24. 05. 2012
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GAG-Siedlung in Köln-Poll nähert sich der Vollendung
Es ist eine Erfolgsstory und ein "Happy End", das in diesen Tagen seinem Ende entgegen strebt. Auf dem Gelände des ehemaligen Flüchtlingswohnheims der städtischen Wohnungsversorgungsbetriebe entsteht derzeit eine Siedlung mit 44 Wohneinheiten. Der städtische Wohnungskonzern GAG hatte das Areal im Spätsommer 2007 von einem privaten Immobilieninvestor und –entwickler erworben. Eigentlich sollten die Wohnhäuser bereits seit zwei Jahren fertig sein. Doch die Insolvenz des Bauherrn verhinderte eine zügige Fertigstellung. Nun hat das städtische Unternehmen gemeinsam mit den Wohnungsversorgungsbetrieben eine Siedlung für die Poller Bürger konzipiert. Die meisten Wohnungen sollen, so versicherte Michael Schleicher, Leiter der Kölner Wohnungsversorgungsbetriebe, bei der heutigen symbolischen Schlüsselübergabe.
Sozialer Wohnungsbau für Poller Einwohner
Mit einem Investitionsvolumen in Höhe von 4,71 Millionen Euro hat die GAG in den zurückliegenden Monaten das Grundstück mit niedrigen Mehrfamilienhäusern bebaut. Mehr als die Hälfte der Investitionssumme sind dabei öffentliche Mittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Schon zu Monatsbeginn wurden die ersten 18 Wohnungen an die Nutzer übergeben, sechs weitere waren bei der heutigen Schlüsselübergabe soweit. Die restlichen 18 Wohneinheiten sollen bis spätestens Oktober dieses Jahres bezugsfertig werden. Die zweigeschossigen Wohngebäude haben zwar keine Aufzüge, sind aber in den ebenerdigen Geschossen vollständig barrierefrei. Die Wohngrößen variieren zwischen 45 und 112 Quadratmeter. Sämtliche Wohnungen unterliegen der Förderung des sozialen Wohnungsbaus. Voraussetzung für den Bezug ist ein Wohnberechtigungsschein, dafür gibt es dann eine Kaltmiete von 4,80 Euro pro Quadratmeter, die über die kommenden 20 Jahre pro Jahr um 1,5 Prozent ansteigt. Barbara und Dirk Fischenich-Lehmann, selbst aus Poll stammend, freuen sich bereits auf die neue Wohnung. Schließlich haben sie mit ihrem neuen Zuhause auch die Größe ihrer Wohnung deutlich erhöht.
Ende von Verunsicherung und Ghettoisierung
Das Wohnprojekt an der Salmstraße gehörte in der Vergangenheit eher zu den unrühmlichen Beispielen verfehlter Grundstückspolitik. Nachdem ab dem Jahr 1989 das Grundstück Standort eines Wohnheims für Aussiedler wurde, blieb es zunächst ruhig. Als aber im Jahr 2000 die Belegung wechselte und Flüchtlinge in den städtischen Immobilien untergebracht wurde, kippte die Stimmung in Alt-Poll. So mehrten sich die Beschwerden aus der Nachbarschaft. Das Wohnheim wirkte wie ein Fremdkörper inmitten der engen Vorstadtbebauung, durch die Belegung mit Flüchtlingen in geballter Form nahmen Beschwerden über Vandalismus und Eigentumsdelikte zu. Schließlich erreichte die als rechtsradikal eingestufte Formation "pro Köln" bei der letzten Kommunalwahl in dem Stadtteil eine der höchsten Stimmenanteile, wie GAG-Aufsichtsratschef und Kölns SPD-Vorsitzender Jochen Ott kritisch anmerkte. Als im Jahr 2004 die Stadt das Grundstück an den Meistbietenden verkaufte, wurde die Situation zusehens undurchsichtig. Der Investor begann zwar mit dem Bau der Wohnhäuser, musste aber zwei Jahre später Insolvent anmelden. Derweil ruhten die Bauarbeiten auf der Baustelle, was in der Nachbarschaft für zusätzlichen Unmut sorgte. Im August 2007 dann erwarb die GAG das Grundstück und errichtete in enger Zusammenarbeit mit den Wohnungsversorgungsbetrieben das nun fast fertige Wohnquartier. Im vergangenen Jahr begannen dann schließlich die Bauarbeiten, nachdem der neue Eigentümer das Grundstück vom Unrat der zurückliegenden Jahre reinigen musste. Für SPD-Politiker Ott ist die Genese der Siedlung der Beweis, "wie wichtig eine kommunale Wohnungsgesellschaft ist", schließlich hatte die GAG durch ihren Einstieg in das Projekt den gordischen Knoten undurchsichtiger Eigentumsverhältnisse zerschlagen können.
Das Besondere an der neuen Wohnsiedlung ist nun, dass in erster Linie Poller Bürgerinnen und Bürger aus der direkten Nachbarschaft in den Neubauwohnungen unterkommen soll. Im ersten Bauabschnitt sind dabei fast alle Wohnungen bereits vermietet, wie Schleicher verriet. Und so dürfte ein jahrelanger Brennpunkt in der Poller Nachbarschaft endgültig zum Guten entschieden sein. Ein Vertreter des Poller Bürgervereins äußerte sich bei der Schlüsselübergabe zuversichtlich und dankte den Initiatoren für ihr Engagement. GAG-Aufsichtsrat Ott forderte als Konsequenz aus der Entstehungsgeschichte ein Umdenken städtischer Grundstückspolitik. "Nicht der Meistbietende ist automatisch auch der beste Investor für ein städtisches Grundstück. Das hat dieses Beispiel gezeigt", erklärte Ott abschließend.

























