf Kölner Stadtgebiet auf Grundstücken, die
(noch) nicht zum Konzern gehören, wird allerdings von Jahr zu Jahr
dünner, wie der Vorstand berichtet. „Der Markt ist durch die zum Teil
völlig überzogenen Kaufpreise mancher Grundstücke überhitzt. Wir werden
nicht um jeden Preis um freie Grundstücke mitbieten und die Konkurrenz
ist groß und kapitalkräftig“, umreißt Finanzvorstand Eichner die
derzeitige Situation. Wohnungspolitische Maßnahmen wie die
25-prozentige Quote öffentlich-geförderter Mietwohnungen bei großen
Neubauvorhaben werden ohnehin von der GAG als einem der wenigen
Wohnungsunternehmen überhaupt noch realisiert. Nach den Worten Eichner
übertreffe die GAG diese Selbstverpflichtung ohnehin in vielen Fällen.
Nach den Goldgräberjahren – beginnend mit dem Erwerb der
Eisenbahnerwohnungen durch die Deutsche Annington – damals Principal
Finance Group, eine Tochter der japanischen Nomura-Bank – und dem Boom
internationaler Finanzinvestoren auf dem deutschen Wohnungsmarkt
scheinen die Heuschrecken teilweise wieder den Rückzug anzutreten. Als
Beleg führt Eichner einen alten Managementkollegen aus THS-Zeiten
(Öffentliche Wohnungsgesellschaft mit rund 80.000 Wohnungen im Bestand)
an. Nach seinem Ausscheiden trat Dr. Volker Riebel in die
Geschäftsführung der für die Abwicklung des Megadeals gegründeten
Tochter Deutsche Annington ein. Heute arbeitet der Immobilienmanager
wieder bei einem öffentlichen Wohnungsunternehmen in Hannover. Ein
weiteres Beispiel ist die am Dienstag bekannt gegebene Verkaufsabsicht
von 20.000 Wohnungen. „Wir wollen auch über den klassischen
Anlagehorizont solcher „Kurzhornrinder“ (üblich sind fünf bis zehn
Jahre) unseren Bestand entwickeln und damit den Wert des Konzerns
steigern. Das scheint auch in 2006 gelungen zu sein. Mit einem fairen
Wert von 2,45 Milliarden Euro gehört der GAG-Konzern selbst nach Abzug
der Verbindlichkeiten in Höhe von 1,3 Milliarden Euro noch immer zu den
größten Wohnungsgesellschaften Deutschland, auch wenn die
Börsenkapitalisierung mit knapp 600 Millionen Euro deutlich
hinterhinkt.
Kritik an Infrastruktur- und Standortpolitik der Stadt
Trotz der positiven Entwicklung und obwohl Ott Fehleinschätzungen
einräumte, liegen einige Ursachen für das nicht immer rund gelaufene
Geschäft in der jüngsten Vergangenheit nicht im Ermessen und der
Entscheidung des Managements. So scheiterte beispielsweise in der
Donewald-Siedlung in Köln die im Planverfahren vorgesehene
Nahversorgung an den völlig überzogenen Preisforderungen der
Öffentlichen Hand. „Der dort zu errichtende Supermarkt hätte den
Einzelhändler eine Kaltmiete von 28 Mark pro Quadratmeter gekostet. Bei
etwas mehr als der Hälfte sprangen jedoch alle Interessenten ab“, wie
Ott aus der Vergangenheit berichtete. Nachdem sich die GAG dort
zurückzog, übernahmen gleich zwei Investoren das Areal mit dem Effekt,
dass die Bewohner der 640 sanierten Wohnungen. „Heute muss die junge
Mutter zum Brötchenkauf in die rund drei Kilometer entfernte
Einkaufsstraße fahren“, so Ott. Nachhaltige Quartiersaufwertung sieht
anders aus, ließ der GAG-Vorstand durchblicken.
Ausblick
Für das laufende Jahr rechnet die Unternehmensspitze mit einem Ergebnis
auf Vorjahresniveau. Bei den Umsätzen wird der Umsatzrückgang aus dem
Verkauf von Grundstücken im Bauträgergeschäft jedoch 2007 wieder
ausgeglichen, wie die Verkaufszahlen des ersten Halbjahrs untermauern.
Die Stadt (ihr gehören über 68 Prozent der stimmberechtigten
Stammaktien) erwartet von der Wohnungsgesellschaft eine Abführung in
einer Größenordnung von sechs Millionen Euro an den städtischen
Haushalt. Der Vorstand sieht durch das Maßnahmenbündel in der Sicherung
seiner nachhaltigen Ertragskraft weiter gestärkt. Für 2006 liegt die
Ausschüttung an die Aktionäre bei insgesamt fast neun Millionen Euro.
Möglicherweise kann diese Zahl in den nächsten drei Jahren ja noch
gesteigert werden, hofft nicht nur Finanzvorstand Eichner.

























